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Mit Stofftieren gegen die Panik: Pädagogin Marlene Biberacher erklärt Erzieherinnen, wie sie mit traumatisierten Kindern umgehen können. Nicht nur Flüchtlingskinder kämpfen mit der Erinnerung.

Anleitung für Erzieher

Fortbildung: Wie geht man mit traumatisierten Kindern um?

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München - Wie geht man mit einem traumatisierten Kind um? Das lernen Erzieherinnen bei einer neuen BRK-Fortbildung – dank einer Stiftung sogar kostenlos. Betroffen sind vor allem Flüchtlingskinder. Aber nicht nur.

Bei dem dreijährigen Ben aus Simbach am Inn (Name geändert) reichte schon eine Kleinigkeit – und die Panik schoss ihm in den Kopf. Sobald im Kindergarten jemand den Wasserhahn aufdrehte, packte ihn die Angst, erzählt seine Erzieherin. Wie auf Knopfdruck. Nicht ohne Grund, denn die Familie des Buben war massiv vom Hochwasser im vergangenen Juni betroffen. Als die Wassermassen durch die niederbayerische Stadt donnerten, musste die Familie in den ersten Stock flüchten – bis sie die Feuerwehr mit einem Boot retten konnte. Das hat sich bei dem kleinen Bub ins Gedächtnis gebrannt. Seitdem bedeutet fließendes Wasser für den Dreijährigen: Gefahr.

Marlene Biberacher beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit der Frage, wie traumatisierten Menschen geholfen werden kann. Dieses Wissen gibt sie nun bei einer Fortbildung des Bayerischen Roten Kreuzes an Erzieherinnen aus Bayern weiter. Denn die Fälle, mit denen die Pädagogen in ihren Kindertagesstätten konfrontiert werden, häufen sich – weil sie immer mehr Mädchen und Buben betreuen, die bereits etwas Schreckliches erlebt haben. Kriegs- und Fluchterlebnisse von Flüchtlingskindern sind nicht die einzigen Fälle, wie die Geschichte des Buben aus Simbach zeigt. „Aber es ist schon die Mehrheit“, sagt Biberacher.

Kleines Mädchen verbindet Aufwecken mit Flucht

Die teilnehmenden Erzieherinnen sitzen im Konferenzraum der BRK-Geschäftsstelle um den Tisch und berichten von ihren Erfahrungen aus dem Kindergarten-Alltag. Eine Erzieherin erzählt von einem dreijährigen Mädchen, das mit ihrer Mutter in einer Asylunterkunft lebt. In der täglichen Ruhephase im Kindergarten schlief das Mädchen tief und fest. „Wenn dann die Mama kam und sie aufweckte, war es jedes Mal ein Riesen-Drama.“ Das Kind hörte nicht mehr auf zu weinen. Wenn die Erzieherinnen die Kleine weckten, blieb sie dagegen völlig ruhig. Die Vermutung der Pädagogen: Das Wecken der Mutter verbindet das Kind mit der Fluchtsituation. Die Angst um das eigene Leben kommt dann schlagartig wieder zurück. „Seit wir das Problem erkannt haben, wecken wir das Mädchen“, sagt die Erzieherin.

Gemeinsam mit Marlene Biberacher arbeiten die Erzieherinnen daran, wie sie sich in den Situationen im Alltag künftig verhalten sollen. Die Expertin rät den Pädagoginnen deshalb zu einem sensiblen Umgang mit betroffenen Kindern. „Das Wichtigste ist: Man darf die Kinder zu nichts zwingen. Das führt nicht zur Heilung, sondern macht alles schlimmer.“ In der Fortbildung spielten die Teilnehmer auch verschiedene Interventionsübungen durch, wenn Kinder in Panik verfallen. Dafür hat Biberacher ihre Stofftiere im Gepäck. Die Puppen können im Ernstfall das Eis brechen – und den Kindern helfen, sich auszudrücken. In der Regel hilft aber vor allem die Zeit. Wie bei dem Flüchtlingskind aus dem syrischen Aleppo, das extrem auf den Geruch von scharfem Putzmittel reagierte – weil es dadurch an das Leichendesinfektionsmittel in den Straßen der Heimatstadt erinnert wurde. „Es dauert, bis das Kind lernt: Das hier ist nicht Aleppo“, sagt Biberacher.

Sozialministerium fördert das Projekt nicht

Die Fortbildung besteht aus mehreren, zeitlich von einander getrennten Modulen – damit die Teilnehmer das Gelernte sofort im Alltag anwenden können. Möglich gemacht hat das Angebot die Röchling-Stiftung. Durch die Unterstützung kann das BRK die Fortbildung kostenlos anbieten. „Wir sind froh, die Gelder der Stiftung erhalten zu haben, weil es für dieses spezielle Projekt keine Finanzmittel vom Sozialministerium gibt“, sagt Wolfgang Obermair, stellvertretender BRK-Landesgeschäftsführer.

In München sind die Termine nun abgeschlossen. Als nächstes sind die Erzieher in Franken an der Reihe. Denn auch dort gibt es Fälle wie das Flüchtlingskind aus Aleppo oder den dreijährigen Buben aus Simbach. Mittlerweile hat sich seine Angst vor dem Wasser schon etwas gelegt. „Bei Kindern und Jugendlichen kann man noch so viel in die richtige Richtung drehen“, sagt Marlene Biberacher. „Es lohnt sich.“

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