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Der Rettungshubschrauber konnte die 53-jährige Münchnerin nur tot bergen.

Das ist besonders gefährlich

Nach Absturz in Königssee: Bergwacht warnt alle Wanderer

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Schönau - Eine 53-jährige Münchnerin ist bei einer Bergtour in Schönau tödlich verunglückt. Sie ist abgerutscht und rund 80 Meter tief in den Königssee gestürzt. Vermutlich hatte sie die Wetterbedingungen bei ihrer Tour unterschätzt. Ein Fehler, den gerade viele Wanderer in Bayern machen.

Sie wollte eine Abkürzung nehmen – das hat sie das Leben gekostet. Die Münchnerin war am Freitagmittag von der Halbinsel Sankt Bartholomä aus gestartet. Sie wollte vom Königssee zum Funtensee wandern. Schon bei den ersten Serpentinen benutzte die 53-Jährige eine Abkürzung, um sich einige Kehren zu sparen. Das Gelände abseits der Wege war teilweise noch schneebedeckt, überall lag nasses Laub. Die Frau trug zwar gute Schuhe, verlor jedoch auf dem steilen und rutschigen Boden den Halt. Sie stürzte etwa 80 Meter durch eine steile Rinne ab und fiel in den Königssee. Ein Urlauberpaar beobachtete das Unglück aus etwa 50 Meter Entfernung und wählte den Notruf.

Die Rettungskräfte entdeckten die Frau kurz darauf rund zehn Meter vom Ufer entfernt leblos im Wasser treibend. „Auf die Entfernung war schlecht abzuschätzen, ob sie noch am Leben ist“, berichtet der BRK-Sprecher Markus Leitner. Erst als die Einsatzkräfte der Wasserwacht sie ins Boot gezogen hatten war klar, dass die Frau den Absturz nicht überlebt hatte. Sie war nicht ertrunken, sondern hatte sich bei dem Sturz schwere Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen zugezogen und sich das Genick gebrochen. Anfangs war noch nicht klar, ob sie allein auf die Tour gestartet war. Deswegen und für das Ehepaar, das alles beobachtet hatte, forderten die Einsatzkräfte das Kriseninterventionsteam an. Erst danach stellte sich heraus, dass die Frau alleine unterwegs gewesen war.

Urlauber (22) aus NRW unterschätzt Schnee

Die Münchnerin ist nicht die einzige Bergtourengeherin, die den späten Wintereinbruch unterschätzt hatte. Erst am Donnerstag rettete die Bergwacht einen völlig erschöpften 22-jährigen Urlauber aus Nordrhein-Westfalen, berichtet Leitner. Der junge Mann wollte auf den 1781 Meter hohen Zwiesel bei Bad Reichenhall aufsteigen. Dabei musste er sich zum Teil durch einen dreiviertel Meter Neuschnee kämpfen und brach schließlich an der geschlossenen Zwieselalm am Ende seiner Kräfte zusammen. Er schaffte es noch den Notruf zu wählen, die Bergwacht brachte ihn zurück ins Tal. „Mit winterlichen Verhältnissen und Lawinengefahr hatte der Mann überhaupt keine Erfahrung“, berichtet Markus Leitner.

Skitourengeher freuen sich über den späten Schnee, für Wanderer ist er ein lebensgefährliches Risiko. „Es ist rutschig, es drohen Lawinen und Steinschlag und der teilweise tiefe Schnee fordert wesentlich mehr Kondition und zusätzliche Kleidung“, betont Leitner. Darauf sind viele Bergsteiger aber nicht eingestellt. Sie unterschätzen die Gefahren, denen sie im Sommer nicht ausgesetzt sind, glaubt der BRK-Sprecher. Ende April sind bereits viele Urlauber im Landkreis Berchtesgaden unterwegs. Sie haben ihren Urlaub vor Wochen gebucht, haben sich aufs Wandern gefreut und werden jetzt von Schnee und Eis überrascht. „Viele machen die Touren trotzdem – und merken erst unterwegs, dass die winterlichen Verhältnisse aus sonst leichten Strecken anspruchsvolle Touren machen“, sagt Leitner.

Ähnlich ist es vermutlich der verunglückten Münchnerin in Schönau gegangen. Sie wollte mit der Abkürzung ein wenig Zeit sparen – und ist dafür ein zu großes Risiko eingegangen.

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