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Bürger verfolgen am bei der Bürgerversammlung in der Sporthalle von Randerath die Rede des Landrates des Kreises Heinsberg, Stephan Pusch.

Früherer Sextäter soll in Therapie - Bürger bleiben skeptisch

Heinsberg - Applaus brandete auf, als der Heinsberger Landrat Stephan Pusch am Mittwochabend die Turnhalle betrat, in der sich 300 besorgte Bürger versammelt hatten. Der CDU-Politiker wird vor Ort wie ein Held gefeiert, seit er die Leute über einen aus der Haft entlassenen Sexualverbrecher informierte, der jetzt in ihrer Mitte lebt.

Und dann präsentierte er am Mittwoch auch noch ganz überraschend die mögliche Lösung des "Riesenproblems": "Herr D. hat eingewilligt, eine Therapie in einer geschlossenen Einrichtung zu machen."

Mit dieser Ankündigung nahm der Landrat den Zündstoff aus der Veranstaltung. Bei den anschließenden Fragen klang immer wieder Dankbarkeit durch - Dankbarkeit dafür, dass der Landrat die brisante Information öffentlich gemacht hatte. Außerhalb von Heinsberg ist das ein umstrittener Schritt, in manchen Medienberichten war davon die Rede gewesen, die Atmosphäre in dem Dorf sei nun so aufgeheizt, dass man Lynchjustiz befürchten müsse.

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Der entlassene 57-jährige Sex-Täter hatte drei Mädchen vergewaltigt und dafür insgesamt 20 Jahre Haft verbüßt. Gutachter halten den Mann immer noch für gefährlich und bescheinigen ihm ein Rückfallrisiko. Trotzdem lehnte das Landgericht München eine nachträgliche Sicherungsverwahrung ab. Die Nachricht, dass sich der Täter einer Therapie unterziehen wolle, löste am Mittwochabend aber noch keine völlige Erleichterung aus. Schließlich ist die Sache noch nicht wasserdicht: Die Therapie ist freiwillig, die Aussage relativ unverbindlich, und einen Therapieplatz gibt es auch noch nicht. "Ich hoffe, dass die Bereitschaft bestehenbleibt", schränkte auch Pusch (40) ein.

Und außerdem: Selbst wenn der Mann irgendwann weg ist, wer garantiert dafür, dass er nicht wiederkommt? Nein, so schnell lassen sich die Bürger nicht beruhigen. Und auch Landrat Pusch muss zugeben: Der Täter könne die Therapie abbrechen, wenn er wolle. In dem Fall würde aber die Polizei informiert.

Etwa 100 bis 150 besorgte Bürger hatten tagelang vor dem Wohnhaus gegen den 57-Jährigen demonstriert. Die Polizei hielt unterdessen den Kontakt zu den Hausbewohnern: dem Ex-Häftling selbst, seinem Bruder, dessen Frau und Kind. Zeitweise war nicht mehr ganz klar, wer hier eigentlich vor wem geschützt werden musste.

Viele Bürger befürchten nun, dass der Täter nur kurzzeitig dem enormen Druck nachgibt, unter dem er seit Tagen steht: Beobachtung durch die Polizei rund um die Uhr, tägliche Demonstrationen vor seinem Haus. "Ich kann in den Mann nicht reingucken", räumte Pusch ein.

Er und Ortsvorsteher Heinz Franken auf dem Podium appellierten an ihre Zuhörer, Ruhe zu bewahren - und auch nicht mehr zu demonstrieren. Die Dorfbevölkerung habe ihr Ziel doch jetzt erreicht, und Neonazis dürfe keine Plattform geboten werden. Am Samstag hatten in Heinsberg 63 Rechtsradikale gegen die Entlassung des Täters protestiert. Als sie einen unangemeldeten Demonstrationszug durch den Ort machen wollten, griff die Polizei ein, stellte die Personalien fest und schickte sie weg.

Pusch brach am Mittwochabend auch noch eine Lanze für den Bruder des Ex-Häftlings und dessen Familie - sie hatten den Mann aufgenommen: "Das war ein Akt der Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Davor muss man den Hut ziehen." Stattdessen sei der Bruder selbst in gewisser Weise zum Opfer geworden: "Wir dürfen dem Bruder nicht die Möglichkeit nehmen, hier zu leben."

Von Elke Silberer, dpa

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