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Kehrt das G9 zurück in die bayerischen Gymnasien?

Comeback für neunstufiges Gymnasium?

Freie Wähler starten G9-Volksbegehren

München - Die Freien Wähler starten ein Volksbegehren zur Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums (G9) in Bayern. Das G8 soll aber erhalten bleiben.

Zusätzlich soll das G9 als Wahlmöglichkeit wieder hinzukommen. „In Hessen und Baden-Württemberg besteht sehr große Nachfrage nach diesem Modell, zwischen 80 und 90 Prozent der Eltern haben Interesse“, sagte FW-Chef Hubert Aiwanger am Montag in München. „Ähnliches erwarten wir in Bayern.“ Die Sammlung der nötigen 25.000 Unterschriften solle schon im Mai beginnen, sagte Aiwanger.

Das neue G9 solle keine Rückkehr zum Lehrplan des alten G9 bedeuten, betonte der FW-Chef. „Wir wollen den Stoff des G8 auf neun Jahre strecken. Dafür wäre kein einziger zusätzlicher Lehrer notwendig.“ Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) widersprach und warnte vor Schaden für Schüler und Schulen.

Nach dem Vorschlag der Freien Wähler sollen die Kinder und Jugendlichen im G9 künftig maximal 30 Wochenstunden absolvieren müssen, der bisher tageweise stattfindende Pflichtunterricht am Nachmittag soll gestrichen werden. „Damit würden wir auch Vereinsleben und Ehrenamt wieder stärken“, sagte Aiwanger. Wegen des Nachmittagsunterrichts hätten viele Kinder keine Zeit mehr für Sport, Musik oder andere Aktivitäten außerhalb des Unterrichts.

Kommunen, Schulen und Eltern entscheiden

Außerdem wollen die Freien Wähler die Schulbürokratie zu Gunsten der Beteiligten vor Ort schwächen: „Die Entscheidung, ob eine Schule als G8 oder G9 geführt wird, soll bei den Schulforen von Kommunen, Schulen und Eltern liegen“, sagte Aiwanger. Inhaltlich würde die Umstellung keine großen Probleme verursachen. Die zweite Fremdsprache solle wie bisher in der sechsten Klasse starten.

Falls die Freien Wähler die nötigen 25.000 Unterschriften sammeln, muss anschließend das Innenministerium prüfen, ob das Volksbegehren rechtlich zulässig ist und die Voraussetzungen erfüllt sind. Anschließend könnte es möglicherweise noch vor der Landtagswahl im September zum eigentlichen Volksbegehren kommen.

"Flexijahr" statt G9

Die CSU lehnt die auch von der SPD favorisierte Wiedereinführung eines G9 bislang ab und hat stattdessen das „Flexibilisierungsjahr“ eingeführt. Das Flexijahr erlaubt zwar jedem Schüler eine individuelle Verlängerung auf neun Jahre, sieht aber kein G9 als Regelschule vor. „Kinder brauchen unterschiedliche Lernzeiten. Dem kommen wir mit unserem bundesweit einzigartigen Angebot mit Frühwarnsystem, flexiblen Intensivierungsstunden bis hin zu einem Flexibilisierungsjahr nach“, sagte Kultusminister Spaenle (CSU). „Was Herr Aiwanger macht, geht zu Lasten der Schülerinnen und Schüler - er schaufelt damit den kleinen Gymnasien am Land das Grab.“

Erstens müssten kleine Gymnasien ihre pädagogischen Angebote stark einschränken, wenn sie G8 und G9 gleichzeitig anbieten müssten, warnte Spaenle. Viele könnten nur einen Zug anbieten. Zweitens ließe sich auch das breite Angebot der verschiedenen Fremdsprachenfolgen nicht mehr aufrecht erhalten. Deswegen würden drittens auch die Schüler massiv benachteiligt, weil sie künftig viel weniger Wahlmöglichkeiten hätten. „Und es ist falsch, dass das keine Mehrkosten verursachen würde. Das würde eine hohe finanzielle Zusatzbelastung bedeuten“, sagte der Kultusminister.

SPD und Grüne gehen davon aus, dass ohnehin die Landtagswahl am 15. September einem Volksentscheid über die Bildungspolitik gleichkommt. Die SPD fordert schon seit längerem ein „Gymnasium der zwei Geschwindigkeiten“ mit dem G9 als Wahlmöglichkeit. Die Grünen wollen dagegen kein G9, sondern das G8 verbessern. „Fünf Monate vor der Landtagswahl macht man keine Volksbegehren mehr“, sagte Bildungsexperte Thomas Gehring außerdem. Der Bayerische Lehrerverband (BLLV) lehnte Spaenles Flexijahr ab.

dpa

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