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Jannik Obenhoff.

Jannik zeigt seine Heimat auf Instagram

Fotograf (16): „Wir brauchen Kanada nicht. Wir haben Bayern“

Der 16-jährige Jannik Obenhoff zeigt den Deutschen mit seinen Instagram-Bildern gerade, wie schön es im eigenen Land ist. Und ganz besonders in seiner Heimat Bayern.

Für den schönsten Moment, hat er eine ganze Nacht kaum schlafen können. Es war Sommer, aber nass und kalt, unter zehn Grad. Sie hatten biwakiert, draußen übernachtet - ohne Zelt. Aber dann am Morgen kam so ein schöner Sonnenaufgang, dass er die ganzen Strapazen vergessen ließ: „Da hat es sich dann doch gelohnt.“ Er hat ein Foto gemacht: Das Nebelhorn von oben, mithilfe einer Drohne. Heute sein Lieblingsbild von den 15.000, die er bestimmt schon gemacht hat. Aber das ist nur eine Schätzung, er zählt da nicht mehr mit. 

Bayerischer Seehnsuchtsort: der Königssee. 

Jannik Obenhoff ist gerade mal 16, doch er hat schon über 550.000 Menschen, die seine Fotos richtig gut finden. Auf Instagram, einer Webseite, auf der man Bilder hochladen und anderen zeigen kann, postet er regelmäßig neues Material. Die Leute können dann Kommentare dazuschreiben. Meistens sind es viele Herzchen, hochgestreckte Daumen und Wünsche, diesen schönen Ort doch einmal zu besuchen. Bei diesem schönen Ort handelt es sich häufig um Bayern, Obenhoffs Heimat und bevorzugtes Fotomotiv. Das, was viele Einheimische dem Klischee nach ohnehin schon lange wissen, wird nun in die ganze Welt hinausgetragen: Das es in Bayern einfach am schönsten ist. 

Das findet auch Obenhoff. Anfangs hat er noch seine Heimatstadt München fotografiert, doch als er 2013 mit einem Freund einen Ausflug an den Eibsee in Garmisch machte, blieb er bei den Bergen und Bergseen. „Da gibt es einfach mehr Möglichkeiten.“ Er postete ein paar Bilder auf Instagram, bekam positives Feedback und machte weiter. Nutzte Wochenenden und Ferien für sein neues Hobby. In seinem Instagram-Account betitelt er sich selbst mit den Worten: „Nur ein Junge mit einer Kamera.“

Er fotografierte ein märchenhaft verschneites Schloss Neuschwanstein, den Königssee, die Zugspitze. Reiste schließlich auch in die Schweiz, nach Österreich und Italien, überall, wo es eben Berge gibt – und Seen. Meistens zusammen mit Freunden oder seinen Eltern. Seine Fans kommen aus aller Welt, schreiben Kommentare auf Englisch, Portugiesisch und Russisch. Von da war es auch kein weiter Weg mehr in die mediale Öffentlichkeit. Viele feierten ihn als den Jungen, der den Deutschen vor Augen führt, was für eine schöne Natur sie eigentlich haben: „Ich denke schon, dass viele Leute gar nicht wissen, dass Deutschland da viel zu bieten hat.“ Eines seiner Fotos von der Zugspitze kommentiert er mit: „Wir brauchen Kanada nicht. Wir haben Bayern.“ Dass seine Bilder so gut ankommen, damit hätte er trotzdem nie gerechnet. Wie er sich den Erfolg erklärt? „Ich glaube, das ist so, wie wir gerne Bilder von Meer und Strand anschauen, schauen die sich gerne Bergsee-Bilder an“, sagt er über seine internationalen Fans. Man bevorzugt eben oft das, was man nicht vor der eigenen Haustür hat. Hinzu kam, dass er einer der ersten war, der sich auf Instagram auf die bayerischen Berg-Fotos spezialisierte – mit gerade mal 13 Jahren. Das Fotografieren hat er von seinem Vater gelernt, der in seiner Freizeit auch immer gerne Bilder gemacht hat. Und durch Videos auf Youtube. „Lernen muss man das aber eigentlich nicht“, sagt Obenhoff. 

„Man braucht einfach ein Auge dafür. Und vielleicht auch ein bisschen Glück.“ Die Wetterverhältnisse müssen stimmen und der Ort. Letztes Jahr war er in Mittenwald, um drei Seen zu fotografieren. Doch als sie ankamen, waren sie alle ausgetrocknet. „Dann mussten wir wieder nach Hause fahren.“ Seine Motive sucht sich Obenhoff meist auf Google Maps, oder er lässt sich von anderen Fotografen inspirieren und fährt dann an die Orte, wo die Bilder entstanden sind: „Klar, will man dabei auch immer ein bisschen die anderen übertreffen und ein noch schöneres Bild machen.“ Aber wie entsteht es denn nun, das perfekte Bild? Der Weg dahin, ist nichts für Langschläfer: Meistens steht Obenhoff schon um fünf Uhr morgens auf, um rechtzeitig zum Sonnenaufgang vor Ort zu sein. Da sei das Licht einfach am besten. Dann achtet er auf eine harmonische Komposition: zum Beispiel besondere Linien, Farben oder Kontraste. Oft macht er hunderte Fotos, von denen nur ein Bruchteil so gut seien, dass er sie postet. Manchmal platziert er auch seine Begleiter ins Bild – oder sich selbst und fotografiert dann mit Selbstauslöser. „Meine Oma hat mal gesagt, ein Bild von mir erinnere sie an Caspar David Friedrich.“ Der berühmte Maler hatte ebenfalls eine Vorliebe dafür einzelne, in die Ferne schauende Personen in seine ausladenden Naturlandschaften zu setzen. „Dann sieht man erst, wie gewaltig das ist.“ 

Auch Obenhoffs Bilder sehen manchmal aus wie ein Gemälde, als stammten sie direkt aus einem Bildband mit dem Titel „Wunder dieser Erde“. Es wirkt alles immer eine Spur zu schön, um wahr zu sein. Doch Obenhoff versichert, dass er die Bilder am Computer nicht groß verändere. Er mache allenfalls die Farben ein bisschen kräftiger, die Kontraste etwas stärker. „Ich versuche es immer so zu machen, wie ich es auch selber gesehen habe.“ Auf der Kamera wirkten die Bilder oft blasser, als in Wirklichkeit. Auch, wenn er ein Fan der Berge ist, würde Obenhoff gerne die ganze Welt bereisen und Fotos machen. Besonders gerne würde er auf die Färöer-Inseln und Island. Letzteres liegt nicht mehr in allzu weiter Ferne: Wenn er nächstes Jahr Abitur macht, will seine Oma mit ihm dort hinreisen. Ob er das Fotografieren zum Beruf machen will, weiß er noch nicht. Er hat jetzt angefangen kleine Videos zu drehen und will in der Richtung noch mehr machen. Auch seine Mitschüler konnte er schon für seine Leidenschaft begeistern. Gemeinsam sind sie alle auf die Ehrwalder Alm gestiegen und haben dort übernachtet. „Ich bin dann auch morgens früh aufgestanden, um den Sonnenaufgang zu fotografieren – aber da war ich der Einzige, glaube ich.“

Lesen Sie hier: Instagram-Fotografen zeigen Ihnen Bayerns gigantische Natur.

Eva Casper

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