Agrarminister Brunner

Futtermittel ohne Gentechnik

München - Die meisten Menschen wollen kein „Gen-Food“. Doch die Tiere, von denen Milch und Fleisch stammen, werden teils mit importiertem, gentechnisch verändertem Soja gefüttert. Das soll sich in Bayern ändern, sagt Minister Brunner.

Bayern ist auf dem Weg zu gentechnikfreien Futtermitteln einen Schritt weiter. Die Anbaufläche für heimisches Soja sei von 2010 auf 2011 um ein Viertel auf rund 3000 Hektar vergrößert worden, sagte Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) in München. Insgesamt solle die Fläche auf 5000 Hektar steigen. Mit dem aufgelegten Aktionsprogramm „Heimische Eiweißfuttermittel“ will der Minister den Eigenanbau stärken und damit den Sojaimport zurückfahren.

Derzeit werden noch jährlich 800 000 Tonnen Sojafuttermittel unter anderem aus Südamerika und den USA importiert - davon sind 90 Prozent gentechnisch verändert. Um einen Beitrag zur Erzeugung gentechnikfreier Lebensmittel zu leisten, will Brunner in den nächsten beiden Jahren rund zwei Millionen Euro in die Produktion heimischen Eiweißfutters investieren. „Ich spüre, dass das auch in der Gesellschaft auf breite Zustimmung stößt“, betont er.

Der Eigenanbau verbessere zudem die Versorgungssicherheit für die Landwirte, stärke regionale Wirtschaftskreisläufe und diene dem Klimaschutz. „Erstes Ziel ist, dass wir für die Biobauern die Eiweißversorgung aus heimischer Erzeugung sicherstellen“, sagte Brunner.

Neben Soja sollen auch andere eiweißhaltige Pflanzen wie Erbsen und Luzerne verstärkt als Futterpflanzen angebaut werden. In der Rinderhaltung sei ein Verzicht auf Import-Soja leichter zu erreichen, da die Tiere auch Gras und Klee fressen. Dort sollen die Importe halbiert werden - auf 200 000 Tonnen. Bei Schweinen, die im Wesentlichen Hülsenfrüchte brauchen, sei die Umstellung schwieriger. Die Bauern werden mit Beratungen und Versuchsvorführungen unterstützt. Brunner setzt sich zudem für eine Kennzeichnung von Fleisch ein, das ohne gentechnisch veränderte Futtermittel hergestellt wurde. „Das könnte eine Chance sein, einen Marktvorteil bedeuten“, sagte Brunner.

Eine Gefahr für die Verbraucher bringe Gensoja im Futter aber nicht. Langjährige Fütterungsversuche an den landeseigenen Forschungsanstalten hätten ergeben, dass es weder auf das Fleisch noch auf die Gülle Auswirkungen gebe.

Kritik kam von den Freien Wählern: „Der Effekt, mit dieser doch überschaubaren Fläche Importware zu verdrängen, dürfte sich sehr in Grenzen halten“, so die agrarpolitische Sprecherin Ulrike Müller. Stattdessen sollten heimische Eiweißträger wie das Dauergrünland besser gefördert und die Besteuerung von Biodiesel zurückgenommen werden.

Von Sabine Dobel

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