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Ab 2011 soll der Zivildienst nur noch sechs Monate dauern. Erste Wohlfahrtsverbände wollen jetzt auf deren Hilfe verzichten.

Zivildienst nur noch sechs Monate:

Freiwillige Helfer sollen Lücken fülle

München- Weil Zivis ab 2011 nur noch sechs Monate im Einsatz sein sollen, erklären erste Wohlfahrtsverbände den Verzicht auf deren Hilfe. Die Vertreter drängen auf eine Stärkung freiwilliger Dienste.

Wenn Harald Keiser über die Verkürzung des Zivildienstes spricht, hat er das Bild von einer Garotte im Kopf. Die Garotte ist ein Hinrichtungsinstrument, ein Würgeisen, mit dem der Verurteilte Stück für Stück erdrosselt wird, indem eine Kurbel gedreht wird. Für Keiser, Referent bei der Diakonie Bayern, ist die Wehrdienstreform eine weitere Drehung der Garotte, die dem Opfer Zivildienst die Luft abschnürt.

Das ist ein drastisches Bild, doch wenn Zivis ab 2011, so steht es im Koalitionsvertrag, nur noch sechs anstatt neun Monate arbeiten, gelangen laut Keiser viele Einrichtungen der Diakonie an ihre „Schmerzgrenze“. Jetzt zieht der erste Wohlfahrtsverband seine Konsequenz: Der „Paritätische“ hat angekündigt, in einigen Bereichen komplett auf Zivis zu verzichten. Bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) deutet sich eine ähnliche Tendenz an: „Es geht in die Richtung“, sagt der bayerische AWO-Präsident Thomas Beyer, der für die SPD im Landtag sitzt.

Verkürzung bringt Probleme mit sich

Die verkürzte Zivi-Zeit bringt zwei große Probleme mit sich, klagen die Verbände: Zum einen bleibt durch die Verkürzung beispielsweise im Rettungsdienst wegen Schulungen nicht mehr viel Zeit für die eigentliche Arbeit. Zum anderen leiden Hilfsbedürftige unter einem ständigen Wechsel von Bezugspersonen.

Der „Paritätische“ verzichtet nicht generell auf den Einsatz von Zivis: Es liege in der Verantwortung der jeweiligen Einrichtung, ob die jungen Menschen unter den neuen Bedingungen eingestellt werden oder nicht, erklärt Gisela Heinzeller, Sprecherin des bayerischen Landesverbands. Brechen Stellen weg, sei das vor allem für kleine Einrichtungen schmerzhaft, in denen der – möglicherweise einzige – Zivildienstleistende eine wichtige Stütze darstellt. Für Keiser von der Diakonie Bayern bedeutet das einen zunehmenden Druck auf die Hauptangestellten, Pflegeexperte Claus Fussek prognostiziert „Einbrüche an Lebensqualität für die betreuten Menschen“.

Lücken mit freiwilligen Diensten füllen

Um die entstehenden Lücken zu füllen, drängen die Verbände auf eine Stärkung freiwilliger Dienste, etwa durch finanzielle Mittel. Doch nicht nur Geld soll die Stellen attraktiv machen: „Man müsste Anreize schaffen, zum Beispiel bei der Studienplatz- oder Lehrstellenvergabe“, sagt Heinzeller vom „Paritätischen“. Für einen freiwilligen sozialen Dienst müsste es Bonuspunkte geben, die dem jungen Menschen positiv angerechnet werden.

Die Bereitschaft zu Engagement ist durchaus vorhanden, sagt Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland. „Schon heute ist ein Drittel der Zivi-Stellen nicht besetzt, auf der anderen Seite gibt es im freiwilligen Bereich mehr Nachfrage als Angebot.“ Von einem Pflichtdienst – möglicherweise auch für Mädchen – hält Mascher allerdings nichts: „Gerade im Pflegebereich kommt es auf die Motivation an.“

Nur noch Hausaufgabenbetreuung?

Zu sehr auf freiwillige Einsätze will sich die Diakonie nicht verlassen müssen: Keiser befürchtet, dass sich die jungen Menschen dann nur noch einfache Angebote wie Hausaufgabenbetreuung aussuchen – nicht aber möglicherweise aufreibende Einsätze in Einrichtungen für psychisch Kranke.

Bei der Caritas in Bayern sieht man die geplante Kürzung übrigens etwas gelassener: „Die Verbände, die vernünftig geplant und die Zivis stellenneutral eingerechnet haben, bekommen keine Probleme“, schießt der zuständige Referent Michael Kroll gegen die Konkurrenz. Kritik müssen sich einige Wohlfahrtsverbände auch von Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) anhören: „Die dürfen sich jetzt nicht beschweren.“

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