Nicht jedes Navi führt zum Königsschloss

Wer Neuschwanstein sucht, landet am Misthaufen

München - Fussen im Kreis Rosenheim und Füssen im Allgäu trennen zwar 150 Kilometer Luftlinie, allerdings rein wortmäßig nur Ü-Dipferl. Wer das Navi falsh bedient, landet schnell mal vorm Misthaufen statt bei Neuschwanstein.

In Fussen gibt es kein Schloss zu sehen.

Die Bäuerin Rosemarie Hamberger aus Fussen, einem Teil der Gemeinde Stephanskirchen, war selbst noch nie am Schloss Neuschwanstein. „Leider,“ Allerdings kennt sie einige flüchtig, die gerade bei ihr immer wieder das Märchenschloss suchen. Und die parken meist vorm Misthaufen. Fussen in Kreis Rosenheim und Füssen im Allgäu trennen zwar 150 Kilometer Luftlinie, allerdings rein wortmäßig nur Ü-Dipferl. Wenn’s also so ist, dass Touristen im Navi Füssen wollen, aber Fussen eingeben, wird aus der Königstour schnell eine Schneiderfahrt. Und die endet mit der Frage von Verirrten: „Wo ist jetzt das Schloss?“

Jedenfalls nicht in Fussen, das zwar auch schön liegt mit dem Simssee in Schlagweite und dem Schlossberg in der Nähe, aber halt sonst schlosslos daherkommt. Landwirtin Hamberger berichtet dem OVB in Rosenheim, dass es meist Autofahrer mit ausländischem Kennzeichen sind, gelegentlich stoppen auch Busse. Und jedes Jahr nimmt der Touristenstrom zum Misthaufen zu. Mehr Navis, mehr Vertipper.

Während man in der Tourist-Info der Urlaubsregion Simssee von versprengten Kinifans nichts weiß, hat dies der Stephanskirchner Bürgermeister Rainer Auer selbst schon erfahren. „Die Standardfrage ist immer: ,Wie kommen wir zum Schloss?‘“ Ein wenig schuld an der Verwirrung hat auch Google. Wer auf Google-Maps nach Stephanskirchen sucht, wird mit Neuschwanstein begrüßt. Das Unternehmen bekräftigt zwar den Anspruch, dass Google-Maps aktuelle und exakt sei, weist aber auch auf die Eigeninitiative der Nutzer hin, die Google Fehler melden sollen.

In der realen Welt tritt Rosemarie Hamberger in sprachlichen Kontakt, wenn wieder jemand am Misthaufen steht. Sie empfiehlt, anstatt Neuschwanstein Schloss Herrenchiemsee zu besuchen, das ja fast um die Ecke liegt. „Wir sagen, es sei auch wunderschön.“ Doch oft seien die Touristen halt nur auf Neuschwanstein aus, „richtig verbissen“. Irgendwie verständlich, dass nach der Schneiderfahrt zum Misthaufen einem stinkt.

M. Weinzierl

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