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Die Flugzeuge am Flughafen München sollen künftig etwas leiser landen.

Flughafen: Bald weniger Lärm beim Anflug?

Erding - Lärmgeplagte Anwohner des Flughafen München können in Zukunft vielleicht etwas ruhiger schlafen. Ab Donnerstag wird eine neue Art zu landen getestet. Diese spart vor allem Treibstoff – ist aber auch leiser.

Der Zwang zum Sparen in wirtschaftlich schlechten Zeiten muss nicht auf Kosten der Umwelt gehen. Das zeigt das neue Anflugverfahren, das ab Donnerstag am Flughafen München getestet wird. Der kontinuierliche Sinkflug, auch CDA-Verfahren genannt (Continuous Descent Approach), spart Kerosin. Gleichzeitig wird aber nicht nur die Umwelt durch einen geringeren CO2-Ausstoß entlastet, sondern auch das Gehör der Anwohner geschont.

Bei einem herkömmlichen Landeanflug wechseln sich Beschleunigen und Absinken der Maschine ab. Das Flugzeug sinkt sozusagen in Etappen. Dies verursacht natürlich einen gewissen Lärm, denn die Triebwerke beschleunigen im einen Augenblick, um im nächsten wieder Schub zurückzunehmen. Beim CDA-Verfahren sinkt das Flugzeug kontinuierlich. Die Triebwerke werden gewissermaßen in den Leerlauf geschaltet. Axel Raab, Pressesprecher der Deutschen Flugsicherung, vergleicht dieses Vorgehen mit dem Leerlauf eines Autos. Nur, dass beim Flugzeug ein Computer den Zeitpunkt errechnet, ab wann der Gleitflug beginnen muss.

Davon profitieren auch Anwohner. Denn der Lärm verringere sich um bis zu zwei Dezibel, sagt Raab. Allerdings nicht für alle Anwohner. Profitieren dürfte vor allem die Bevölkerung in einer Entfernung von 55 bis 15 Kilometer von der Landeschwelle. „Im Endanflug müssen die Triebwerke und Landeklappen natürlich eingesetzt werden. Das ist dann genauso laut wie bisher auch“, erklärt der Pressesprecher.
An den Flughäfen Frankfurt und Köln-Bonn wird das CDA-Verfahren bereits eingesetzt. Die Zahlen sprechen für sich. Je nach Flugzeugtyp und Flugstrecke lassen sich pro Landeanflug 50 bis 150 Kilogramm Kerosin einsparen. Das sind zwischen 160 und 470 Kilogramm CO2-Einsparung.

Das Verfahren ist nur für verkehrsschwache Zeiten

Einen Haken gibt es an dem kontinuierlichen Sinkflug aber doch. Axel Raab bemüht erneut den Vergleich vom Autofahren: „Wenn man im Leerlauf fährt, muss man auf andere Autos Rücksicht nehmen und kann nicht immer genau bis zur Garage rollen.“ Soll heißen: Das CDA-Verfahren ist eigentlich nur für verkehrsschwache Zeiten geeignet. Es kommt also vor allem nachts zum Einsatz.

Die Einflugschneisen werden sich aufgrund des Testbetriebes „nicht wesentlich“ ändern, urteilt Raab. Und die Veränderungen, die es geben wird, würden sich höchstens entlastend auswirken. Genaue Daten dazu liegen aber noch nicht vor und sollen sich eben aus der Testphase ergeben. Diese wird zwischen einem halben und einem dreiviertel Jahr dauern. In diese Ergebnisse fließen dann auch eventuelle Beschwerden von Anwohnern ein, die in ihrem Wohnort doch eine Lärmzunahme feststellen.

Bekannt waren die Einsparungsmöglichkeiten durch den Sinkflug schon länger. Es habe jedoch einige Zeit gedauert, bis das Verfahren standardisiert werden konnte, erklärt Raab. Und das auch nur mit Hilfe der Satellitennavigation. Jetzt soll das Verfahren aber an allen Flughäfen nach und nach eingeführt werden. Abhängig ist es dort jeweils von den Verkehrsströmen, den topografischen Begebenheiten und der Besiedelung. Die Piloten müssen sich im Übrigen nicht nachschulen lassen. „Diesen Gleitflug muss jeder Pilot beherrschen“, ist sich Raab sicher. Gleiches gelte für die Fluglotsen.

Marco Litzlbauer

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