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Die Band „Frei.Wild“ sorgt mit Texten, die dumpfem Nationalismus bedienen, für heftige Diskussionen. Gegen einen geplanten Auftritt in Landshut regt sich Widerstand.

Zensur oder Zeichen?

Landshut wehrt sich gegen „Frei.Wild“-Konzert

Landshut – Sie spielten 2010 auf der WM-Fanmeile vor Hunderttausenden von Fußballfans. Ohne dabei für großes Aufsehen zu sorgen. Am 18. April will die seit kurzem wegen ihrer Texte im Kreuzfeuer stehende Band „Frei.Wild“ aus Südtirol in Landshut auftreten, doch dagegen regt sich nun Widerstand.

Schüler des privaten Gymnasiums Seligenthal in Landshut sind sauer. In einem offenen Brief an den Landshuter Oberbürgermeister Hans Rampf (CSU) fordern sie, der Band „Frei.Wild“ keine Bühne für ihre „völkisch und nationalistisch“ geprägten Lieder zu bieten. Unterstützung erhalten sie von Seiten der Grünen und der SPD.

Die Band „Frei.Wild“ war im März in die Schlagzeilen geraten, weil ihre geplante Nominierung für den Musikpreis Echo dafür sorgte, dass mehrere ebenfalls nominierte Bands ihre Auftritte absagten. Die Deutsche Phono-Akademie entzog den Südtirolern wenig später die Nominierung, die auf den Zahlen verkaufter Tonträger basieren. Mit Texten, die zwischen dumpfem Nationalismus („Südtirol, Deinen Brüdern entrissen! In der Hölle sollen Deine Feinde schmoren! Südtirol, wir tragen Deine Fahnen, denn Du bist das schönste Land der Welt!“) und einer deutlichen Distanzierung zur Neo-Naziszene („Wir sind keine Neonazis und keine Anarchisten“) changieren, ist die Hard-Rock-Band aus Südtirol nur schwer einzuordnen. In Norditalien sympathisieren „Frei.Wild“ mit Politikern und Vereinen, die sich für eine Abspaltung Südtirols von Italien starkmachen. In Deutschland sagte der bayerische NPD-Funktionär Patrick Schröder: „Die Band ist zwar nicht zu 100 Prozent auf unserer Linie, aber zumindest zu 80 Prozent.“ Im Aufsichtsrat der Landshuter Messe und Veranstaltungs GmbH, die die Arena für den Auftritt vermietet, wurde Ende Februar über „Frei.Wild“ kontrovers diskutiert. In diesem Gremium, an dessen Spitze OB Hans Rampf steht, sitzen Vertreter aus allen Landshuter Fraktionen. Der Aufsichtsrat tritt nicht vor jeder Veranstaltung in der Arena zusammen, dem Vernehmen nach aber wollten Grüne und SPD einen Auftritt der Band verhindern und stellten deshalb einen Antrag. Dieser wurde mit acht zu zwei Stimmen abgelehnt.

Bernhard Seyller ist Geschäftsführer der Messe und Veranstaltungs GmbH. Er sagt, man habe im Vorfeld der Sitzung zum Hintergrund der Band recherchiert. „Wir haben unter anderem bei ehemaligen Veranstaltungsorten der Gruppe nachgefragt, ob es Probleme gab. Wir haben auch mit der Polizei gesprochen.“ Ergebnis: Gegen „Frei.Wild“ liege nichts vor. Die Besucher der Konzerte kommen Seyller zufolge nicht aus dem rechten Milieu, sondern „aus unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen“. Dennoch sieht Seyller den Auftritt mit gemischten Gefühlen. „Das ist ein schmaler Grat, ganz klar. Aber Zensur steht uns nicht zu.“

Ein ähnlicher Tenor kommt auch aus dem Büro des Landshuter OB Rampf. Dort hieß es auf Anfrage unserer Zeitung: „Maßgebend für uns als Verwaltung ist aber, dass sich bislang weder Verfassungsschutz noch Polizei noch sonst eine – ich betone – fachkundige Stelle gegen „Frei.Wild“ ausgesprochen hat.“

Der Sänger der Band, Phillip Burger, gab in einem Interview auf Youtube an, früher in der rechtsradikalen Band „Kaiserjäger“ gespielt zu haben. Er distanziere sich aber von diesem Teil seiner Vergangenheit und bezeichnete sie als „Jugendsünde“. Kritiker werten dies jedoch als Lippenbekenntnis und halten Burger für den ersten massentauglichen Rockstar der rechten Szene, der Nationalismus in die Mitte der Gesellschaft tragen will.

Neben dem Konzert in Landshut sind noch zwei weitere Auftritte in Geiselwind geplant. Die Grünen-Landtagsabgeordneten Sepp Dürr und Simone Tolle baten den dortigen Inhaber der Halle schriftlich, das Konzert abzusagen. Dieser weigerte sich jedoch.

Das Landshuter Rathaus teilte unserer Zeitung schriftlich mit: „Bei allem Respekt beim Kampf gegen Rechts, der unbedingt zu unterstützen ist: Ein bisserl weniger Fanatismus im politisch ach so korrekten Kampf würde dem gemeinsamen Ziel, keinen Extremismus mehr aufkommen zu lassen, viel mehr nützen.“ Das Konzert werde wie geplant stattfinden.

Patrick Wehner

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