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Ein Gänseschwarm am Himmel: Die Population hat stark zugenommen.

Forscher machen Jagd auf Gänse

München - Jetzt geht es ihnen an den Kragen - den Gänsen. Sie werden zusammengetrieben und getötet. Der Freistaat hat ein Problem mit dem Vogel, Umweltschützer mit dem Freistaat.

Forscher der Uni München gehen Gänsen an den Kragen. Umweltschützer laufen Sturm - doch für den Freistaat wird der Vogel immer mehr zu einem Problem.

Konrad Lorenz würde sich im Grabe umdrehen. Wissenschaftler haben zur Jagd geblasen auf sein bekanntestes Forschungsobjekt: die Graugans. Angeblich gibt es viel zu viele Gänse in Bayern. Deswegen hat die Oberste Jagdbehörde im Landwirtschaftministerium Dr. Andreas König beauftragt, eine Lösung für das Problem zu finden. Und diese Lösung erprobt der Wildbiologe zurzeit am Altmühlsee in Mittelfranken - unter anderem deswegen, weil der Protest in München zu groß war.

Zwei Jahre ist es her, da wollte König Graugänse in Münchner Parkanlagen fangen und töten - mit Genehmigung der Behörden, laut denen der Vogel zur Plage wurde. Prompt warfen sich Naturfreunde schützend vor die Gänse und wehrten sich so heftig, dass König seine Pläne an den Nagel hing. Vorerst.

Mittlerweile hat der Forscher den Segen der Regierung von Mittelfranken bekommen, den Altmühlsee als „Modellgebiet“ zu nutzen. Als „Modellgebiet“ zur „Steigerung der jagdlichen Effizienz“. Per Sondererlaubnis werden dort von Mai bis Juli „Mausergänse“ mit Netzen gefangen und anschließend getötet. Als „Mauser“ bezeichnet man das Abwerfen und Neuwachsen des Federkleids. In dieser Zeit können die Tiere nicht fliegen - oder vor ihren Häschern flüchten.

Bestand an Graugänsen kontinuierlich gestiegen

Der Bestand an Graugänsen sei in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, begründet die Regierung ihre Entscheidung. Diese Tiere verursachen „nachgewiesenermaßen erhebliche Schäden“, heißt es dort. In der Tat gibt es viele, die nach wirksameren „Lösungen“ rufen. Fressen die Tiere die Saat von den Äckern, entstehen hohe finanzielle Schäden für die Bauern. „Noch ist die Population überschaubar“, mahnt Johann Koch vom Bayerischen Bauernverband (BBV). „Man muss jetzt etwas tun, bevor die Schäden noch größer werden.“ Wildbiologe König hat zudem eine Befragung unter Jägern durchgeführt. Danach sind die Schäden durch Wildgänse sogar schlimmer als die Schäden durch Schwarzwild. Hinzu kommen hygienische Probleme durch Verkotung. Und auch den Badegast am See dürfte es wenig freuen, in die Hinterlassenschaften der Gänse zu treten.

„Es ist schon so, dass Gänse in einzelnen Gebieten zum Problem werden können“, sagt selbst Heinz Sedlmeier vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). Aber Königs Methoden, die lehnt er ab: „Tiere in einer empfindlichen Phase in Massen zusammentreiben und zur Schlachtbank fahren - für mich ist das Tierquälerei.“ Außerdem ist die Wissenschaft für ihn nur ein Deckmantel. „Was für ein Forschungs-Ergebnis soll denn bitte rauskommen, wenn ich 300 Tiere abschlachte?“ Es gehe wohl eher darum, das Jagdgesetz aufzuweichen. Immerhin ist die Oberster Jagdbehörde Königs Auftraggeber. „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“, zitiert Sedlmeier vielsagend.

Statt der Massen-Tötung schlägt der Vogelschützer eine andere Methode vor: ein „Management von Vergrämungs- und Ruhezonen“. Die konventionelle Jagd mit dem Gewehr reiche aus, um die Tiere aus bestimmten Gebieten zu vertreiben, sagt Sedlmeier. Doch genau daran zweifeln Behörden, Bauern und Dr. König.

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