Brenner-Zulaufstrecke

Flüsterzüge sollen das Inntal beruhigen

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Flintsbach - Die Erwartungshaltung ist hoch: Am Freitag will Bundesverkehrsminister Dobrindt im Kreis Rosenheim erklären, wie es mit der geplanten Brenner-Zulaufstrecke weitergeht. Vor allem beim Lärmschutz ist der Druck hoch – doch da könnte eine neue Richtlinie Entschärfung bringen.

In die Unendlich-Geschichte um den Brenner-Basistunnel und die Zulaufstrecken auf bayerischer Seite kommt Bewegung. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will heute bei einem Vor-Ort-Besuch an der Strecke in Flintsbach der Kommunalpolitik die weitere Vorgehensweise erklären.

Die Zeitvorgaben sind bislang sehr vage. Frühestens 2026, also in gut elf Jahren, wird voraussichtlich der Brenner-Basistunnel zwischen Innsbruck und Franzensfeste in Südtirol fertig. Er ist 56 Kilometer lang. Die Zulaufstrecke zwischen Kufstein und Innsbruck ist längst in Betrieb, die in Bayern noch nicht einmal geplant.

Fest steht: Um das erwartete Plus an Güterzügen zu verkraften, will die Bahn durch die Landkreise Ebersberg und Rosenheim zu den vorhandenen zwei Gleisen langfristig zwei weitere hinzu bauen. Eine erste Kostenschätzung lag bei 2,6 Milliarden Euro. Dann könnten täglich 300 Züge durchs Inntal rollen – heute sind es 180. Soweit der Plan. Doch weil der Neubau bis 2026 nicht zu schaffen ist, sollen in einem ersten Schritt die vorhandenen Gleise modernisiert und mit Überholmöglichkeiten ausgestattet werden. So könnte die Kapazität früher erhöht werden.

Die Kommunalpolitik begleitet dieses Vorhaben argwöhnisch. „Wir wissen doch, nichts ist so langlebig wie ein Provisorium“, sagte Rosenheims Landrat Wolfgang Berthaler (CSU) schon im Juli 2014, als ein Planungsdialog angekündigt wurde. Die Politik reagiert darauf jetzt und erhöht den Druck auf die Deutsche Bahn. Dobrindt fordert eine Beschleunigung des Verfahrens: „Die Bahn muss zügig mit der Planung der neuen Gleise beginnen“, sagte er vorab unserer Zeitung. „Wir sorgen zudem dafür, dass Güterwagen künftig leiser fahren. Bis 2020 fördern wir die Umrüstung auf Flüstertechnik, danach wird diese Ausstattung Pflicht.“

Gemeint ist: Ab 2020 sollen nach derzeitigem Stand der Planung keine Güterwagen mehr im deutschen Netz fahren, die die Lärmstandards nicht erfüllen. Alle mehr als 100 000 Güterwagen, die in Deutschland täglich unterwegs sind, sollen bis dahin andere Bremsen erhalten – keine alten Graugussbremsen mehr, sondern eine so genannte Flüstertechnik mit LL-Sohlen („low noise, low friction“). Damit wird das Fahrgeräusch der Züge halbiert, heißt es. Derzeit feilt eine Arbeitsgruppe mit Beteiligung des Bundesverkehrsministerium am Entwurf einer Regelung, die betriebsregulierende Anordnungen auf Eisenbahnstrecken in Deutschland ermöglicht. Gedacht ist an ein striktes Verbot der alten Bremsen – nicht etwa daran, durch Strafzahlungen das Anrollen alter Güterwaggons lediglich zu erschweren, heißt es aus dem Ministerium. Durch diese Garantie könnte aus der momentanen erhitzten Diskussion im Inntal einiges an Schärfe herausgenommen werden.

Offenbar auf Druck von Dobrindt wertete die Bahn den heutigen Termin auf. Jetzt reist DB-Vorstand Volker Kefer an. „Die Bahn muss liefern am Freitag, definitiv“, verlangt die Rosenheimer Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU). Sie will, dass der schon längst versprochene Bürgerdialog über die Trasse heuer noch startet. Denn wo die zwei neuen Gleise geplant werden, ist ganz ungewiss. Man gehe bewusst ohne jede Vorgabe in den Bürgerdialog, versichert die Bahn. Alles ist denkbar – ein Komplett-Tunnel ebenso wie eine Neubaustrecke entlang der Inntal-Autobahn. Ludwig fordert, dass neben den Flüsterzügen auch mehr passiver Lärmschutz erfolgt. „Mindestens genauso wichtig ist: Wie gehen wir bis zur Fertigstellung mit der Bestandstrasse um? Ich habe die Erwartung, dass an der Gesamtstrecke mehr Lärmschutz erfolgt. Das ist nicht mit drei Wänden getan.“ Von der Bahn müsse schon heute dazu eine konkrete Aussage kommen, sagt sie.

Nicht zum heutigen Termin eingeladen sind übrigens die in einer Lärmschutz-Initiative organisierten Anlieger im Landkreis Ebersberg. Sie reagierten darauf mit einem Protestschreiben an Ludwig, die den heutigen Termin organisiert hat.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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