Trambahnen kollidieren: Bayerstraße momentan teilweise gesperrt

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Flucht aus Angst: 140 000 Frauen in Bayern werden jährlich Opfer häuslicher Gewalt. Doch viele Frauenhäuser sind voll belegt und können sie nicht aufnehmen.

Unterkünfte oft voll belegt

Frauenhäuser in Not

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München - Jede zweite Frau, die in Bayern in einem Frauenhaus um Hilfe bittet, wird abgewiesen. Es fehlen Plätze. Denn viele Einrichtungen sind oft monatelang voll belegt, weil die Frauen keine für sie bezahlbaren Wohnungen finden. Mehr Plätze könnten die Situation entschärfen – doch das scheitert am Geld.

Susanne Schägger hasst diese Momente. Sie hat eine Frau am Telefon, die von ihrem Mann verprügelt, vergewaltigt oder bedroht wurde. Endlich ist sie soweit, ihn zu verlassen. Aber Schägger kann ihr dabei nicht helfen. Sie leitet das Frauenhaus in Murnau, das von den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Starnberg und Weilheim-Schongau finanziert wird. Und dort hat sie dasselbe Problem, das so gut wie alle Frauenhäuser in Bayern haben. Phasenweise gibt es keine freien Plätze für Frauen in Not.

Rund 50 Frauen musste Schägger in den vergangenen drei Jahren wegen Vollbelegung absagen, allein 24 davon 2016. „Natürlich legen wir nicht einfach auf“, sagt sie. Schägger beginnt in diesen Situationen andere Frauenhäuser abzutelefonieren, manchmal findet sie nur weit entfernt einen Platz. Für Frauen, die Kinder im Schulalter haben, ist das allerdings keine Alternative.

Dass sich die Situation in Bayerns Frauenhäusern immer mehr zuspitzt, hat mit einem anderen Problem zu tun: fehlenden Sozialwohnungen. Die meisten Frauen finden keine Wohnung, die sie bezahlen könnten. „Bei uns in Murnau sind die Mieten stark gestiegen“, berichtet Schägger. „Es gibt so gut wie keinen sozialen Wohnbau.“ Früher sind die Frauen im Schnitt 30 Tage im Frauenhaus geblieben, inzwischen doppelt so lange. Nach zwei Monaten muss Schägger einen neuen Antrag mit Begründung stellen. Und oft danach noch einen. „Was sollen wir anderes machen?“, fragt sie. „Wir können die Frauen ja nicht in die Obdachlosigkeit schicken.“

Vor dem Problem stehen die Frauen in fast allen Landkreisen. In Dachau erhält eine Frau mit zwei Kindern vom Jobcenter beispielsweise einen Mietzuschuss von 399 Euro. Die Mietpreise in Dachau unterscheiden sich aber kaum noch von denen in München. Die Wartelisten für die Sozialwohnungen sind lang. Eine Frau mit drei Kindern hat sich vor sechs Monaten auf die Warteliste setzen lassen. Seit damals ist sie von Platz 55 auf Platz 50 vorgerückt.

Länger als einige Monate können die meisten Frauen nicht im Frauenhaus bleiben. „Es ist eine Notunterkunft, keine Dauerbleibe“, sagt die Sozialpädagogin Birgit van Gunsteren aus Dachau. Jede Frau hat nur ein Zimmer, die ganze Situation ist sehr beengt. Viele halten das nicht lange aus, berichtet sie. Sie geben auf, werden mürbe, haben keine Hoffnung mehr, auf eigenen Beinen stehen zu können. Für einige ist die einzige Konsequenz, wieder zu ihrem gewalttätigen Mann zurückzukehren. Vergangenes Jahr haben das allein in Dachau fünf Frauen getan, nachdem sie zwischen acht und zwölf Monaten vergeblich nach einer Wohnung gesucht hatten. Im Landkreis München waren es zehn Frauen. Dort hoffen Maria Colell und ihre Mitarbeiter darauf, dass es bald ein zweites Frauenhaus geben könnte. Die SPD hatte einen entsprechenden Antrag gestellt, der Sozialausschuss des Landkreises prüft ihn gerade.

„Die meisten Landkreise haben es lange übersehen, sozialen Wohnungsbau zu betreiben“, sagt Angela Rupp, die Leiterin des Frauenhauses in Erding. Durch die vielen Flüchtlinge hat sich die Situation weiter zugespitzt. „Es gibt Phasen, in denen sind wir Wochen lang voll belegt und müssen jede Anfrage ablehnen.“

Was vielen Frauenhaus-Leiterinnen auffällt: Die Frauen kommen immer häufiger mit vielen Problemen ins Frauenhaus. „Sie fliehen nicht nur vor Gewalt. Oft haben sie psychische Probleme, Suchterkrankungen oder sind hoch verschuldet“, sagt Alexandra Krois vom Sozialdienst katholischer Frauen in München. Der SkF ist Träger der Frauenhäuser in Erding und dem Kreis München. Auffällig sei auch, dass immer mehr Migrantinnen in Frauenhäuser flüchten. Allein in Erding lag ihr Anteil im vergangenen Jahr bei 52 Prozent. Das erhöht die Anforderungen an die Mitarbeiter. Eigentlich wäre eine viel intensivere Betreuung nötig, sagt Krois. Doch die meisten Häuser haben nur zwei Stellen und stemmen die meisten Aufgaben mit Hilfe Ehrenamtlicher.

Und so wie es aussieht, wird sich daran zumindest mittelfristig auch nichts ändern. Erst kurz vor Weihnachten hat der Landtag während der Haushaltsberatungen einen Antrag der SPD abgelehnt. Die 38 bayerischen Frauenhäuser erhalten vom Staat eine jährliche Förderung von 2,5 Millionen Euro. Das ist eine Unterstützung für die Landkreise und kreisfreien Städte, die für die Bereitstellung von Frauenhäusern zuständig sind. Die SPD forderte, das Fördergeld zu verdoppeln – der Antrag wurde abgelehnt. „Wenn die Landkreise die Last allein tragen müssen, wird nichts voran gehen“, sagt der Dachauer SPD-Abgeordnete Martin Güll. Weder das Problem der überlasteten Frauenhäuser, noch der fehlenden Sozialwohnungen sei neu. Erst 2014 hatte das Sozialministerium eine Studie in Auftrag gegeben, die bundesweit Handlungsbedarf aufgezeigt hatte. „Das Thema holt uns jetzt ein“, sagt Güll. Bei den Beratungen zum Nachtragshaushalt werde die SPD den Antrag erneut stellen, kündigt er an. „Wir lassen da nicht locker.“

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