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Prost, Josef, Josefa, Josefine, Sepp, Seppi und Beppi! Hier im Kloster Andechs gibt’s heute Freibier für Euch.

Heute gibt's ein Freibier für alle Josefs

München - Heute ist der Ehrentag für alle Josefs, Seppis, Sepperl und Josefas. Wenn sie ihren Ausweis mitbringen, bekommen sie mancherorts Freibier, anderenorts Freifahrten. Oh, wie schön ist der Josefitag! Aber natürlich hat er einen ernsten Hintergrund, einen sehr ernsten.

Es ist ein edler Brauch, aber irgendwie auch ein hundsgemeiner Brauch, der früher in Bayern mancherorts verbreitet war. Am Josefitag hat die Bäuerin groß aufgekocht, erzählt Michael Ritter, Brauchtumsexperte vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege. Stundenlang stand sie in der Küche, um ein Festmahl zuzubereiten – mitten in der Fastenzeit. Danach hat sie das Essen auf den Tisch gestellt und die ganze Familie herbeigerufen. Es gab nur ein Problem: Der Bauer, die Kinder, die Mägde und Knechte, sie durften die Köstlichkeiten nicht anrühren. Bloß nicht. „Stattdessen hat die Bäuerin den hungrigen Mäulern das Essen nach einer Weiler unter der Nase weggezogen“, erzählt Ritter. Um es kurz später den Armen zu schenken. So lief das früher am 19. März.

Das Brauchtum wie der ganz Ehrentag geht auf Josef aus Nazaret zurück, den Ziehvater und Ernährer des Sohn Gottes. Heute wird allerdings kein Josef, Sepp, Bepperl und keine Josefa mehr mit weggezogen Festtagsmählern gequält, ganz im Gegenteil. Die Josefs kriegen heute sogar eine Halbe Freibier – zumindest im Kloster Andechs. Allerdings müssen sie dazu ihren Ausweis mitbringen, es soll ja alles mit rechten Dingen zugehen. Und noch so ein Gratisschmankerl wartet heute am Wendelstein auf alle Namenstagler. Alle Josefs dürfen umsonst mit der Wendelsteinbahn fahren. Am Berg spielen ihnen zu Ehren sogar die Musikanten auf.

Der Josefstag ist ein Hochfest der katholischen Kirche, in Bayern ist er noch vergleichsweise stark verwurzelt. Früher gab es einen eigenen Feiertag, der allerdings 1969 abgeschafft wurde. Ein Zustand, der die Königlich Bayerische Josefspartei mächtig nervt. Der Brauchtumsverein aus Aichach mit seinen 7000 Mitgliedern kämpft seit Jahren für seine Rückkehr. „Unser Parteiziel ist die Wiedereinführung des Josefstags als Feiertag“, sagt Fritz Josef Beintner, der Generalsekretär der Josefpartei. Es ist gleichzeitig das einzige Parteiziel. Die Chancen stehen, nun ja, schlecht.

Allerdings hat die Partei, die bei keinen Wahlen antritt, gute Kontakte in die bayerische Landespolitik. Festredner bei ihren geselligen Parteitagen waren schon Josef Goppel, Kurt Josef Faltlhauser, Monika Hohlmeier und Marcus Söder. Heuer konnte die Josefspartei Ministerpräsident Horst Seehofer als Ehrengast beim Brauereifest am 12. Mai in Kühbach im Kreis Aichach-Friedberg gewinnen. Für jeden Festredner hat die Königlich Bayerische Josefspartei ein besonderes Geschenk parat: den Ehren-Josef. Wer den Josef vor dem Auftritt noch nicht im Namen hatte, der darf sich danach mit ihm schmücken. Horst „Josef“ Seehofer. Hört sich prima an, muss man sich aber erst dran gewöhnen.

Es gibt viele Gründe, den Josefitag ganz und gar wunderbar zu finden, gerade wenn man ein Josef ist. Aber auch jeder Nicht-Sepp darf sich freuen. Findet zumindest Brauchtumsexperte Michael Ritter, der einen persönlichen Josefi-Lieblingsspruch hat. Er geht so: „Wenn’s amoi Josefi is, endet der Winter gwiss.“

Freibier, Freifahrten und die Hoffnung auf Spitzenwetter. Kann eigentlich nicht immer Josefitag in Bayern sein?

Stefan Sessler

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