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Ein Hubschrauber unterhalb des Hangs, an dem Petra D. verschüttet wurde.

Frau stirbt in Lawine: Bergführer verurteilt

Traunstein - Bei einem Lawinen-Unglück stirbt eine Tourengeherin, weil sie nicht auf den Bergführer gehört hat. Jetzt macht das Amtsgericht Traunstein den Übungsleiter des Alpenvereins für den Tod verantwortlich.

Am Ende der Verhandlung beteuert der Bergführer des Deutschen Alpenvereins noch einmal: „Ich bedaure das Geschehene.“ Doch er trage keine Verantwortung für den Tod von Petra D. Das Amtsgericht Traunstein ist anderer Meinung und verurteilt den 48-Jährigen zu einer Geldstrafe – wegen fahrlässiger Tötung.

Zur Vorgeschichte: Am 9. Februar 2008 treffen sich Petra D., ein 38-Jähriger und eine 48-Jährige mit dem Bergführer in Siegsdorf, dem Heimatort des DAV-Mitglieds. Die Traunsteiner Sektion hatte eine Tour in den Hohen Tauern (Österreich) angeboten. Das Quartett macht sich auf in Richtung Großglockner. Der Lawinenlagebericht der Salzburger Landesregierung misst für die Zielregion Warnstufe drei („erhebliche Lawinengefahr“) – wegen labiler Schneeverhältnisse und Neuschnee.

Die Tourengeher steigen auf das Imbachhorn, dann auf den Roßkopf. Auf dem Gipfel machen die vier eine halbe Stunde Rast, der Übungsleiter klärt seine Begleiter über die Lawinengefahr und das richtige Verhalten der Skifahrer auf. Das wird der heute 48-Jährige später vor Gericht aussagen. Nach der Pause bietet der Siegsdorfer zwei Varianten für die Abfahrt an – die Entscheidung fällt auf den Kreuzkopf. Der Siegsdorfer achtet auf Windverfrachtungen, Anrisse und Risse in der Schneedecke, macht Stocktests, das beteuert er vor Gericht: „Es war nichts zu erkennen.“ Den noch unberührten Hang, den das Quartett abfahren möchte, bewertet er aus seiner Erfahrung heraus: „Befahren möglich unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen.“ Er gibt den anderen Tourengehern die Anweisung, erst auf sein Stockzeichen hin zu starten und in seiner Spur zu bleiben – dann fährt er los. Unterhalb von zwei Bäumen bleibt er stehen. Doch bevor der Siegsdorfer ein Zeichen geben kann, startet Petra D. Sekunden später donnert die Lawine den Hang hinab und verschluckt die Skifahrerin. Auch der Bergführer wird von den Schneemassen 60 Meter mitgerissen, kann sich aber befreien. Er sieht in einiger Entfernung Petra D., völlig apathisch, und setzt einen Notruf ab. Doch die 34-Jährige stirbt später im Krankenhaus, die anderen Teilnehmer bleiben unverletzt.

Der Fall landete vor Gericht – in Österreich. Die Richter stellten das Verfahren gegen den Siegsdorfer aber ein. Das Traunsteiner Amtsgericht jedoch verhandelte neu. Unter anderem sagte ein ortskundiger österreichischer Skiführer aus: „Der Hang ist verlockend, aber trügerisch.“ Ein Stocktest sei nicht ausreichend, um die Gefahr zu ermitteln. Die Staatsanwaltschaft warf dem Siegsdorfer deshalb fahrlässige Tötung vor, der Richter schloss sich an und verurteilte den Bergführer zu 2700 Euro (90 Tagessätze à 30 Euro). Begründung: Der Angeklagte hätte mit dem Fehlverhalten von Petra D. rechnen müssen.

Von M. Kretzmer-Diepold und Carina Lechner

Alpenverein: „Wir legen Berufung ein“

Über das Urteil gegen einen Übungsleiter aus Siegsdorf sprachen wir mit DAV-Hauptgeschäftsführer Thomas Urban.

Herr Urban, was sagen Sie zu dem Urteil gegen Ihr Mitglied?

Wir werden auf jeden Fall Berufung einlegen. Die Begründung des Richters ist nicht nachvollziehbar. So wurde noch nie entschieden.

Inwiefern?

Der Übungsleiter hat die später Verstorbene angewiesen, oben am Hang zu warten, bis er ein Zeichen gibt. Das hat sie nicht befolgt. Der Richter sagt, er hätte mit dem Fehlverhalten rechnen müssen. Das kann doch nicht sein!

Was bedeutet das für den DAV?

Es darf nicht die gesamte Verantwortung auf den Übungsleiter oder Bergführer übertragen werden. Die Touren-Teilnehmer haben eine gewisse Eigenverantwortung. Wenn das Urteil rechtskräftig wird, hat das auch Auswirkungen auf andere Verfahren.

Warum?

Urteile zu alpinen Unfällen stützen sich immer auf vergangene Entscheidungen.

Wenn der Bergführer die gesamte Verantwortung trägt: Werden sich Zivilklagen auf Schmerzensgeld oder Schadenersatz jetzt häufen? Zum Beispiel wenn sich ein Tour-Teilnehmer das Bein bricht?

Das wäre dann ja Zivilrecht und damit eine ganz andere Frage. Wir konzentrieren uns jetzt auf das Strafrecht – und rechnen uns mit der Berufung gute Chancen aus.

Die österreichische Justiz hatte das Verfahren eingestellt. Was ist in Österreich anders als bei uns?

Die Rechtssprechung ist eigentlich gleich. Uns hat es auch gewundert, in der Regel übernehmen deutsche Gerichte die Urteile von österreichischen Kollegen.

cal

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