Forscher finden neue Fischart im Ammersee

München - Einen „Sensationsfund“ meldet die Zoologische Staatssammlung: Wissenschaftler haben im Ammersee eine bislang unbekannte Fischart entdeckt. Gerade noch rechtzeitig – denn die Art könnte aussterben.

Jahrzehntelang schlummert die „Sensation“ unentdeckt in unterirdischen Magazinen. Bis ihn seine großen Augen und sein „knubbeliger“ Kopf schließlich doch verraten – den unbekannten Kaulbarsch, den Jungspund aus dem Ammersee.

Tausende Exemplare aller denkbaren Tier- und Insektenarten lagern in den Kellerräumen der Zoologischen Staatssammlung München. Ab und an, so erzählt Ulrich Schliewen, holt man sie wieder hervor – für Forschungsprojekte oder Diplomarbeiten zum Beispiel. Und so kommt jetzt auch der vergessene Kaulbarsch zu neuem Ruhm. Nur, weil ihn der Student Matthias Geiger für seine Diplomarbeit aus dem Schrank gezogen hat.

ezogen hat. „Die großen Augen sind mir sofort aufgefallen“, erinnert sich Schliewen, der Geigers Arbeit betreut hat. „Und der Kopf, er wirkte so knubbelig, irgendwie anders.“ Schliewen und Geiger werden skeptisch, besorgen sich sofort „frisches Material“ von einem Fischer am See. Der Kaulbarsch ist mit kaum 13 Zentimetern Körperlänge zu klein, als dass man ihn kommerziell fischen würde – aber einzelne Tiere landen immer mal wieder in den Netzen. Mit 26 Exemplaren der neuen Art in der Kühlbox fahren die Forscher zurück nach München und machen sich an die Arbeit.

Sie messen die Körperproportionen, die Schwanzlänge, wie hoch die Rückenflosse ist und sie zählen Schuppen. 37 sind es im Schnitt, vom Kiemendeckel bis zum Schwanz. Dann, um ganz sicher zu gehen, nehmen sie eine DNA-Probe. Alle Daten, Messungen, Ergebnisse werden akribisch mit den bereits bekannten Arten verglichen. Schließlich steht fest: Vor ihnen, unter dem Sektionsmikroskop, liegt eine unbekannte Art. Sie benennen sie auf Latein nach ihrer Heimat: Gymnocephalus ambriaelacus, der Ammersee-Kaulbarsch. Nirgendwo sonst auf der Welt wurde die Art jemals beschrieben. Und sie ist jung. Der Ammersee selbst ist kaum 14 000 Jahre alt, der einzigartige Fisch, schätzt Schliewen, ist maximal 10 000 Jahre alt. Und das, sagt er, „ist ziemlich jung“.

Noch hatten die Forscher keine Zeit, das Verhalten der neuen Art genau zu untersuchen. Noch ist der wissenschaftliche Wert der Fundes kaum absehbar. Dabei könnte es eine Frage der Zeit sein, bis die junge Art wieder verschwunden ist. Nicht von den Fischern droht Gefahr, sondern von einem nahen Verwandten. Denn längst wurde der „normale“ Kaulbarsch – vermutlich versehentlich – in den Ammersee eingeschleppt, ist dort seit ein paar Jahren heimisch.

„Es besteht die Gefahr, dass sich der Neuankömmling, wie auch in anderen Gewässern, rasant vermehrt und dem echten Ammersee-Kaulbarsch das Leben schwer macht, ihn vielleicht komplett verdrängt“, sagt Schliewen. „Wenn die Art hier ausstirbt, ist sie verloren.“ Was auch immer passiert: Eines, sagt der Forscher, hat der „Sensationsfund“ bewiesen. „Auch hier in Bayern, vor unserer eigenen Haustür, gibt es noch viel zu entdecken.“

Thomas Schmidt

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