Es geht bergauf: Skitourengeher haben nun eigene Routen auf Bayerns Skipisten.

Alpenverein präsentiert Friedensvertrag

10 Gebote für Tourengeher und Skifahrer

München - Ab dieser Wintersaison sind in allen bayerischen Skigebieten eigene Aufstiegsrouten für Tourengeher vorhanden. Außerdem hat sich der Alpenverein zehn Gebote für Tourengeher und Skifahrer ausgedacht. Beides soll für Frieden sorgen.

Die einen fahren flott nach unten, die anderen steigen mühsam nach oben: Alpinskifahrer gegen Skitourengeher. Ein Berg, eine Piste, zwei Lager. Der Alpinskifahrer will sich von den Tourengehern bei der Abfahrt nicht stören lassen. Der Tourengeher drängt aber auch auf die Piste, denn die ist meist sicherer als das freie Gelände. Der Konflikt: Ist der Berg freie Natur oder Sportstätte?

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Im vergangenen Winter war es deswegen sogar zu Demonstrationen der Tourengeher gekommen. Sie forderten freien Zugang zu den Skigebieten. Der Deutsche Alpenverein (DAV) sagt nun: Beide haben Platz. Am Brauneck (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) hat das bereits im vergangenen Jahr funktioniert. Dort wurde eine Route für Tourengeher von Wegscheid aus ausgeschildert. Ab dieser Saison gibt es nun in allen bayerischen Skigebieten eigene Aufstiegsrouten für Tourengeher, verkündete der DAV und der Verband Deutscher Seilbahnen (VDS) gestern in München. So zieht etwa das Skigebiet Sudelfeld (Kreis Miesbach) mit einer Tour vom Grafenherberg zum Sudelfeldkopf nach.

Zehn Regeln für Tourengeher und Skifahrer

Das Thema „Skitouren auf Pisten“ beschäftigt den DAV seit längerem, Manfred Scheuermann ist der Experte. Für ihn ist wichtig: „Wenn die Tourengeher am Pistenrand hintereinander herlaufen, entstehen weniger Probleme.“ Ein kleines Regelwerk braucht es dennoch, damit sich Tourengeher und Alpinskifahrer nicht in die Quere kommen. DAV und VDS stellten daher zehn Regeln auf: Zum Beispiel sollen sich Tourengeher und Skifahrer gegenseitig im Auge behalten. Tourengeher dürfen außerdem gesperrte Pisten nicht begehen und müssen die Lawinengefahr beachten.

Das Regelwerk ist laut DAV unbedingt nötig. Denn immer mehr Menschen gehen Skitouren. „Der Trend explodiert“, sagt Hanspeter Mair, Geschäftsleiter des DAV. In den vergangenen zehn Jahren seien immer mehr Wintersportler auf die Bretter mit den Skifellen umgestiegen. 12.000 Tourengeher wurden vergangene Saison in 100 Tagen allein in Garmisch-Partenkirchen gezählt. Peter Huber, Präsident des VDS, kann zwar keine konkrete Zahl der Tourengeher insgesamt nennen, sagt aber: „Wir vermuten, dass sie im sechs- bis siebenstelligen Bereich liegt.“

„Wir Skifahrer müssen vorsichtiger sein bei der Abfahrt"

Skirennläufer Christian Neureuther unterstützt die neue Entwicklung auf den Skipisten – auch er war bei dem Pressetermin. Wichtig sei vor allem der Dialog: „Wir Skifahrer müssen vorsichtiger sein bei der Abfahrt. Und die Tourengeher müssen erkennen, dass sie nicht auf einer ausgewiesenen Tour laufen.“

Im vergangenen Jahr gab es mehrere Probleme mit Pistengehern. So kam es etwa auf der Piste am Brauneck (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) fast zu einem Zusammenstoß mit einer Pistenraupe – weil der Tourengeher nachts unterwegs war. Das soll heuer nicht mehr passieren. Deswegen führen immer mehr Skigebiete Tourenabende ein. Damit die Wildtiere durch die Skitourengeher nicht unnötig gestört werden, werden feste Termine ausgewiesen.

Ein erster Schritt zur Vereinheitlichung auf den Skipisten ist nun getan. Doch weil in den Gebieten jeweils eigene Regeln gelten, entwickelt der DAV eine Touren-App für Handy-Besitzer. Das Programm zeigt auf einen Blick an, wann der Tourengeher auf welchen Berg gehen kann. Wann die App fertig ist, ist noch nicht bekannt.

Patricia Kämpf

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