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Niederschmetternd ist die Lage vieler Waldbesitzer im Landkreis Passau. Wie in diesem Forst bei Hauzenberg hat das Unwetter vielerorts einen Großteil des Baumbestandes zerstört. Die Aufräumarbeiten sind aufwendig – und zum Teil lebensgefährlich.

Vom Sturm gebeutelt

Forstbesitzer in Niederbayern: „Wir haben im Wald geheult“

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Über Generationen aufgebauter Waldbestand – vernichtet in einer halben Stunde: Das schwere Unwetter vom Freitag hat besonders den Landkreis Passau und die dortigen Forstbesitzer getroffen. Die Aufräumarbeiten wachsen sich zur Mammutaufgabe aus.

Hauzenberg – Thomas Kinateder ist fix und fertig. Mit wachsendem Entsetzen ist der Forstwirt aus Sickling bei Hauzenberg (Kreis Passau) in den vergangenen Tagen durch seine gut 60 Hektar Wald gewandert – beziehungsweise durch das, was davon noch übrig ist. Gut drei Viertel seines Baumbestandes sind hinüber, schätzt der 44-Jährige. Fichten, Tannen, Buchen – alle in einer knappen halben Stunde niedergeprügelt von dem schweren Unwetter, das am Freitagabend mit Hagel, Sturm und Starkregen über den Freistaat gefegt ist.

„Unser Herzblut hängt am Wald“, sagt Kinateder – und meint damit auch seine Frau und seinen 14-jährigen Sohn, dem der Forstwirt so gerne einen intakten Besitz übergeben hätte. Daraus wird nichts. „Für ihn bleibt nur noch Arbeit übrig, kein Wert mehr“, sagt Kinateder und seine Stimme zittert. Zwei bis drei Generationen werde es dauern, bis der Bestand wieder annähernd auf dem Ausgangsniveau sei. Kinateder hadert mit der Willkür, mit der die Natur seinen Besitz ausgelöscht hat: „Wir haben im Wald geheult.“

Andere aus der Gegend habe es noch schlimmer erwischt. Teilweise stünden Forstwirte nicht nur vor einem Komplettverlust ihres Baumbestandes, sondern hätten auch noch schwere Schäden an Haus und Hof zu beklagen. „Es zieht sich eine Schneise durch die Gegend“, erzählt Kinateder fassungslos. „Das Landschaftsbild hat sich komplett geändert.“

Nun müssen sich die niederbayerischen Waldbesitzer ans Aufräumen machen, obwohl viele gar nicht wissen, wo sie anfangen sollen. In den Wäldern herrscht Lebensgefahr, viele der gestürzten Stämme stehen unter großer Spannung. Am Montag hat sich ein 71-Jähriger bei Aufräumarbeiten tödlich verletzt. Dazu fehle es an Maschinen und die Sägewerke seien wegen der seit drei Jahren anhaltenden Borkenkäferplage bereits ausgelastet, berichtet Kinateder. Er steht vor einer Mammutaufgabe. „Wenn ich rund um die Uhr durcharbeite, schaffe ich das alles in drei Jahren nicht“, sagt der Forstwirt. „Wie sollen wir das nur schaffen?“ – dieser Satz fällt in diesen Tagen immer wieder.

Auf die Unterstützung der Staatsregierung hofft Bernhard Bielmeier, Geschäftsführer der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Niederbayern (FVN). „Die Politik darf sich jetzt nicht wegducken“, sagt er. Für die am stärksten Betroffenen in den Landkreisen Passau und Freyung-Grafenau müssten finanzielle Entschädigungen ähnlich wie für Flutopfer fließen. Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) kündigte für die Betroffenen Unterstützung in Form steuerlicher und finanzieller Hilfen an.

Das gesamte Ausmaß der Schäden sei laut Bielmeier noch gar nicht zu beziffern, da viele Waldstücke nicht betretbar seien. „Mehrere tausend Hektar Wald sind zerstört“, so viel traut er sich bereits zu sagen. Überfliegungen sollen nun mehr Klarheit bringen.

Die FVN, in der nach eigenen Angaben mit 320 000 Hektar rund 75 Prozent der privat bewirtschafteten niederbayerischen Waldfläche organisiert ist, versucht nun die finanziellen Schäden für ihre Mitglieder abzumildern. „Der Holzpreis wird noch weiter unter Druck kommen“, prophezeit Bielmeier. Der Markt sei längst gesättigt. Der Wirtschaftsverband hofft nun, Absatzwege in andere Bundesländer aufzutun.

Um den regionalen Markt nicht gänzlich zu überfluten, sollen die Stämme möglichst noch bis zum Winter im „natürlichen Nasslager Wald“ liegen bleiben, wo es weniger Qualität verliert. Raus müsse es bis zum Frühjahr – sonst drohe eine Borkenkäferplage ungeahnten Ausmaßes. So oder so – der Schaden ist enorm: Rund ein Drittel der geknickten Stämme ist laut Bielmeier Bruchholz – und damit nur noch Heizmaterial.

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