Hubert Aiwanger

Freie Wähler fordern Energiewende in jedem Ort

München - Solardächer, Windräder, Hackschnitzel – die Vielfalt bei der regionalen Energieversorgung kennt fast keine Grenzen. Die Freien Wähler in Bayern wollen jetzt die besten Beispiele vor Ort besuchen und anpreisen – als Bestandteil einer neuen FW-Energieoffensive, die explizit kommunal ausgerichtet ist.

Das Thema liegt durchaus im Trend – auch der Bayerische Gemeindetag wird Anfang November die kommunale Energieversorgung zum Schwerpunkt seiner Landesversammlung machen.

Den Anfang macht bei den Freien Wählern am heutigen Dienstag Kumhausen bei Landshut – keine zufällige Auswahl, denn die Gemeinde liegt nahe am umstrittenen Atomkraftwerk Isar 1. FW-Landeschef Hubert Aiwanger will so für die Abschaltung des veralteten Atommeilers werben, wie ihn auch viele lokale CSU-Mandatsträger fordern. Im Herbst werden die Parteifreien Biogasanlagen und Hackschnitzelheizungen in Niederbayern und der Oberpfalz besichtigen. Insgesamt 50 Termine sind geplant, auch in Oberbayern.

„Bürgermeister und Kommunen sind die Energieakteure der Zukunft“, sagt Aiwanger. Er fordert, auf eine Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke komplett zu verzichten und die letzte Anlage wie von Rot-Grün vereinbart 2023 abzuschalten. Auch solle die von der schwarz-gelben Bundesregierung beschlossene Kürzung der Einspeisevergütung für Solarstrom rückgängig gemacht werden. Bis 2030 könne es gelingen, die Energieversorgung in Deutschland zu 100 Prozent auf Ökoenergie umzustellen.

Trotz der vielen lokalen Initiativen bleibe viel zu tun, sagt der für Umwelt zuständige FW-Landtagsabgeordnete Hans Jürgen Fahn. Punktgenaue Energienutzungspläne – also Studien, wo sich vor Ort die Investition in regenerative Energie lohnt –, gibt es eher selten. Und erst 16 der 71 bayerischen Landkreise hätten die lokale Energieautarkie als Ziel beschlossen, hieß es bei den FW.

Öfter zitierten die Parteifreien gestern den „Pionierlandkreis“ Fürstenfeldbruck. Dort wurde schon im Jahr 2000 der Beschluss getroffen, bis 2030 den Landkreis komplett mit regenerativer Energie zu versorgen. Im westlichen Landkreis wird heute 20 Prozent des Stromverbrauchs durch Sonnenenergie abgedeckt, bestätigt Johann Aigner vom Verein „Ziel 21“, der den Ökoenergie-Ausbau in enger Kooperation mit dem Landramtsamt koordiniert. Weitere Ausbaumöglichkeiten seien vorhanden – insgesamt könne Solarstrom ein Drittel des Stromverbrauchs im Landkreis abdecken. „Das nächste große Thema ist die Windenergie“, sagt Aigner weiter. Aus Wind könne ebenfalls 20 Prozent des Stroms kommen. Zur Wahrheit gehört jedoch auch: Derzeit geben die Bürger im Landkreis pro Jahr noch etwa 100 Millionen Euro für Öl- und Gasimporte (Benzin, Heizöl und -gas ) aus. Bei einer kompletten Energiewende „könnten diese hundert Millionen Euro im Landkreis bleiben und würden der regionalen Wirtschaft zugute kommen“, sagt Aiwanger.

Der Landkreis München wiederum will die Energieautarkie bis 2050 schaffen. Zudem beschloss der Kreistag schon 2006 die „Energievision“, dass dabei der Gesamtenergieverbrauch um 60 Prozent gesenkt werden soll.

Auch lokale Initiativen rühmten die Freien Wähler. So erzeugt die Gemeinde Kastl (Landkreis Altötting) durch ein Blockheizkraftwerk und Photovoltaikanlagen doppelt so viel Energie, wie sie verbraucht. „Solche Erfahrungen wollen wir breiter streuen“, sagt Aiwanger.

Dirk Walter

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