Nach dem Tod einer Wanderin in Tirol

Frau von Kuh totgetrampelt: Vor diesen Fehlern warnen Experten

Noch zwei Tage nach der tödlichen Kuhattacke am Kranzhorn im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet stehen Bauern und Bergwanderer unter Schock. Experten warnen Wanderer, die mit Hunden über Kuhweiden gehen: Mutterkühe mit Kälbern können aggressiv werden.

Erl/Nußdorf – Zwei 70-jährige Frauen aus dem Bezirk Kitzbühel hatten am Dienstag gegen 14 Uhr mit ihren Hunden eine Wanderung im Kranzhorngebiet unternommen. Ein beliebtes Ausflugsziel im Grenzgebiet zwischen Bayern und Tirol. Sie beabsichtigten, von der Kranzhornalm in Richtung Bubenau weiter zu gehen und querten dazu ein eingezäuntes Weidestück mit zehn Mutterkühen und acht Kälbern. Eine der beiden Frauen ging nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei voraus und wurde überraschend von einer oder mehreren Kühen angegriffen. Sie wurde umgestoßen und fiel zu Boden. In Folge wurden auch die zweite 70-Jährige und ihr Hund, ein Chihuahua, angegriffen. Sie stürzte ebenfalls, wurde überrannt und lebensgefährlich verletzt.

Gäste und Personal der Kranzhornalm leisteten unverzüglich Erste Hilfe. Die Frau wurde von einer Rettungsmannschaft notärztlich versorgt, erlag aber noch an der Unfallstelle ihren Verletzungen. Auch der Hund wurde getötet. Die 70-jährige Freundin des Opfers blieb bei dem Unfall unverletzt und ist, so Gottfried Lindtner, stellvertretender Inspektionskommandant der Polizeiinspektion Niederndorf, „schwerst traumatisiert“. Die Schuldfrage hätten die Gerichte zu klären. Derzeit werde seitens der Polizei in Richtung „Verdacht auf fahrlässige Tötung“ ermittelt. Im Bereich der Kranzhornalm würden Schilder auf die Beweidung der Flächen durch Kühe und Kälber hinweisen.

Hermann Mauer, Almfachberater am Landwirtschaftsamt Rosenheim, betonte, dass gerade Herden mit Mutterkuh-Haltung dazu neigten, aggressiv zu reagieren: „Die Kälber werden von ihren Müttern geschützt.“ Hunde würden durchaus als „potenzielle Feinde“ angesehen. Die Frage, ob Mutterkuhhaltung in gut besuchten Wandergebieten nicht eine zu große Gefahr in sich berge, stelle sich laut Mauer nicht. Man könne den Bauern nicht vorschreiben, von welchen Tieren sie ihre Flächen beweiden lassen. Letztlich gelte es, durch stete Information die Wanderer auf mögliche Gefahren im Bereich bewirtschafteter Almen hinzuweisen und ihnen Verhaltensregeln an die Hand zu geben.

Professor Klaus Reiter, Tierverhaltensforscher an der Landesanstalt für Landwirtschaft München, unterstrich, dass es grundsätzlich zum „normalen Verhalten von Mutterkühen gehört, ihr Kalb zu verteidigen“. Hätten Wanderer einen Hund dabei, erhöhe sich das Gefahrenpotenzial: Erkenne die Mutterkuh den Hund, liefen uralte Programme in ihr ab, die den Schutzmechanismus aktivierten und die Aggression erhöhten. Da es für Wanderer oftmals nicht erkennbar ist, ob die Weide nur von Jungvieh oder auch von Mutterkühen beweidet wird, ist der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern derzeit mit Hochdruck dabei, entsprechende Warnschilder zu erarbeiten. Diese werden künftig bei Bedarf den Mitgliedern zur Verfügung gestellt. Grundsätzlich aber gilt laut Susanne Krapfl vom Fachzentrum Almwirtschaft Holzkirchen: Jedes Tier könne gereizt sein aufgrund von Umständen, von denen niemand etwas weiß – Durst oder Ungeziefer machten auch das friedlichste Tier aggressiv.

Eva-Maria Gruber

Rubriklistenbild: © dpa

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