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Nebelschleier über dem Nationalpark Bayerischer Wald. Für einen weiteren Nationalpark gibt es mehrere potenzielle Standorte. 

Schwierige Suche nach drittem Standort

Furcht vor dem Nationalpark

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München - Bekommt Bayern einen dritten Nationalpark? Das ist aufgrund des starken Widerstands noch längst nicht ausgemacht, wie sich gestern zeigte. Auch in der Garmisch-Partenkirchener Region baut man vor: Ja nicht bei uns, heißt es dort.

Es gibt 16 Nationalparks in Deutschland, zwei davon in Bayern. Oder demnächst sogar drei? Die Widerstände gegen diesen Vorschlag von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sind hoch, wie eine Anhörung im Landtag zeigte. Zwar sprachen sich mehrere Fachleute für Machbarkeitsstudien zu den möglichen Standorten aus. Doch die Lobbygruppen, die prinzipiell gegen einen weiteren Nationalpark sind, dürften ebenfalls Gewicht haben. Beispielsweise der Bayerische Bauernverband. Er warnte vor „einer Vielzahl von schwerwiegenden und weitreichenden Nachteilen“. Weil in einem Nationalpark keine Forstwirtschaft mehr möglich ist, warnte der sogenannte Waldpräsident des Verbands, Bernhard Weiler, vor einer „Stilllegung“ der regionalen Wertschöpfung.

Einer Übersicht der Nationalparks in Bayern.

Favorisiert wird derzeit vor allem der Spessart in Unterfranken und die Rhön. In der Anhörung forderten aber mehrere Experten, auch den Steigerwald unbedingt in die Überlegungen einzubeziehen. Seehofer und das Kabinett hatten dieses Waldgebiet aber wegen der Proteste der Bevölkerung vor Ort ausgenommen – aus „rein ideologisch, nicht fachlich“ begründeten Motiven, wie der SPD-Umweltpolitiker Florian von Brunn sagt. Auch der Münchner favorisiert einen Standort in Nordbayern. „Es ist offensichtlich, dass sowohl die einzigartigen Buchenwälder im Steigerwald, als auch die wertvollen Buchen- und Eichenbestände im Spessart es verdienen, für künftige Generationen geschützt zu werden.“

Beim Spessart tat sich in der Anhörung ein Problem auf: die dortigen, historisch gewachsenen Holznutzungsrechte der lokalen Bevölkerung. Ein Verwaltungsrechtler machte deutlich, dass er darin ein mögliches Hindernis sieht, sollte der Spessart ausgewählt werden. „Das ist tatsächlich eine harte Nuss und könnte am Ende entscheidend sein“, meint der CSU-Umweltpolitiker Otto Hünnerkopf. Womöglich sei der Widerstand an den Donau-Auen bei Neuburg/Kelheim oder aber in der Rhön geringer. Dort, in Bad Kissingen, war Umweltminister Ulrike Scharf (CSU) am Mittwoch zu einer Dialogveranstaltung. Die Resonanz war nicht so ablehnend wie im Spessart – es gebe Gründe gegen und für so einen Nationalpark, sagte Landrat Thomas Bold (CSU) hinterher. Nun ist eine Studie geplant.

Derzeit nur am Rande ein Thema ist ein Nationalpark in den Ammergauer Alpen – in den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen und Ostallgäu. Er könnte wieder ins Spiel kommen, falls sich die Pläne in Nordbayern zerschlagen, sagt der Garmischer Landrat Anton Speer (Freie Wähler) gegenüber unserer Zeitung. So sieht es auch der CSU-Abgeordnete Hünnerkopf: „Wir haben im Berchtesgadener Land schon einen Alpen-Nationalpark. Deswegen steht er bei den Suchfenstern an allerletzter Stelle.“ Aber, schränkt Hünnerkopf ein, wenn sich alle anderen Projekte zerschlagen sollten, könnte auch die Ammergauer Region in den Fokus geraten.

Die Kreisgruppen des Bund Naturschutz in Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau und Ostallgäu haben schon im vergangenen Jahr eine Ausweisung zwischen Schachenschloss und Schloss Neuschwanstein gefordert. Doch der Widerstand ist groß. Die Gemeinderäte mehrerer Kommunen im Ammertal hätten dagegen votiert, sagt Speer. Eine landkreisweite Abstimmung gab es aber noch nicht. Auch wenn ein Nationalpark hauptsächlich auf Staatsgrund liegen würde, wären Almbauern und Waldbesitzer stark eingeschränkt – etwa weil sie Weide- oder Holzrechte nicht mehr nutzen könnten. Dass diese Rechte teilweise gar nicht mehr ausgeübt werden, ficht Speer nicht an. „Wir werden einen Nationalpark mit allen Mitteln verhindern“, kündigt der Landrat an.

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