Ein Mädchen schaut durch ein Beet mit Frühlingsblumen.
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Wenn im Garten die ersten Blumen sprießen, erwachen auch bei uns Menschen neue Lebensgeister. Kein Wunder bei den fröhlichen Farben und intensiven Düften.

Meteorologischer Frühlingsanfang

Wissenschaftlerin erklärt: Darum macht uns der Frühling glücklich

  • Nina Praun
    vonNina Praun
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Heute ist meteorologischer Frühlingsanfang, auch wenn das Wetter in diesem Jahr schon ein paar Tage früher den Lenz eingeläutet hat. Somit haben wir sie bereits in den vergangenen Tagen erlebt: die Frühlingsgefühle. Woher kommen sie – und wie kann man sie verstärken?

Sulzemoos – Vergangene Woche ging ein Aufatmen durch ganz Bayern. Die Temperaturen stiegen an bis auf 20 Grad, die Sonne ließ überall erste Schneeglöckchen und Krokusse hervorblitzen, die Vögel tirilierten. Und die Menschen spürten: Endlich ist dieser graue Winter vorbei. Sie traten aus ihren Häusern und Wohnungen heraus, inspizierten ihren noch recht matschigen Garten, zerrten den verrosteten Grill aus dem Keller hervor – und benahmen sich im Allgemeinen recht: fröhlich. Denn in unseren Breitengraden werden dem Frühling – neben der dazugehörigen Müdigkeit – vor allem positive Gefühle zugeschrieben: die sogenannten „Frühlingsgefühle“. Oder, wie der Duden sagt: „Ein Gefühl der Heiterkeit und Gelöstheit angesichts des erwachenden Frühlings.“ Die wir alle bitter nötig haben.

Eine Erklärung für die positiv besetzten Gefühle rund um den Frühling hat Annegret Braun. Die 58-Jährige aus Sulzemoos (Landkreis Dachau) ist Kulturwissenschaftlerin und Ethnologin, und eines ihrer Forschungsthemen ist: das Glück. „Glück wird auch durch die Sinne erlebt“, erklärt sie. Und: „Im Frühling werden die Sinne wieder mehr angesprochen.“

Wie ist das zu verstehen? „Nun, etwa die Wärme, die auf der Haut zu spüren ist“, sagt die Kulturwissenschaftlerin. „Oder der Geruch: Der Frühling riecht ja ganz anders als der Winter.“ Die Wärme der Sonne im Gesicht oder auf der Haut fühlt sich anders an als die des bollernden Ofens. Und der zarte Duft einer Hyazinthe weckt sonnigere Gefühle als die eine oder andere Rauchfahne aus eben jenem Ofen.

Annegret Braun ist Kulturwissenschaftlerin.

Auch die Geräusche um einen herum verändern sich, erklärt Braun. Im Winter nimmt man vor allem eine Stille wahr, besonders, wenn die gesamte Natur unter einer dicken Schneedecke begraben ist. Nun aber werden auch die Tiere munter: „Man hört etwa wieder die Vögel zwitschern. Im Sommer fällt es einem oft gar nicht mehr auf, aber nach dem Winter nimmt man den Vogelgesang wieder bewusst wahr“, sagt Braun. „Und schließlich die Optik: Die Farben wirken jetzt intensiver. Nach dem matschbraunen Winter kommt wieder das saftige Grün; viele Frühlingsblüher haben knallige Farben, wie gelb oder lila.“

Die Natur zeigt unseren Sinnen, was sie zu bieten hat. Auch der Geschmackssinn wird bald folgen, wenn die ersten Bärlauchgerichte auf dem Tisch stehen. Vielleicht sogar mit selbst gepflückten Zutaten. Denn: „Man geht nun gerne öfter raus“, sagt Braun. Auch das wirke sich positiv auf das Lebensgefühl aus: „Man sieht mehr, erlebt mehr, bewegt sich mehr; man bekommt mehr Sauerstoff und Licht ab.“

Im Lockdown haben viele Menschen versucht, die positiven Effekte der Natur für sich zu nutzen, etwa bei täglichen Spaziergängen. Wenn man den größtmöglichen Nutzen aus diesen kleinen Ausflügen ziehen will, heißt es: aufmerksam sein, erklärt die Expertin. Denn: „Glück entsteht durch die Achtsamkeit, durch das Leben im Moment.“ Der Frühling fördert und fordert Achtsamkeit.

Beim Spaziergang bleibt man stehen, sobald man die erste Blume entdeckt, man hört genau hin, wenn man das erste „Zilpzalp“ eines Zilpzalps hört. „Man wird viel achtsamer bei den kleinen Dingen“, sagt Braun. Und so entsteht Glück – jene Heiterkeit, für die die Frühlingsgefühle so berühmt sind, erklärt Braun: „Im Moment leben, bewusst über die Sinne die Gegenwart wahrnehmen – das ist auf jeden Fall glücksfördernd.“

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