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Füchse machen es sich immer häufiger in Stadtnähe bequem. Dieses Jungtier richtet sich auf einem Blumentopf häuslich ein.

Der Fuchs kommt in die Stadt

München - Der Fuchs kommt: Jetzt im Herbst tauchen immer wieder Wildtiere in den Städten und Orten auf. Sie stehen auf Pizza, Hamburger und Co.

Menschliche Nähe verspricht den schlauen Füchsen mit der feinen Nase eine hohe Lebensqualität. Fressen ohne Stress und Risiko, ein abwechslungsreiches Nahrungsangebot von der Pizza bis zum Katzenfutter und ein Freizeiterlebnis mit interessanten Unterhaltungswerten machen die neuen Reviere mit den zahlreichen Schlupfwinkeln attraktiv. “Es ziehen immer mehr Füchse durch die Wohngebiete“, sagt Egbert Urbach, Chef der Landesjagdschule des Bayerischen Jagdverbandes (BJV).

Albert Notter von der Abteilung Jagdwesen im Münchner Kreisverwaltungsreferat schätzt, dass sich allein in der bayerischen Landeshauptstadt mittlerweile 2000 Füchse aufhalten. “Es gibt Füchse, und das sind nicht wenige“, ergänzt Wilhelm Seerieder, der Leiter des Forstbetriebes München, “die haben noch nie einen Wald gesehen.“ Dafür kennen sie den Viktualienmarkt und den Nobelvorort Grünwald recht gut oder wagen, wie erst jüngst geschehen, außergewöhnliche Touren in den siebten Stock einer Innenstadt-Baustelle. Bayernweit ist der Fuchsbestand gewachsen. “Die Meldungen über Füchse häufen sich“, berichtet Martin Hupp, Jagdsachbearbeiter der Stadt Würzburg. Vor einiger Zeit stand ein Fuchs in der Dämmerung im Garten eines Restaurants und ließ sich auch durch die anwesenden Gäste nicht stören.

Kaum ein Wildtier kommt nach Beobachtungen des Jagdverbandes mit dem Menschen als Nachbarn besser zurecht als der Fuchs. In den Siedlungsbereichen, so Egbert Urbach vom BJV, “hat er keinen Druck und muss nicht kämpfen“. Der anpassungsfähige Allesfresser stellt für dieses angenehme Umfeld sogar seinen Ernährungsplan um, dann gibt es eben mal mehr Hamburger als Mäuse. Und die Gärten und Straßen sind voll von Abfällen, die ein bequemes Sattwerden bei Einbruch der Dunkelheit garantieren. Das haben die Anwohner in Steinbach bei Würzburg auch bemerkt. Ihnen fiel auf, dass die gelben Säcke oft aufgerissen waren. Heute werden sie mit den Konservendosen, Getränkekartons und Milchbechern erst unmittelbar vor der Abholung nach draußen gestellt. Seitdem “haben wir in dieser Gegend weniger Hinweise auf Füchse“, so Hupp. Es sind auch Fälle bekannt, in denen die Füchse, von Menschen mit einem üppig bestückten Futternapf angelockt werden.

Cooles Verhältnis zu Menschen

Der Bayerische Jagdverband warnt aber: “Es sind Wildtiere, und das sollen sie auch bleiben.“ Grundsätzlich gilt: Keine freie Lagerung von Lebensmitteln, Abfällen und Tierfutter in Gärten und Straßen. In dieser Jahreszeit, in der sich viele Jungtiere vom elterlichen Bau im Wald verabschieden und auf der Suche nach neuen Revieren in Gärten auftauchen und auch neugierig in erleuchtete Zimmer spähen, häufen sich bei Ämtern und Behörden die Anrufe besorgter Anlieger. Denn auch das Fluchtverhalten der Füchse ist beim Blick-Kontakt mit dem Menschen sehr reduziert. “Die coolen Füchse“, erzählt Albert Notter im Münchner Kreisverwaltungsreferat, “nähern sich bis auf eineinhalb Meter, die sind nicht krank, die haben sich nur dem Lebensraum angepasst.“ Draußen im Wald sausen sie schon davon, wenn der Förster im grünen Rock am Horizont auftaucht.

Bei Begegnungen mit dem Fuchs denken viele an Tollwut. Doch die Tollwut ist hierzulande schon lange kein Thema mehr. Anders ist es mit dem Fuchsbandwurm. Wie das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit berichtet, wurde der Parasit 2009 bei 21 von 97 untersuchten Füchsen nachgewiesen ­ein Befall von 20 Prozent. Kommt der Mensch damit in Kontakt, können ohne Behandlung schwerste Erkrankungen folgen. Laut einer Statistik des Robert-Koch-Institutes in Berlin wurden in Bayern im vergangenen Jahr elf Erkrankungen gemeldet, bei einer Inkubationszeit von bis zu 15 Jahren. Aber die Ansteckungsgefahr für den Menschen ist nach den Worten von Prof. Klaus Brehm von der Universität Würzburg “äußerst gering“. Der Lehrstuhlinhaber für Medizinische Parasitologie ist der Experte: “Wir wissen bis heute nicht, wie man sich ansteckt.“ Er nennt in erster Linie “den Umgang mit infizierten Füchsen“, dann “generell den Waldboden“ und schließlich Beeren.

Klaus Joachim Greiner/dpa

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