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Der junge Mann, der überfahren wurde, war vermutlich von einer Party in Mehring zu Fuß auf dem Nachhauseweg in Richtung Burghausen.

Unfallfahrer flüchtet und beseitigt Blutspuren in der Waschanlage / Festnahme acht Stunden später

27-Jähriger fährt jungen Mann tot und flüchtet

Mehring/Rosenheim - Was muss in einem jungen Mann vorgehen, der mit seinem Auto einen Menschen überrollt und danach in eine Waschanlage fährt, um alle Spuren zu beseitigen?

Wütend, fassunglos, entsetzt und unglaublich traurig waren die Menschen am Samstag in Burghausen, als sich die schreckliche Geschichte von Robert M. wie ein Lauffeuer verbreitete. Der 24-Jährige war am Samstag im Morgengrauen unterwegs nach Hause – zu Fuß, weil er etwas getrunken hatte. Nur noch rund 1000 Meter waren’s bis zu seiner Wohnung, als ein gelber Mazda heranbrauste, ihn überrollte und einfach weiter fuhr.

Bilder vom Unfallort

Mehring: Mann fährt Fußgänger tot und flieht

Doch Christoph M. (27), der am Steuer saß, wurde schnell gefunden. Acht Stunden nach dem Unfall wurde er festgenommen und der Unfallwagen sichergestellt. Der gelbe Mazda war blitzsauber. Christoph M. war mit ihm nach der Todesfahrt in die Waschstraße gefahren!

Unfallfahrer und Opfer waren am Abend in Mehring gewesen. Dort veranstalteten die Wildschützen anlässlich ihres 50-jährigen Gründungsbestehen mit der Katholischen Landjugend eine Rocknacht. Es spielte die Band Crush. In den Morgenstunden machte sich Robert dann auf den Heimweg. Rund sechs Kilometer sind es von Mehring bis Burghausen. Entlang der Staatsstraße gibt es einen Fuß- und Radweg, aber Robert wählte einen anderen Weg und bog auf ein schmales Gemeindesträßchen ein, das Autofahrer gern als Schleichweg benutzen – vor allem, wenn sie etwas getrunken haben.

Was dann geschah, muss erst noch ein Gutachter klären. Möglicherweise saß Robert M. auf der Straße, um sich auszuruhen, oder der Schlaf hatte ihn übermannt und er lag auf der Straße. Jedenfalls erfasste ihn Christoph M. mit seinem Mazda und schleifte ihn mindestens 15 Meter mit! Hat der 27-jährige Bauarbeiter ihn übersehen oder war er vielleicht zu betrunken, um einem plötzlich auftauchenden Hindernis ausweichen zu können? Das Unglück ereignete sich hinter einen kleinen Kuppe.

Fest steht: Christoph M. flüchtete, ohne sich um Robert zu kümmern. Anstatt die Rettungskräfte zu alarmieren und die Polizei einzuschalten, fuhr er mit seinem Wagen, der nur vorne rechts und am Unterboden etwas beschädigt war, in eine Waschanlage und beseitigte alle Blutspuren. Dann parkte er das Auto vor seiner Wohnung.

Robert M. wurde nur 24 Jahre alt

Doch wenige Stunden später klingelte die Polizei an seiner Tür und nahm ihn fest. Sein Mazda wurde abgeschleppt und sichergestellt. „Der steht doch hier ganz ordnungsgemäß“, wunderte sich eine Nachbarin, als der Wagen aufgeladen wurde. Unfallexperten hatten die Polizei auf die Spur des 27-Jährigen gebracht. Sie hatten schnell herausgefunden, dass der Unfallwagen ein Mazda gewesen sein musste. Dass es sich um ein knallgelbes Fahrzeug handelte, erleichterte die Suche dann noch einmal. Möglicherweise spielte auch ein Schuh eine Rolle, denn am Unfallort fand man nur einen. Hatte sich Roberts zweiter Schuh im Unterboden des Mazda verfangen? Christoph M. wurde festgenommen, vernommen und zur Blutentnahme in das Burghauser Krankenhaus gebracht. Anschließend sollte er dem Haftrichter vorgeführt werden.

Die Familie und die Freunde von Robert stellten ein Marterl an der Unglücksstelle auf und schmückten den Platz um sein Foto mit Kerzen und Blumen. Alle mochten den 24-Jährigen, der in Julbach in einer Glaserei arbeitete. Roberts große Leidenschaft galt dem Theaterspielen.

Aber auch außerhalb der Bühne verstand er es, seine Freunde prächtig zu unterhalten. „Er hat immer den Clown gespielt“, erzählt seine Mutter einer Mitarbeiterin von rosenheim24. Und dass sie ihren Buben immer „mein Prinz“ genannt habe. Sie sei so stolz auf ihn gewesen, weil er, nachdem er vor einem Jahr zu Hause ausgezogen war, es so toll geschafft habe, sein Leben allein zu organisieren. Mazda-Fahrer Christoph M. gesteht in seinem Profil in einem Internetportal übrigens freimütig, dass er Zocken und Saufen liebe und allen empfehle: „Haltet eure Straßen sauber…“

tz

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