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Die Passagierzahlen gehen nach oben - für die Mitarbeiter am Münchner Flughafen droht jedoch eine Entlassungswelle.

Flughafen streicht jede dritte Stelle

München - Die Passagierzahlen am Münchner Airport steigen wieder. Aber die Mitarbeiter am Flughafen München bangen trotzdem um ihren Job.

11,4 Prozent Passagiere mehr als im Vorjahresmonat zählte die Flughafen München GmbH (FMG) im März. Das erste Quartal im Frachtgeschäft endete mit einem 25-Prozent-Plus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Und dennoch zittern die 1800 Mitarbeiter des Bodenverkehrsdienstes (BVD) um ihre Stellen. Rund 500 - das ist fast jeder Dritte - muss schon jetzt gehen, weil Air Berlin seine jährlich 17 000 Flugzeuge nicht mehr von den FMG-Mitarbeitern abfertigen lässt, sondern vom Konkurrenten Swissport-Losch, der auch von der Lufthansa 25 Prozent der Aufträge bekommen hat. Die restlichen 1300 Stellen im BVD sind laut FMG-Chef Michael Kerkloh ebenfalls in höchster Gefahr, wenn die Mitarbeiter, die derzeit 2000 bis 2500 Euro brutto verdienen, nicht zu weiteren Geldeinbußen bereit sind.

Bereits jetzt verdienen die BVDler gemäß Verdi-Angaben 18 Prozent weniger als alle anderen nach dem Öffentlichen Tarifvertrag bezahlten Münchner Beschäftigten. Dennoch habe der Bodenverkehrsdienst seit 1999 rund 300 Millionen Euro Minus gemacht, rechnete die FMG-Geschäftsführung vor, die ihrerseits von ihren Anteilseignern strenge Auflagen bekommen habe. Die Gesellschafter - Bund, Land Bayern und die Stadt München - wollen nur noch kostendeckende BVD-Verträge mit Airlines abschließen. Die Folge war ein 38-Prozent-Aufschlag beim neuen Air-Berlin-Vertrag - den auch der Betriebsrat für übertrieben hält und auch die Fluggesellschaft dankend ablehnte. Weitere Fluggesellschaften werden dem Beispiel der Air Berlin folgen. Continental Airlines, der Neuzugang am Flughafen München, ging zum Beispiel sofort zur Konkurrenz.

Die FMG musste bereits im Geschäftsbericht 2008 einräumen, dass der BVD ein bestandsgefährdendes Risiko sei, also das gesamte Unternehmen zum Einsturz bringen könnte. Der Airportbetreiber rechnet mit weiteren Abgängen von Kunden und hat deshalb bereits einen Großteil des letztjährigen vorläufigen Bilanzgewinns von 105 Millionen Euro für Abfindungszahlungen zurückgestellt.

Dabei braucht die FMG jeden Cent, schließlich hält sie angesichts günstiger Wachstumsprognosen des Hamburgischen WeltWirtschaftsinstituts weiter an den Ausbauplänen fest. Bis zu 2 Milliarden Euro dürften der Bau einer dritten Startbahn sowie eines Terminalsatelliten kosten. Beides will die FMG ohne finanzielle Unterstützung der Gesellschafter schultern. Deshalb wird an allen Ecken und Enden gespart. Zum Beispiel werden die Büros nicht mehr täglich, sondern nurmehr wöchentlich gereinigt. Die Parkgebühren - schon bisher eine Gelddruck-Maschine - wurden erhöht, ebenso die Landeentgelte.

Empört hat sich der Vorsitzende der Freien Wähler im Bayerischen Landtag, Hubert Aiwanger, über den geplanten Stellenabbau gezeigt. „Wer Leute rausschmeißt, braucht keine dritte Startbahn." Schon heute würden die Umlandgemeinden mehrere Millionen Euro pro Jahr an Sozialgeldern für Flughafenbeschäftigte bezahlen, die von ihrem Lohn nicht leben können.

FMG-Sprecher Anspach kontert Aiwangers Thematik als „frei erfunden". Laut Bundesagentur für Arbeit gebe es in den Kreisen Freising und Erding weniger sogenannte Aufstocker als im Landesdurchschnitt.

Dieter Priglmeir

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