Wiesn-Ticker: Fahrgeschäft wegen Störung außer Betrieb - und es ist ausgerechnet dieses

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Ruhig und zurückhaltend: Jakob Edinger, Besitzer des Hotels „Das Kranzbach“ (im Hintergrund), beherbergt in seinem 4-Sterne-Plus-Refugium Regierungsvertreter.

Österreichische Nonchalance

Gegenentwurf zu Schloss Elmau: Das Kranzbach will leise sein

Kranzbach - Er ist der personifizierte Gegenentwurf zu seinem Nachbarn Dietmar Müller-Elmau. Konträr zu ihm sucht Dr. Jakob Edinger nicht das Rampenlicht, hält sich lieber mit österreichischer Nonchalance im Hintergrund. Doch eines haben beide gemeinsam: Ihre zwei Nobel-Häuser sind in 19 Tagen G7-Gipfel-Hotels.

Ruhe, völlige Ruhe und Abgeschiedenheit – jeder spürt sie, wenn er auf „Das Kranzbach“ zusteuert. Gleichzeitig umweht einen der Hauch der Geschichte beim Anblick dieser fremdartigen Majestät – einem schottischen Landsitz nachempfunden, inmitten der bayerischen Alpen. Dr. Jakob Edinger weiß, was er vor elfeinhalb Jahren als Konkursmasse gekauft hat. „Eine Rückzugsoase mit hoher Qualität.“

Mit der Beschaulichkeit wird es in einigen Tagen vorbei sein. Denn von 26. Mai bis 9. Juni übergibt der Tiroler Tourismus-Experte sein Vier-Sterne-Plus-Refugium an die Bundesregierung. Denn nicht nur im benachbarten Schloss Elmau, sondern auch im „Kranzbach“ bei Krün (Kreis Garmisch-Partenkirchen) werden namhafte Regierungsvertreter während des G7-Gipfels (7./8. Juni) logieren. „Wer, das wissen wir bis heute nicht“, meint Edinger. „Es wird uns einfach nicht gesagt.“

G7-Gipfel 2015: Edinger will das tun, was er am liebsten macht

Liegt beschaulich: das Wellness-Hotel „Das Kranzbach“ ist einem schottischen Schloss nachempfunden.

Fest steht nur: Diesen besonderen Gästen soll ein ausgiebiges Frühstück bis 11 Uhr serviert werden, gefolgt von einem Light-Lunch zu Mittag und einem Abend-Büffet bis 23 Uhr. Klare Order für die Belegschaft dabei: Es müssen auch Speisen für Vegetarier und Andersgläubige gereicht werden. Wenn am 30. Mai die heiße Phase beginnt und die erweiterte Sicherheitszone, in der auch „Das Kranzbach“ liegt, geschlossen wird, beziehen Edinger und Teile der Belegschaft (130 Mitarbeiter) vorübergehend Quartier im Luxus-Resort. Dort will er dann das tun, was er am liebsten macht: „Mich im Hintergrund halten.“ Edinger sagt das mit liebenswürdiger Lässigkeit, ganz Gentleman eben. So als ob er das Erbe der legendären englischen Aristokratin Mary Isabel Portman spüren würde, die 1913 diesen Landsitz mit seinem stufigen Seitengiebel und den rotweißen Fensterläden bauen ließ – beinahe zeitgleich mit Schloss Elmau und wohl nicht zufällig mit einem ähnlichen Programm: Auch hier sollte die Musikwelt ein- und ausgehen. Doch der Erste Weltkrieg machte dieses Projekt zunichte. Die Eigentümerin beschloss, keinen Fuß mehr ins verfeindete Deutschland zu setzen.

Nun wird im ehemaligen Schloss Kranzbach erneut Geschichte geschrieben. Die Welt blickt dorthin und nach Elmau, wo Obama und Co. unter anderem wichtige umweltpolitische Themen anpacken wollen. Für Edinger begann das G7-Abenteuer im Spätherbst 2013, also gut zwei Monate vor der offiziellen Bekanntgabe von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Meseberg. „Unter dem Siegel der Verschwiegenheit“, erinnert sich Edinger, sei damals das Paket Elmau-Kranzbach geschnürt worden. „Es war mir von Anfang an klar, wie wichtig der Gipfel für die Region ist.“ Der promovierte Touristiker bezeichnet ihn als „wirtschaftliches Impuls-Programm“.

G7-Gipfel 2015: "Ein möglichst großes Understatement"

Auch in die G7-Ertüchtigung seines Hauses ist viel Geld geflossen: die Schaffung von Seminarräumen, Kanal- und Trinkwasser-Anschluss, Wlan-Optimierung, um nur einige Punkte zu nennen. Im „Kranzbach“ mit seinen 131 Zimmern geschah das alles unauffällig. „Manchmal ist es besser, leise zu sein – Kranzbach will leise sein“, verkündet Edinger einmal mehr seine Philosophie. In diesem Punkt unterscheidet sich der 71-jährige Österreicher mit dem schlohweißen Haar von seinem wortgewaltigen und extrovertierten Mitgastgeber Dietmar Müller-Elmau, der inzwischen pünktlich zum Gipfel seine Memoiren veröffentlichte und zuletzt durch einige Bausünden von einem Fettnäpfchen ins andere trat.

Dr. Edinger hüllt sich über das, was im Nachbar-Schloss passiert, lieber in Schweigen. Er lächelt die Frage mit einem charmanten Lächeln weg. „Wir nehmen uns strategisch zurück.“ Ziel sei „ein möglichst großes Understatement“. Aus diesem Grund hat er auch alle Medien-Anfragen abgelehnt. „Das ist falsch, was sie tun, sie verpassen eine Jahrhundertchance“, sollen einige PR-Agenturen, die 24 Stunden täglich für „Das Kranzbach“ trommeln wollten, ihn mehrfach dafür kritisiert haben.

Bei Edinger bissen sie jedenfalls auf Granit. Der bodenständige Akademiker, der als Ältester von vier Kindern in einem Landgasthof in Söll am Wilden Kaiser groß geworden ist, weiß, wo er herkommt. „Wir waren kein Millionärs-Haushalt, sondern eine Wirtsfamilie. Deshalb habe ich nie Anschluss an das Luxusleben gefunden.“ Gleichwohl wird Tourismus-Profi Edinger seinen erlesenen G7-Gästen Anfang Juni beweisen, was es heißt, in bewegten Zeiten in einer Ruheoase mit Karwendel- und Wetterstein-Panorama abzusteigen.

G7-Gipfel: Themenseite, News-Blog und die wichtigsten Fakten

Alle Infos zum G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau finden Sie auf unserer G7 Themenseite. Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir bereits zusammengefasst. In unserem News-Blog zum G7-Gipfel erfahren Sie die aktuellsten Nachrichten rund um das Großereignis auf Schloss Elmau.

Christof Schnürer

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