Die Chaosfahrt von ALX 84112

Fußballfans zerlegen einen kompletten Zug

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Regensburg/Hof – 270 Fußballfans, zwei Stunden Zugfahrt, vier demolierte Waggons – das ist die Bilanz einer Chaosfahrt des „Alex“-Regionalzuges von Regensburg nach Hof. 25 Bahnpolizisten konnten das Chaos nicht verhindern.

Sammelfahrten von Fußballfans zu den Auswärtsspielen ihrer Mannschaft sind bei Bahnpersonal und Bundespolizei gefürchtet – nicht ohne Grund, wie sich einmal mehr am vergangenen Samstagabend zeigte. Diesmal war eine besonders verschrieene Gruppe unterwegs: Fans des Drittligisten Dynamo Dresden sind in der Szene gefürchtet. Sie hinterlassen immer wieder „eine Spur der Verwüstung“, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte. 2500 von ihnen reisten in die Oberpfalz. Per Bus, per Pkw, aber auch per Zug. Hooligan-Alarm in Regensburg: Umringt von einem Heer von Bundespolizisten, marschieren ganze Fankolonnen durch die Stadt – davon zeugen gespenstisch wirkende Bilder, die die technisch versierten so genannten „Ultras“, eine besonders hart gesottene Fangruppe, sogleich ins Internet stellten. Nicht ohne Grund haben sie alle ihre Gesichter unkenntlich gemacht.

Am Nachmittag gab es dann im Jahn-Stadion ein umjubeltes 3:2 der Dresdner gegen den Tabellenletzten, am Abend folgte die Randale. 25 Bundespolizisten, die im Zug mitfuhren, waren machtlos. „Die Polizei wird in solchen Fällen nicht mehr als Autorität wahrgenommen, sondern als Feindbild“, sagt Josef Pongratz von der Bundespolizeiinspektion Waldmünchen.

Die Fahrt von ALX 84112 nach Hof dauert 1:59 Stunden. 270 Dynamo-Fans in drei Waggons, einen vierten teilten sich die alkoholisierten Fussballfans mit normalen Reisenden. Arme Reisende – muss man wohl sagen. Denn die Fans hinterließen, als sie in Hof in einen Anschlusszug nach Dresden umstiegen, ein Meer der Verwüstung. Die Waggons stanken bestialisch nach Alkohol und anderen Ausdünstungen. Die Inneneinrichtung wurde mutwillig zerstört, Sitze herausgerissen. Auf dem Boden Abfall, Feuerlöscher, deren Pulver im Zug und auch durch die Fenster nach außen versprüht wurde. Und natürlich Unmengen leerer Bierflaschen. Schmierereien mit Edding-Stiften an den Sitzen. Ein Lautsprecher wurde aus der Deckenverkleidung herunter-, Vorhänge abgerissen. Auch eine Glasscheibe ging zu Bruch. Als der Zug pünktlich um 19.33 Uhr in Hof hielt, zog noch einer die Notbremse. Sachschaden: mehrere tausend Euro. Wer das bezahlt, ist unklar.

Die Verursacher jedenfalls eher nicht. Denn Festnahmen gab es keine, die Polizei ermittelt gegen Unbekannt, wie Bundespolizei-Sprecher Pongratz bestätigte. Die mitreisenden Kollegen hätten sich eher passiv verhalten, Ein- und Ausgänge kontrolliert und ein Auge darauf gehabt, Attacken auf andere Fahrgäste zu verhindern. Tatsächlich gab es – soweit bekannt – auch keine Verletzten. Festnahmen im Zug seien auf solchen Fanfahrten unvorstellbar, das hätte die Stimmung nur noch angeheizt, erklärt der Bundespolizist.

Auf Dresdner Seite scheint die Sache schon abgehakt. Heute spielt Dresden im Pokal gegen Dortmund – das hat Priorität. Gewalt sei „grundsätzlich zu verurteilen“, sagt ein Sprecher des Dresdner Fanprojekts, das sich um Problemfans kümmern soll. Aber Vandalismus sei jetzt nicht so „vollkommen ungewöhnlich“. Man werte Fragebögen zum Regensburger Spiel aus.

Auch die Deutsche Bahn hat ihre Erfahrungen mit Fangewalt, weswegen sie vom DFB fordert, reine Fanzüge zu finanzieren. Dann würden wenigstens normale Fahrgäste unbehelligt bleiben. Doch die Verhandlungen sind festgefahren.

Die Chaosfahrt vom Samstag hat allerdings eine Heldin: Eine tapfere Zugbegleiterin kämpfte sich durch den Fanpulk und kontrollierte Fahrkarten. Alle hatten eine, versichert sie gegenüber unserer Zeitung. Angenehm kann ihr Dienst aber nicht gewesen sein. „Das können Sie sich ja denken, bei den Fotos.“

Unter Eisenbahn-Freunden werden die Zerstörungen emsig diskutiert und die Bilder via Facebook verbreitet.

Rubriklistenbild: © dpa

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