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Frontalangriff auf den DB-Fernverkehr

München - Die dem Wirtschaftsministerium unterstellte Bayerische Eisenbahngesellschaft kritisiert massiv den Rückzug der Deutschen Bahn aus dem Fernverkehrsnetz. Große Städte wie Augsburg oder Regensburg hätten keine vernünftige Anbindung mehr.

Die schnellen IC und ICE sind das Aushängeschild der Deutschen Bahn – und ihr ganzer Stolz. „Weiße Flotte“ nennt der Konzern seine prestigeträchtigen Flitzer gern. Da treffen die Vorwürfe, die nun die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) in ihrer internen Zeitschrift „Bahnland Bayern – News“ aufführt, bis ins Mark.

„DB Fernverkehr reduziert das Angebot auf vielen Strecken“, heißt es da – und das, obwohl gerade für den Fernverkehr die größten Investitionen getätigt wurden. Auch Bayern sei „Leidtragender“. So drohe einem Teil des Franken-Sachsen-Expresses (Nürnberg-Dresden), der bislang zweistündlich verkehrt, Ende 2013 die Einstellung. Wenn zum selben Zeitpunkt die Strecke München-Ingolstadt fertig ausgebaut sei, könnten weitere Fernverkehre Richtung Norddeutschland über Ingolstadt laufen – zu Lasten von Augsburg. Schon jetzt sei der Fernverkehr in der Schwaben-Metropole ausgedünnt. Es gebe „kein vernünftiges Fernverkehrsangebot mehr“, erklärt Andreas Schulz, Abteilungsleiter Planung bei der BEG.

Schulz mahnt auch Verbesserungen bei der Vertaktung des Fernverkehrs an: Es sei höchste Zeit, dass der Bund das Heft in die Hand nehme und einen attraktiven Deutschland-Takt „nach dem Vorbild des Bayern-Takts“ organisiere. Viele Fernzüge verkehrten nicht „im Takt“, das erschwere es, sinnvolle Anschlüsse mit dem Nahverkehr herzustellen. Es sei zum Beispiel grotesk, dass auf der Verbindung München-Hamburg über Ingolstadt zwei Fernzüge im Abstand von fünf Minuten direkt nacheinander verkehren sollen – und das nur, weil die Trasse über Ingolstadt betriebswirtschaftlich etwas günstiger sei. „Durch die rein betriebswirtschaftliche Planung haben selbst bedeutende Großstädte kein vernünftiges Fernverkehrsangebot mehr.“

Erst am Dienstag hieß es im ARD-Magazin „Report Mainz“, die Deutsche Bahn habe seit 1999 bundesweit 110 Bahnhöfe vom Fernverkehrsnetz abgetrennt. Auch bayerische Beispiele wurden genannt, etwa Eichstätt, das alle 47 Fernverkehrshalte pro Woche verloren habe.

Die Deutsche Bahn rechtfertigt sich mit dem Hinweis, dass sie beispielsweise die Verbindung München-Nürnberg zum Teil im Halbstundentakt mit ICE befahre, „weil es der Markt so will“. Es gebe überraschend hohe Fahrgastzuwächse. Fahre der ICE über Augsburg, müsse er anschließend durchs kurvenreiche Altmühltal – landschaftlich schön, aber zeitraubend. Bundesweit sei die Fernverkehrsleistung nach Kilometern im vergangenen Jahr um fast zwei Prozent gestiegen.

Hinter dem Angriff der BEG steht auch ein Streit um die sogenannten Regionalisierungsmittel, die der Bund an die Bundesländer vergibt (an Bayern etwa eine Milliarde jährlich). Die Mittel sind eigentlich für den Nahverkehr vorgesehen. Die BEG hat jedoch die Mittel auch verwendet, um Langstreckenverbindungen, die die DB gestrichen hatte, aufrecht zu erhalten. Zum Beispiel die Linie München-Prag. Die Interregio-Strecke der DB ist vor Jahren eingestellt worden. Im Auftrag der BEG fährt jetzt der „Alex“, der zur italienischen Netinera gehört, an die Moldau.

Dirk Walter

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