Das Indoor Air Test Center des Fraunhoferinstituts
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Test-Wirtshaus in Valley: Im Indoor Air Test Center nehmen gelbe Dummys am Tisch Platz. Sie simulieren unter anderem die Körpertemperatur von echten Gästen – exakt 36 Grad.

Ergebnisse vorgestellt

Reine Luft als Retter: Diese Studie macht dem bayerischen Gastgewerbe Hoffnung

  • Kathrin Brack
    vonKathrin Brack
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Kann gereinigte Raumluft der Schlüssel für geöffnete Gastronomie und Hotels sein? Eine neue Studie des Fraunhoferinstituts für Bauphysik in Valley macht der Branche Hoffnung. Deren Ergebnisse könnten auch anderen Betrieben in der Pandemie helfen.

München/Valley – Gunnar Grün präsentiert eine Zahl, die hoffen lässt. Um bis zu 99 Prozent lasse sich die Viruslast in einem geschlossenen Raum mit dem passenden Lüftungssystem reduzieren, „und das innerhalb von zwei Stunden“. Der stellvertretende Leiter des Fraunhoferinstituts für Bauphysik (IBP) und sein Team haben verschiedene Luftreinigungs- und Filtersysteme auf ihre Wirksamkeit im Kampf gegen das Coronavirus untersucht. Dafür haben Forscher in Valley (Kreis Miesbach) konstant einen Virus-Ersatz ähnlich dem Sars-CoV-2-Virus in ihrem Testraum freigesetzt und ausgewertet, wie gut das jeweilige System die Viren entfernen oder deaktivieren kann.

Im Test waren Technologien, die Aerosole unschädlich machen sollen – die Übertragung durch Tröpfcheninfektion wurde nicht untersucht. Neben Filtern waren auch Geräte im Test, die mit UVC-Bestrahlung arbeiten, Ionisation nutzen oder unter Ozon-Zugabe funktionieren. „Das Ansteckungsrisiko wird merklich verringert, wenn die Geräte bestimmte Qualitätskriterien erfüllen“, fasst Grün zusammen. So könnten sie „ein Baustein“ für mehr Sicherheit werden.

Fraunhoferinstitut: „Konnten zeigen, dass Luftreinigungssysteme wirken“

Ziel der Studie war zum einen, zu belegen, dass Luftreinigung die Viruslast durch Aerosole und damit das Ansteckungsrisiko in geschlossenen Räumen reduziert. Zum anderen wollten die Forscher eine Entscheidungshilfe schaffen, damit Betriebe das richtige Gerät finden. „Wir konnten zeigen, dass die Technologien wirklich wirken. Und wir können sagen, dass sie in allen Räumen anwendbar sind“, so das Fazit.

Die Ergebnisse der Studie, die vom Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) und dem Wirtschaftsministerium gefördert wurde, bestätigen das, was sich die Initiatoren erhofft hatten. Bislang, so vbw-Chef Bertram Brossardt, fehlte der Nachweis, dass die Systeme wirksam sind. Dem Verband gehe es darum, dass in Betrieben, aber auch in Schulen oder Verwaltungsgebäuden gesunde Luft für weniger Ansteckungen sorgt. „Wir werden diese Ergebnisse nach Berlin und Brüssel tragen“, verspricht Brossardt.

Die Studie soll Mut machen. Sie soll aber auch „endlich die große Politik bewegen“, wie es Hubert Aiwanger formuliert. Bayerns Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident (Freie Wähler) streitet bisweilen leidenschaftlich für die schrittweise Öffnung von Gastronomie und Hotels. „Die technischen Möglichkeiten sind politisch unterbeleuchtet“, klagt er. „Die Entscheider reagieren nicht.“ Er ruft das Gastgewerbe auf, für die Anschaffung von Lüftungssystemen auf die bereitstehenden Fördermittel der Überbrückungshilfe III zurückzugreifen. Mit Luftreinigern könne man auch der Innengastronomie eine Perspektive geben, „wenn die Risiken ausgeschlossen sind“.

Gaststättenverband hofft auf Perspektive

Darauf hofft auch der Hotel- und Gaststättenverband. Dessen Geschäftsführer Thomas Geppert sagt: „Wir sind nicht nur Essen und Trinken. Wir sind ein starkes Stück bayerische Wirtschaft, und wir fordern nichts, was nicht auch verantwortbar ist.“ Das Gastgewerbe habe weitreichende Hygienekonzepte, und musste dennoch als Erster schließen, „damit andere geöffnet bleiben können“. Die rund 447 000 Erwerbstätigen in Gastronomie und Hotellerie bräuchten nun eine Perspektive.

Und die Branche brauche passgenaue Lösungen, „denn die Anschaffung von Geräten muss sinnvoll sein“. Der Markt für Luftreinigungsgeräten sei „nicht transparent“. Dem soll in einem zweiten Schritt das praktische Resultat der Studie folgen: Der „Raumlufthygiene-Konfigurator“, der Betrieben hilft, das passende System zu finden, soll ab nächster Woche online verfügbar sein.

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