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Blauer Himmel über Attaching – und kein Flugzeug durchkreuzt ihn. Familie Riesch nutzt die Sperrung des Flughafens und macht einen ausgiebigen Spaziergang.

Flughafen-Anwohner: „Ich hab' nur die Vögel zwitschern hören"

Attaching - Immer wieder stupst Monika Riesch ihren Mann an: „Du, hörst Du das?" „Nein, ich hör nix", antwortet ihr Mann Christoph dann - bevor sie beide anfangen zu lachen.

Die beiden leben mit ihren Söhnen, dem zweieinhalbjährigen Leander und dem fünf Monate alten Baby Maximilian, in Attaching (Kreis Freising). Die Gemeinde liegt Luftlinie kaum einen Kilometer vom Flughafen-Gelände entfernt.

„Mit dem Auto wären wir in zehn Minuten mitten im Terminal", sagt die 37-Jährige. Dort ist seit Freitagabend nichts mehr los - die Sperrung des Flughafens München beschert den Rieschs so stille Stunden wie lang nicht mehr.

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Als die zweifache Mutter am Samstagmorgen aufwachte, hielt sie kurz inne: „Ich hab nur die Vögel zwitschern hören. Das war so schön!" Sonst donnert schon in den frühen Morgenstunden ein Flieger nach dem anderen über das Haus der Familie hinweg. Um die Ruhe auszunutzen, luden die Rieschs am Samstagabend spontan Freunde ein - zum Grillen. Der Abend ohne Fluglärm war gigantisch: „Das fällt total auf", erzählt Monika Riesch, die im Haus ihrer Eltern nebenan aufgewachsen ist und sich kaum mehr an die Zeit ohne Airport und Fluglärm erinnern kann. Normalerweise macht die 37-Jährige mit ihrem Mann (35) und ihren Kindern jeden Sonntag einen Ausflug. Gestern wollten sie zum Tag der offenen Tür eines Möbelhauses. Doch nachdem Monika Riesch im Radio von der Verlängerung der Luftraumsperrung erfahren hatte, entschloss sie sich spontan zum Daheimbleiben: Die Rieschs nutzten die Stille über Attaching für einen ausgiebigen Spaziergang.

Das Hintergrundrauschen ist sonst für Jürgen Steiner allgegenwärtig. Der Vorsitzende der Bürgerinitiative Hallbergmoos genießt jetzt jede Stunde ohne Fluglärm in vollen Zügen. „Herrlich! Es herrscht eine paradiesische Ruhe", schwärmt er. „So müsste es immer sein." Trotz aller Freude über die freie Einflugschneise sind seine Gedanken auch bei den wartenden Fluggästen. „Ich habe Mitleid mit den Leuten, die am Flughafen auf Feldbetten schlafen müssen."

Auch Schwaig (Kreis Erding) war am Wochenende vom Lärm befreit. „Es kann sogar in Schwoag schee sei", seufzt Josef Felsl vom Gasthof Alte Post. „Das ist ein ganz anderes Lebensgefühl." Der lahm gelegte Flugverkehr ließ den ansonsten erheblichen Zubringerverkehr wegfallen. „Wir haben am Biergarten zur Straßenseite hin extra eine Mauer errichten lassen - die bräuchten wir jetzt gar nicht." Was er bräuchte, wären mehr Betten: „Wir könnten das Haus doppelt und dreifach belegen, weil so viele Leute hier festsitzen."

Carina Lechner / Corinna Erhard

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