FW-Volksbegehren

G9 mit maximal 30 Wochenstunden

München - Hessen hat sie, Baden-Württemberg – und bald auch Bayern? Die Freien Wähler wollen per Volksbegehren eine Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 einführen. Mancher Schulleiter würde am liebsten gleich umstellen.

Wenn das kommt, sagt Heinz-Peter Meidinger, „dann bricht das G8 innerhalb kurzer Zeit zusammen“. Meidinger ist Leiter eines Gymnasiums in Deggendorf und Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands – und in Kontakt mit seinen Landesvorsitzenden in Hessen und Baden-Württemberg. In beiden Ländern gehen mehr Gymnasien als zunächst erwartet zurück zum G9 – darunter sind auch ausgesprochene Vorzeigeschulen wie etwa das Gymnasium Rutsheim bei Stuttgart, in das die Ingenieurs-Elite von Bosch und Porsche ihre Kinder schickt. Auch Meidinger macht keinen Hehl seiner Neigung zum G9. „Wenn Eltern und Lehrer sich dafür aussprechen, würde ich sofort den Antrag auf Umstellung stellen.“

Die Freien Wähler rechnen mit vielen derartigen Reaktionen. In der Praxis würden wohl die Schulforen – in denen Eltern, Lehrer und Schüler Stimme haben – über G8 und G9 entscheiden. Es gebe zwei Varianten: Entweder eine ganze Schule entscheide sich für das G9. Oder aber – eine Option für größere Schulen – es werde ein G9-Zweig eingeführt. Dass durch das G9 „den Gymnasien am Land das Grab“ geschaufelt werde, wie Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) gestern behauptete, stellte FW-Generalsekretär Michael Piazolo entschieden in Abrede. Das Gegenteil sei richtig: Die Gymnasien würden so gestärkt. Derzeit entschieden sich viele Schüler trotz guter Noten für die Realschule, um über den Umweg der FOS 13 dann doch die allgemeine Hochschulreife zu erhalten.

Um die Details des Volksbegehrens kümmert sich nun eine Arbeitsgruppe der FW. Der vorgeschlagene Gesetzestext müsse klar verständlich sein und auch die Kostenneutralität belegen, sagte Piazolo. Bis zu einer Auftaktveranstaltung am 8. Mai werde das wohl geschehen. Mit der Unterschriftensammlung werde in der zweiten Maihälfte begonnen.

Einen ersten Vorschlag zur Umsetzung haben die FW gestern schon vorgelegt – wobei diese Aufgabe „outgesourct“ wurde. Walter Bertl, stellvertretender Vorsitzender Bayerischen Philologenverbands, hat eine Stundentafel ausgearbeitet – als Privatperson, nicht im Auftrag seines Verbands, wie er betonte. Eine offizielle Empfehlung des Bayerischen Philologenverbands für das Volksbegehren wird es wahrscheinlich nicht geben. Bertl ist als ehemaliger Personalrat im Kultusministerium gut mit vielen Lehrern vernetzt. Nach seinem Vorschlag hat kein Kind im G9 mehr als 30 Unterrichtsstunden in der Woche. Nachmittagsunterricht gibt es nicht. Die zweite Fremdsprache würde wie gehabt in der 6. Klasse beginnen, in der 9. und 10. Klasse fallen jedoch bis zu vier Stunden weg. Durch die dadurch rechnerisch gewonnenen Planstellen sei das G9 ohne Zusatzkosten zu bewerkstelligen, sagte Bertl.

Dirk Walter

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Symbolbild

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