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Gästezimmer ohne Gast: Fritz Zirngibl hat dem Landratsamt Kelheim angeboten, einen Asylbewerber in seinem Haus aufzunehmen. Er will kein Geld, nur etwas Hilfe im Garten. Die Behörde musste das Angebot ablehnen.

Gast sollte im Garten mitarbeiten

Asylbewerber: Er wollte helfen - und darf nicht

Teugn - Fritz Zirngibl besucht als Kreisrat oft überfüllte Asylbewerberunterkünfte. Er wollte sein Gästezimmer zur Verfügung stellen. Doch das Landratsamt musste das Angebot ablehnen.

Fritz Zirngibl hatte es sich so unkompliziert vorgestellt. Er hat ein gemütliches Gästezimmer zu Hause. Ein großes Bett steht darin, ein Fernseher, ein Schreibtisch, sogar Dusche, WC und eine Kochnische gehören dazu. „Hier könnte noch heute jemand einziehen“, sagt der 59-Jährige aus Teugn (Kreis Kelheim).

Zirngibl sitzt für die Bayernpartei im Kreistag, er weiß zu gut, vor welchem Problem die Landratsämter stehen, um alle Flüchtlinge unterzubringen. Und er kennt die völlig überfüllten Gemeinschaftsunterkünfte. „Es wird soviel über das Problem geredet“, sagt er. „Ich wollte mehr tun als reden.“ Also hat er mit seiner Frau beraten. Noch am selben Tag schrieb Zirngibl einen Brief ans Landratsamt.

Er bot an, dass sofort ein Asylbewerber in seinem Gästezimmer unterkommen könnte. Geld möchte er dafür nicht. Und genauso wenig möchte er, dass unter seinem Dach ein Mensch isoliert in einem Zimmer sitzt und zum Nichtstun verdammt ist, während er auf die Anerkennung seines Asylantrags wartet.

 „Das Angebot soll auch der Integration dienen“, sagt er. Der Gast könnte mithelfen bei alltäglichen Kleinigkeiten, vielleicht gelegentlich Rasenmähen oder die Einfahrt kehren – die Zirngibls würden ihm dafür helfen, Deutsch zu lernen. So zumindest hatten sie es sich ausgemalt.

Mithilfe im Garten gilt als Arbeitsgelegenheit

Dann kam der Antwortbrief aus dem Landratsamt. Man könne das großzügige Angebot nicht annehmen, stand darin. Denn Zirngibls Vorschlag verstoße gegen das Asylbewerberleistungsgesetz. Von Asylbewerbern darf keine Gegenleistung für die Unterbringung gefordert werden.

Zirngibl kann es nicht verstehen. „Die Unterbringung wäre so viel besser als ein Bett in einer Sammelunterkunft, der Landkreis könnte Geld sparen, wir würden einen Asylbewerber in unsere Familie integrieren – und dann scheitert alles an einer Paragraphenverbohrtheit.“ Dieses Gesetz muss geändert werden, fordert Zirngibl. „Es passt nicht mehr in die heutige Zeit.“

Die Mithilfe im Garten, die Zirngibl sich vorstellt, gilt als Arbeitsgelegenheit und müsste laut Gesetz stundenweise vergütet werden, steht in dem Antwortschreiben des Landratsamtes. Asylbewerber dürfen Arbeitsgelegenheiten nur für staatliche, kommunale oder gemeinnützige Träger übernehmen. Deshalb könne der Landkreis Zirngibls großzügiges Angebot nicht annehmen.

Josef Bader vom Amt für soziale Angelegenheiten im Landratsamt räumt allerdings ein, für kleinere Hilfen hätte sich vielleicht eine Regelung finden lassen. Wie genau die „Gegenleistung“ aussehen sollte, hatte Zirngibl in seinem Schreiben aber nicht formuliert. Deshalb musste das Landratsamt das Angebot ablehnen.

Florian Schlämmer, Sprecher der Regierung von Oberbayern, betont: „Der Vorschlag wäre ideal geeignet für die sogenannten Fehlbeleger.“ Das sind die bereits anerkannten Asylbewerber, die noch in den Sammelunterkünften leben, weil sie keine Wohnung finden. Sie belegen zehn bis 20 Prozent der Betten in den Unterkünften.

 Und sie fallen nicht mehr unter das Asylbewerberleistungsgesetz. Auch Josef Bader sagt: „Wohnmöglichkeiten für die anerkannten Asylbewerber wären die größte Hilfe. Damit könnten wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.“

Fritz Zirngibl könnte sich selbstverständlich auch das gut vorstellen, sagt er. Er hatte einfach auf mehr Interesse des Landratsamtes für seinen Vorschlag gehofft. Er wollte mit gutem Beispiel vorangehen, einen Beitrag leisten. „Ich bin sehr viel gereist in meinem Leben“, sagt er. „Ich wollte ein klein wenig von der Gastfreundschaft zurückgeben, die mir entgegengebracht wurde.“ Dass das an deutschen Paragraf scheitern soll, wird Fritz Zirngibl niemals verstehen.

Katrin Woitsch

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