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Schnappschüsse mit dem Handy sind in manchen Freibädern mittlerweile tabu.

Diskussion über Verbot

Freibäder in der Foto-Falle

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Die Freibadsaison läuft – und mit ihr eine Diskussion darüber, was in den öffentlichen Bädern erlaubt sein sollte. Vor allem beim Thema Fotografieren setzen manche Betriebe auf verschärfte Regeln.

München – Auf dem Gelände des Gautinger Freibads im Kreis Starnberg sind seit Kurzem zusätzliche Hinweisschilder angebracht. „Fotografieren verboten“ heißt es darauf. Damit reagierte die Gemeinde auf einen Vorfall vom Wochenende: Ein Badegast hatte mit seinem Smartphone im Wasser herumtollende Kinder fotografiert. Einer jungen Mutter war das aufgefallen, sie verständigte die Schwimmmeister und die Polizei. Spannerverdacht. Die Mutter sagt, die Schwimmmeister hätten eindeutige Bilder auf dem Handy des Verdächtigten gefunden.

Der Gautinger Fall befeuert die ohnehin bereits geführte Debatte über Fotos im Freibad. Im hessischen Offenbach gibt es ein Freibad, in dem Gäste seit diesem Jahr die Kamera ihres Smartphones mit einem Aufkleber verdecken müssen. Wer sich weigert, muss gehen. So sollen die Persönlichkeitsrechte der Gäste geschützt werden.

Manche Bäder verteilen schon Kamera-Siegel

Andere Badeanstalten gehen diesen Weg schon länger, weiß Holger Ditzel. Er ist Inhaber der Firma „Lens Seal“, die Schutzsiegel für Kameras herstellt. Ursprünglich wurden sie als Werkzeug gegen Industriespionage entwickelt, nun wenden sich immer mehr Kommunen an den Unternehmer. „Gerade im Nacktbereich von Wellness-Bädern ist das schon länger ein Thema. Die Freibäder ziehen jetzt nach“, sagt er. In einer Therme in Sonthofen werden Ditzels Siegel bereits an die Gäste ausgegeben. Und auch in der Therme Erding verteilen Betreuer derzeit probeweise die Siegel an Besucher. „Die Reaktionen sind gemischt“, sagt Jennifer Fischer von der Therme Erding. „Manche probieren es aus, andere stecken die Aufkleber einfach weg.“ Eine Siegel-Pflicht sei derzeit nicht geplant.

Grundsätzlich regelt in einem Freibad die jeweilige Satzung oder die Badeordnung, was erlaubt ist und was nicht. Während in Gauting nun noch deutlicher auf das bereits seit zwei Jahren bestehende Fotografier-Verbot hingewiesen wird, entscheiden sich andere bewusst gegen schärfere Regeln.

„Falsch verstandene Ordnungswut“

In Rosenheim etwa kündigte der verantwortliche Bereichsleiter der Stadtwerke an, es werde keine neuen Einschränkungen für Badegäste geben. Die Badeanstalten könnten nicht den Datenschutz übernehmen, die Bürger seien durchaus in der Lage, sich bei Bedarf selbst zu wehren. Handyaufkleber hält er jedenfalls für „falsch verstandene Ordnungswut“.

Auch Kurt Höller vom Freibad Murnau am Staffelsee hält nichts von einem grundsätzlichen Foto-Verbot. „Wie soll man denn das kontrollieren? Bislang hatten wir nie Probleme damit.“ Als er das Bad übernahm, ließ er alle Verbotstafeln entfernen. „Das reguliert sich erstaunlich gut von selbst“, sagt er. Und wenn mal eine Besucherin unerlaubterweise oben ohne im Bad liegt, komme eben der Bademeister mit einem freundlichen Hinweis.

Debatte über Badekleidung

Bei der Badekleidung wartet schon die nächste Debatte. Denn im Dachauer Freibad hat ein Bademeister eine Dame gebeten, ihr Bikinioberteil zu schließen – sie war für eine streifenfreie Bräune mit geöffnetem Oberteil auf dem Bauch gelegen. Übertrieben prüde? Oder schlicht Durchsetzung der Satzung, die das Tragen üblicher Badekleidung vorschreibt?

Barbara Kern von den Dachauer Stadtwerken verteidigt das Vorgehen – und kommt hier wieder auf das Handy-Problem. Sie fürchtet, eine Lockerung der Bekleidungsregelung könne Spanner anlocken. Sie werde die Handy-Fotografen in diesem Sommer jedenfalls genau beobachten.

Siegmar Spörl, Betriebsleiter des Mammendorfer Freibads, sieht hinter der Diskussion ein grundsätzliches Problem: „Es kann ja noch immer jeder im Internet hochladen, was er will. Das zu ahnden, wäre Sache des Gesetzgebers.“ Allerdings gebe es im Freibad-Alltag noch ganz andere Sorgen. „Mir wäre lieb, die Eltern würden zuerst darauf achten, dass ihre Kinder im Schatten sitzen.“

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