Sie wollte eigentlich nur Hilfe

Frau schreibt Seehofer und landet in Psychiatrie

Oberaudorf - Als ihre Heizung kaputt ging, fing für Claudia M. aus dem Landkreis Rosenheim die Misere an, am Ende landete die 50-Jährige in der geschlossenen Psychiatrie. Und all das, weil sie ein Fax an Ministerpräsident Seehofer schrieb.

Alles fing mit einer kaputten Heizung an. Am Ende saß Claudia M. (50) aus Oberaudorf (Kreis Rosenheim) in der geschlossenen Psychiatrie.

"Es war die Hölle", sagt die Frührentnerin zu bild.de.

Ihre unglaubliche Geschichte beginnt damit, dass sie keine Miete mehr bezahlt für die Wohnung, in der sie gemeinsam mit ihrer kranken Mutter (73) lebt. Denn: Die Heizung war kaputt.

Sie zahlt so lange keine Miete mehr, dass die Zwangsräumung per Gerichtsbeschluss angeordnet wird. Claudia M. und ihrer Mutter droht die Obdachlosigkeit - die Frau weiß sich nur noch mit einem Fax zu helfen. Das schickt sie direkt an Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und bittet um Hilfe.

"Ankündigung eines Suizids"

Darin schreibt sie laut bild.de: "Am 29.07.2013 um 8.30 Uhr wird ein Unglück passieren!" Damit meint die Frau lediglich die Räumung ihrer Wohnung. Doch im Ministerium schrillen bei der Formulierung "Unglück" sämtliche Alarmglocken. Die Staatskanzlei glaubt an etwas ganz anderes, schaltet direkt Polizei und Landratsamt ein und holt sich außerdem Rat bei einem Gutachter. Dieser meint, die "Ankündigung eines Suizids" in der Formulierung zu erkennen.

Und das, obwohl Claudia M. nicht einmal mit ihm gesprochen hat, wie sie erzählt. Das Landratsamt reagiert ungewöhnlich schnell, holt die 50-Jährige mit einem Eilgutachten ab. Zwei Polizisten bringen sie in die geschlossene Psychiatrie.

Vier Tage bleibt sie dort. Als sie dann doch auf einmal wieder gehen darf, der nächste Schock: Ihre Wohnung ist geräumt. Sie und ihre Mutter stehen auf der Straße.

Obdachlosigkeit droht erneut

Doch in Claudia M. ist der Kampfgeist geweckt. "Ich verklage Bayern", sagt die Frührentnerin. Mittlerweile hat das Gericht das Vorgehen zwar für rechtswidrig erklärt. Doch die 50-Jährige steht vor den Trümmern ihrer Existenz: Weil es ihre Wohnung nicht mehr gab, musste sie gemeinsam mit ihrer Mutter monatelang in Pensionen wohnen.

Jetzt haben die Frauen zwar wieder ein eigenes Dach über dem Kopf - doch die Schulden von 13.000 Euro bleiben. Dagegen steht nur eine geringe Rente, die Claudia M. bekommt: Ihr und ihrer Mutter droht erneut die Obdachlosigkeit.

pak

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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