Freigänger hatten Generalschlüssel für Justizbau

Nürnberg - Zwei Gefängnishäftlinge haben für einen Arbeitseinsatz im Nürnberger Justizgebäude einen Generalschlüssel für den Bau bekommen - und konnten sich dort ohne Überwachung frei bewegen.

"Mit diesem Generalschlüssel kann man in die Diensträume der Richter und Staatsanwälte", bestätigte Justizsprecher Thomas Koch am Dienstag einen Bericht der "Nürnberger Nachrichten". Allerdings hätten sich die beiden Freigänger in dem zweiwöchigen Einsatz vor einem Monat nichts zuschulden kommen lassen.

Grund für den Einsatz war der Umbau des Aufzuges. "Da müssen dann immer große Mengen Akten zwischen den Stockwerken transportiert werden", erläuterte Koch. Weil immer wieder Freigänger für einfache Tätigkeiten in dem alten Gebäude eingesetzt würden und die Arbeit der Gefängnisinsassen zudem billiger sei als die eines privaten Anbieters, habe sich die Verwaltung des Oberlandesgerichts in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft für den Einsatz der beiden Häftlinge entschieden. Einer von ihnen war wegen Fahrens ohne Führerschein, der andere wegen Körperverletzung verurteilt worden.

Eigentlich sollten die Männer von Wachtmeistern bei ihrer Arbeit beaufsichtigt werden - tatsächlich erhielten sie der Einfachheit halber von einem Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft den Generalschlüssel. Nach zwei Wochen wurde der Einsatz abgebrochen. "Man hat gemerkt, wie man sich das mit der Überwachung vorgestellt hat, funktioniert das in der Praxis nicht, und es deswegen wieder rückgängig gemacht", schilderte Koch. Ob die nicht mit der Verwaltungsspitze abgesprochene Schlüsselvergabe für den Mitarbeiter Konsequenzen habe, werde geprüft.

Sogenannte Freigänger dürfen maximal noch eine Haftstrafe von neun Monaten vor sich haben und müssen sich bei früheren Lockerungen wie Ausgang und Hafturlaub korrekt verhalten haben. Um sie wieder an ein Leben in Freiheit heranzuführen, können sie tagsüber auch in ganz normalen Unternehmen arbeiten, müssen aber nachts ins Gefängnis zurückkehren.

dpa

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