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Der Leiter der Kriminalpolizei Kempten, Albert Müller (links), erklärt am Freitag (29.08.2008) in Kempten dem leitenden Oberstaatsanwalt Herbert Pollert ein Luftbild. Auf diesem Luftbild ist der Bereich von Füssen abgebildet, in dem kurz zuvor ein Pilzsammler einen Frauentorso in einem Müllbeutel fand.

Freundin erwürgt, zersägt und vergraben

Füssen/Kempten - Ein ungewöhnlich grausamer Mordfall im Allgäu beschäftigt von diesem Donnerstag (7. Mai) an das Landgericht Kempten. Ein 28-Jähriger aus Füssen soll im Sommer 2008 seine Freundin erwürgt und die Leiche anschließend in der Badewanne der gemeinsamen Wohnung zersägt haben.

Danach soll er die Leichenteile im Wald vergraben haben. Die Staatsanwaltschaft vermutet als Motiv für die Bluttat die Trennung der 23-Jährigen von ihrem Freund, die dieser nicht akzeptieren wollte. Der 28-Jährige hat die Tat eingeräumt.

Er muss sich wegen Mordes verantworten. Ein Pilzesammler hatte Ende August 2008 in einem Waldstück nahe Füssen einen Plastiksack mit einer Leiche entdeckt, der Kopf, Arme und Beine fehlten. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft kam es eine Woche vor dem grausigen Fund zwischen dem heute 28-Jährigen und seiner in Thailand geborenen Freundin zum Streit, in dessen Verlauf der Beschuldigte die 23-Jährige erwürgte.

Die anschließende Verstümmelung der Leiche erfolgte nach Angaben der Ermittler aus rein praktischen Gründen. “Der Mann musste die Leiche zertrennen, da er kein Auto besitzt. Nur in Einzelteilen konnte er sie im Rucksack transportieren und mit dem Fahrrad im Wald verstecken“, hatte der Leiter der Kriminalpolizei Kempten, Albert Müller, nach der Festnahme des mutmaßlichen Täters gesagt.

Nach dem Fund des Leichentorsos hatte die Polizei eine Sonderkommission “Moosanger“ eingerichtet, die tagelang Waldstücke und Freiflächen nach Spuren durchkämmte und zahlreichen Hinweisen aus der Bevölkerung nachging. Sogar mit Suchhunden war nach den fehlenden Leichenteilen gesucht worden. Die Ermittlungen waren bis nach Österreich ausgedehnt worden. Zeitweise waren bis zu 120 Beamte im Einsatz.

Die Polizei sprach damals von einer “massiven Verunsicherung in der Bevölkerung“. Auf die entscheidende Spur kamen die Ermittler drei Tage nach dem Leichenfund durch Hinweise des Ausbildungsbetriebes der jungen Frau und durch eine Vermisstenanzeige der in Rheinland-Pfalz lebenden Großmutter. Beide hatten angegeben, dass die 23-Jährige seit mehreren Tagen nicht erreichbar war. Nachdem in den Medien über den Leichenfund in Füssen berichtet wurde, vermuteten beide einen Zusammenhang.

Der Lebensgefährte der Frau wurde daraufhin in der gemeinsamen Wohnung in Füssen festgenommen. Bei den Vernehmungen verstrickte sich der Mann in Widersprüche und räumte die Tat schließlich ein. Später führte er die Beamten zu den Verstecken der noch fehlenden Leichenteile. An vier verschiedenen Stellen rund um Füssen und Schwangau hatte er nach Behördenangaben die in blaue Müllsäcke gehüllten Beine, Arme und den Kopf der Leiche versteckt. Das Opfer war als Adoptivkind nach Deutschland gekommen und in Rheinland-Pfalz aufgewachsen.

Nach Füssen war die junge Frau gekommen, um eine Ausbildung als Hotelfachfrau zu absolvieren. Den mutmaßlichen Täter lernte sie im Sommer 2006 kennen. Der aus Brandenburg stammende Mann war bis 2007 als Zeitsoldat bei der Bundeswehr in Füssen stationiert und seitdem arbeitslos.

Für den Prozess sind drei Verhandlungstage angesetzt. Nach Angaben eines Gerichtssprechers sind elf Zeugen und vier Sachverständige geladen. Sie sollen bei der Klärung helfen, ob es sich bei der Tat um Mord oder Totschlag handelt.

Birgit Klimke

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