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Jägerin Sylvia Cords.

„Frauen jagen mit mehr Respekt“

München - Sylvia Cords hat ein Hobby, das sie vor allem mit Männern teilt: Sie ist Jägerin. Mit ihrem Mann hat die 33-Jährige aus Biburg (Kreis Fürstenfeldbruck) einen Pirschbezirk gepachtet.

-Frau Cords, Sie sind Frisörin, Kosmetikerin und Fußpflegerin - wie reagiert Ihr Umfeld auf Ihr Hobby?

Viele wundern sich, ich sehe nämlich nicht aus wie eine Jägerin. Ich bin relativ jung dafür und ich laufe ja nicht ständig im Lodengrün herum. Aber wenn ich dann mehr davon erzähle, merken viele, dass das zu mir passt.

-Hören Sie auch Kritik?

Ja, sicher. Vor allem von jungen Leuten. Vielen ist nicht bewusst, woher das Fleisch kommt, das im Supermarktregal liegt. Und ein Reh im Wald hat, bis es erlegt wird, sicher ein schöneres Leben als ein Schwein im Maststall.

-Sie haben erst seit zwei Jahren den Jagdschein. Wie kam es dazu?

Mein Opa war Jäger, mein Vater ist Landwirt, ist naturinteressiert und liebt Tiere - wie ich auch. Mein Mann kommt aus einem Jagdgeschlecht, deshalb haben wir uns gemeinsam entschieden, die Prüfung abzulegen.

-Was jagen Sie denn?

Hauptsächlich Rehwild, manchmal Fuchs oder Dachs. Schwarzwild gibt es bei uns kaum.

-Macht es Ihnen nichts aus, das Wild zu schießen und später auszunehmen?

Meine Mutter hat früher auf dem Hof Hühner geschlachtet, das habe ich schon als Kind beobachtet. Das könnte ich nicht. Das Erlegen eines Tieres gehört selbstverständlich dazu, das macht mir nichts aus. Das Aufbrechen war anfangs etwas fremd, aber ich war überrascht, wie sauber das abläuft.

-Nervt Sie das schlechte Image vom blutlechzenden Jäger?

Ja, schon. Aber ich kann es auch verstehen. Es gibt leider Jäger, die nur auf Trophäen aus sind, durch die Gegend ballern, um sich zu profilieren. Das mache ich sicher nicht, das schadet unserem Ruf. Ich jage aus Liebe zu Tier und Natur - und ich esse gerne Fleisch und koche leidenschaftlich gerne. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man weiß, wie das Tier erlegt und wie das Fleisch verarbeitet wurde.

-Jagen Frauen grundsätzlich anders als Männer?

Ich denke schon. Frauen haben mehr Respekt vor der Natur, vor dem Wild. Es gibt wenige Frauen, die sich mit dem tollsten Bock, mit dem größten Geweih fotografieren lassen.

-Werden Sie als Jägerin von ihrem männlichen Kollegen belächelt?

Ich habe eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht. Weil ich eher schlank und zierlich bin, schauen manche Männer schon darauf: „Wie stellt die sich wohl an?“ Aber weil ich alles mache und handwerklich begabt bin, sind sie oft angenehm überrascht.

-Was halten Sie von dem Plan der Staatsoper, eine Jagdszene mit toten Rehen darzustellen?

Gar nichts! Tiere für die Kunst zu töten, finde ich respektlos. Wenn ich ein Tier erlege, dann um im Wald für ein Gleichgewicht zu sorgen und um das Fleisch zu verwerten.

Interview: Carina Lechner

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