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Peter Gauweiler (l.) im Gespräch mit Stefan Aust. Das Hauptthema: Franz Josef Strauß.

Streitgespräch mit Aust

Gauweiler: Strauß in einer Reihe mit "Thatcher und Reagan"

München - Franz Josef Strauß hat die Gemüter in Deutschland gespalten: Die einen liebten ihn, die anderen hassten den CSU-Vorsitzenden. Das merkt man auch im Streitgespräch zwischen Stefan Aust und Peter Gauweiler.

Für den früheren Spiegel-Chefredakteur und heutigen WELT-Chef Stefan Aust ist Bundeskanzlerin Angela Merkel die Antithese zu Franz Josef Strauß. Gemeint ist das nicht nur schmeichelhaft für die oft taktierende Merkel: "Man wünscht sich mehr klare Kante", sagte Aust in einem Streitgespräch mit Peter Gauweiler (CSU) für den "Münchner Merkur" und "Die Welt" (Samstagsausgabe) zum 100. Geburtstags von Franz Josef Strauß. 

Heute spiele sich der Wahlkampf im Wesentlichen "unter unterschiedlich gegradeten sozialdemokratischen Parteien ab. Es gibt keine wirklich politischen Gegensätze mehr. Und wenn, dann sagen es die Politiker hinter verschlossenen Türen." 1980, als Strauß gegen Helmut Schmidt antrat, sei das anders gewesen. 

Der ehemalige SPIEGEL-Chefredakteur Aust, der 1980 mit Volker Schlöndorff den Anti-Strauß-Film „Der Kandidat“ drehte, sagte in dem Streitgespräch, vor allem der Ton sei es gewesen, der ihn bei Strauß von Anfang an verstört habe. "Ein guter Teil der Leute wiederum, die Strauß in seinen Bann zog wie etwa Peter Gauweiler, war durch den militanten Tonfall beeindruckt. Mich hat es gefröstelt. Es war etwas anderes, ob sich Adenauer über die Wiederbewaffnung äußerte oder Strauß. Inhaltlich war es gleich, aber im Tonfall anders. Diese Art der Aggressivität war das wirkliche Problem bei Strauß. Ein Bundeskanzler Strauß wäre ein großes Risiko gewesen." 

Peter Gauweiler würdigte die historische Rolle von Strauß im Nachkriegsdeutschland: "Heute kann man sagen, Strauß gehörte mit der Konsolidierung der Bundeswehr und der westlichen Allianz, der Unerschrockenheit im ideologischen Kampf, der von ihm durchgesetzten Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Grundlagenvertrag, aber auch durch den historischen Kompromiss mit Honecker zu den Männern und Frauen, ohne die der Westen nicht durchgehalten hätte, bis Gorbatschow kam: In dieser Reihe stehen Ronald Reagan, Papst Johannes Paul II., Maggie Thatcher, Golda Meir aus Israel, der Ägypter Anwar as-Sadat. Und eben Strauß. Das ist sehr viel." Deutschland verdanke ihm wirklich viel. "Und Bayern ganz besonders." 

Über SPIEGEL-Gründer Rudolf Augstein sagte Gauweiler: "Am Ende war Augstein ein verhinderter Straußianer. Die Wiedervereinigung hat er mit speziell nationalen Argumenten unterstützt, vorbehaltlos und im Gegensatz zu den westdeutschen Intellektuellen, die dafür anfänglich nur Hohnlachen übrig hatten."

Münchner Merkur und tz haben zum 100. Geburtstag von Franz Josef Strauß eine Sonderbeilage herausgegeben. Diese können Sie hier für 1,99 Euro als E-Book herunterladen.

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