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Ein entschärfter Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg liegt auf einem Acker neben dem ehemaligen Militärflughafen in Giebelstadt (Unterfranken).

Flugplatz Giebelstadt: Wer bezahlt die Bombensuche?

Giebelstadt  - Anfangs ging es nur um einige US-Fliegerbomben, die auf den Feldern um den ehemaligen Militärflugplatz Giebelstadt vermutet wurden. Doch was dort unter der Erde lauert, übertrifft sämtliche Vorstellungen.

Mehr als fünf Tonnen Wehrmachtsmaterial wurden seit Beginn einer großen Räumungsaktion im vergangenen September auf dem Gelände ausgehoben. “Dass so viel deutsche Munition auftaucht, war nicht im Ansatz zu erwarten“, sagt der Bürgermeister der 5000-Einwohner-Gemeinde, Helmut Krämer (Bürgerbündnis).

Insgesamt sind bisher rund zehn Tonnen Sprengstoff entdeckt und beseitigt worden. Doch das ist längst nicht alles. “Erst 170 von 300 Hektar sind bis jetzt geräumt“, erklärt Kampfmittelexperte Daniel Raabe, der die Räumungsaktion leitet.

Seit nach den gefährlichen Altlasten auf den Äckern gesucht wird, gibt es Streit um die Finanzierung. Zunächst sollten für die schwierige Suche nach der verborgenen Gefahr die Grundbesitzer aufkommen. Nur für die Entschärfung und Räumung der Blindgänger wollte die Staatsregierung zahlen. Der Freistaat sicherte aber nach heftigen Protesten im Frühjahr 2010 schließlich zu, auch zwei Drittel der Kosten für die Suche nach den Kriegsrelikten zu übernehmen. Aber wer zahlt den Rest?

Das Bundesfinanzministerium kündigte nun kürzlich überraschend finanzielle Unterstützung an. “Das Ministerium stuft die Suche jetzt als Flächenräumungsmaßnahme ein“, erklärt Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk (CSU) in einem Schreiben an die Marktgemeinde. Die unerwartet hohe Anzahl und der große Anteil deutscher Munition mache eine “Flächenräumung“, also das systematische Suchen nach Bomben nötig.

Die Gesamtkosten der Suche werden mit rund 360 000 Euro beziffert. Zahlen will der Bund nur für die Suche nach deutschen Sprengkörpern. Deutschland fühlt sich nur für die “unmittelbare Gefahrenbeseitigung“ zuständig. “Es ist in der Tat nicht auszuschließen, dass ein Restbetrag übrig bleibt“, räumt Staatssekretär Koschyk ein. Es sei dann Sache des Freistaats, zu entscheiden, ob er diesen Betrag übernimmt. Im bayerischen Innenministerium lehnt man eine solche Übernahme ab.

Landwirt Karl Schön freut sich dennoch über die Entscheidung in Berlin. “Wir sind froh, dass sich der Bund nun endlich bewegt.“ Schön ist einer von gut 50 Bauern, die das Gefahrengebiet rund um den Flugplatz bewirtschaften. Neben den Kosten sorgt er sich seit langem auch um die Gefahr, die in seinem Acker schlummert. “Es ist Zufall, dass bis jetzt noch kein Menschenleben zu beklagen war.“ Die Familie des Landwirts hatte die betroffenen Felder in den 1960er Jahren gekauft, damals galten die Flächen als “bombenfrei“. Als Schön im Oktober 2009 ein Feld auf Eigenverdacht untersuchen ließ, war das Ergebnis schockierend: 14 US-Fliegerbomben, manche bis zu 35 Kilo schwer, wurden damals auf 5 Hektar Land gefunden.

Auch auf anderen Grundstücken wird seit Jahren nach den Blindgängern gegraben. Auch wenn sich Bund und Freistaat finanziell beteiligen, werden die Betroffenen in die eigene Tasche greifen müssen. “Wir rechnen momentan mit einen Restanteil von ungefähr 60 000 Euro“, sagt Bürgermeister Krämer. Das sind 200 Euro pro Hektar für die Grundstückseigentümer.

Doch das ärgert Landwirt Schön. “Wir müssen für etwas bezahlen, für das wir nichts können.“ Da die Bundesrepublik als Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches für den Wehrmachtssprengstoff verantwortlich sei, sollte der Bund seiner Meinung nach auch alle Kosten tragen.

Der Flugplatz war im Zweiten Weltkrieg ein wichtiger Stützpunkt der deutschen Luftwaffe. Unter anderem war dort die Messerschmitt ME 262 stationiert, ein damals neuartiges Kampfflugzeug. Außerdem wurde auf dem Gelände heimlich an Raketentreibstoffen geforscht. Gegen Kriegsende wurde der Flugplatz stark bombardiert, um die dort stationierten Wehrmachtsflugzeuge zu zerstören. Zahlreiche US-Sprengkörper detonierten aber nicht. Nach ihnen soll heuer nach der Getreideernte wieder gesucht werden.

dpa

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