„Nicht bereit, das zu akzeptieren“

Satirisches Theaterstück über Bürgermeister verkommt zur Provinz-Posse

Eine Posse um ein von der Volkshochschule abgesagtes Theaterstück über den Bürgermeister sorgt im schwäbischen Friedberg für Gesprächsstoff.

Friedberg - VHS-Leiterin Ruth Reisinger begründete die Absage damit, dass in dem satirischen Stück Lokalpolitiker dargestellt werden sollten. „Wir sind als VHS zur Neutralität verpflichtet“, sagte sie am Donnerstag. Die Absage sei keine Zensur, die VHS-Theatergruppe könne das Stück ja privat aufführen. Zuerst hatte die „Augsburger Allgemeine“ über die Absage des Stücks berichtet.

Der Friedberger Bürgermeister Roland Eichmann (SPD) soll strikt gegen die parodistische Komödie gewesen sein, weil er selbst darin quasi die Hauptperson sein sollte. „Ich bin nicht bereit, das zu akzeptieren“, sagte Eichmann der Zeitung. Eine ergänzende Stellungnahme war von ihm am Donnerstag zunächst nicht zu bekommen. Andere Kommunalpolitiker und Kulturverantwortliche kritisieren laut dem Blatt die Absage scharf, von ihnen wird das Geschehen mit „Bananenrepublik“ oder „ein Witz“ kommentiert.

Eichmann stand wegen tatsächlichem Verfahren in der Kritik

Zunächst hatte die Stadt die zweimalige Aufführung des Stücks um „Bürgermeister Robert Reichmann“ noch selbst angekündigt. In der Beschreibung der für Mitte März geplanten Theaterabende hieß es, dass „ein Feng Shui Gutachten, das der Bürgermeister aufgrund negativer Schwingungen im städtischen Schloss beauftragt hat, für Aufruhr in der Öffentlichkeit“ sorge. Wegen eines solchen Gutachtens, das 5000 Euro gekostet haben soll, stand Eichmann vor drei Jahren tatsächlich in der Kritik.

Der Leiter der VHS-Theatergruppe Tobias Hilgers sagte, dass der Rathauschef von ihm zunächst das Manuskript des Stücks verlangt habe. Als er dies abgelehnt habe, habe ihm Eichmann mit rechtlichen Konsequenzen gedroht, falls es zur Aufführung kommt. Hilgers will nun trotzdem sein Stück zeigen: „So einfach lassen wir uns nicht unterkriegen.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa / Uwe Soeder (Symbolbild)

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