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Jakob Reitinger nimmt auf der Frankfurter Buchmesse von Mario Adorf den Orthografie-Preis entgegen.

Rechtschreibung auf dem Prüfstand

Frankfurter Orthografie-Preis: Junger Weilheimer gewinnt

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Weilheim - Ein junger Weilheimer gewinnt den Frankfurter Orthografie-Preis. In seinem Text macht er sich über den Sprachgebrauch in Kurznachrichten Gedanken.

Hi wg? wie war dein we? war zuhause weil ich bin krank. lg. So klingt es, wenn sich Jugendliche über WhatsApp schreiben. Für alle, die nicht ganz folgen konnten, hier die Übersetzung: „Hi, wie geht’s? Wie war dein Wochenende? Ich war zu Hause, weil ich krank bin. Liebe Grüße.“ Sprachliche Genauigkeit in sozialen Netzwerken: Fehlanzeige.

Wenn Jakob Reitinger, 16, mit seinen Freunden schreibt, macht er es nicht anders. Auch er verwendet die Sprache der Kurznachrichten. So ganz okay findet der Weilheimer das aber nicht und hat dazu einen Text geschrieben: „Gedanken eines Schülers“. Den hat er beim Schreibwettbewerb des Arbeitskreises „Lesen und Rechtschreiben heute“ eingeschickt und dafür den Frankfurter Orthografie-Preis erhalten. Anlässlich der Rechtschreibreform von 1996 wurde der Wettbewerb in diesem Jahr ausgerufen.

Reitinger schreibt gerne. Nicht nur in WhatsApp. Also hat er den Text einfach mal eingereicht. „Man kann da ja keinen Fehler machen“, sagt er im Nachhinein. Mit dem Thema Rechtschreibung hatte er sich vorher nie auseinandergesetzt. „Ich achte bei Nachrichten auch nicht darauf“, gibt er zu. „Meine Freunde wissen ja, was ich meine.“ Zum Beispiel die Groß- und Kleinschreibung sei völlig egal.

In seinem Blog achtet der Weilheimer schon auf die Sprache

In seinem Text fragt sich der 16-Jährige, ob in der Schule zu wenig auf die Rechtschreibung geachtet wird. Vielen Lehrern sei Grammatik in Tests egal, Hauptsache, man könne es lesen. Den Schülern ist das gerade recht, in den meisten Fällen können sie sich sowieso auf das Rechtschreibprogramm am Computer verlassen. Besonders Reitingers letzter Satz ist gut angekommen. Es ist eine Frage: „Können wir es uns leisten, unserer eigenen Sprache noch fremder zu werden, als wir es sowieso schon sind?“ Reitinger lässt das so stehen. Eine Antwort, die hat er auch nicht.

Wenn der Schüler seinen Blog schreibt, hat das mit der Sprache der Kurznachrichten nichts zu tun. „Da sollten möglichst keine Fehler drin sein“, findet Reitinger. Er schreibt über das Reisen auf Rädern, über Campingbusse. „Das interessiert mich total“, sagt er. „Ich lese total gerne Reisezeitschriften.“

Dass das Schreiben ihm liegt, hat der Orthografie-Preis gezeigt. Bei der Verleihung auf der Frankfurter Buchmesse war der 16-Jährige dann aber doch aufgeregt. „Ich war noch nie auf der Messe und außerdem habe ich schon lange nicht mehr in ein Mikro gesprochen“, erzählt Reitinger. Seinen Text hat er trotzdem vorgelesen.

Es hat alles geklappt. Vorlesen ist eben doch einfacher, wenn alles durch Punkt und Komma getrennt ist, Wörter groß und klein geschrieben werden und Absätze für eine ordentliche Form sorgen. Aber wer liest SMS und WhatsApp schon laut vor? Hauptsache, die Freunde verstehen, was gemeint ist. 

Die Wettbewerbs-Texte gibt es hier zum Nachlesen.

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