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G8 oder G9?

G8 oder G9?

Spaenle: Dialog über Gymnasium bald beendet

München - Überstürzt wurde das achtjährige Gymnasium von der CSU einst eingeführt. Bei der geplanten Teilrückkehr zum G9 lässt sich die Staatsregierung nun viel Zeit. Die Grünen präsentieren derweil einen eigenen Entwurf.

Seit Jahren schwelt in Bayern die Diskussion über die künftige Ausrichtung der Gymnasien. G8? G9? Beides? Oder doch ganz anders? Jetzt hat die Landtagsfraktion der Grünen einen Entwurf vorgelegt, wie sie sich den Weg zum Abitur in Zukunft vorstellt. Prompt reagiert Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) – und kündigt ein baldiges Ende des noch laufenden Dialogprozesses an.

Für die Grünen war das 2004 eingeführte G8 ein Schnellschuss. „Es gibt aber auch kein Zurück zum alten G9“, sagt der bildungspolitische Sprecher Thomas Gehring. Seine Fraktion will deshalb ein reformiertes, neunzügiges Gymnasium als Grundlage für alle Schulen, bei dem es allerdings die Möglichkeit geben soll, auf acht Jahre zu verkürzen. Bis zur zehnten Klasse solle für alle das gleiche Tempo gelten – zur Oberstufe dürften die Schüler nach dem Grünen-Modell dann entscheiden, ob sie die elfte Klasse überspringen wollen. Darauf könnten sie sich schon in der Mittelstufe mit zusätzlichen Lerneinheiten vorbereiten.

Ein solches Modell sei mit hohen Kosten verbunden, an denen sich der Freistaat beteiligen müsse. „Wir brauchen dafür 1000 neue Lehrerstellen“, sagt Gehring. Und für Erweiterung und Neubau von Schulen rechnet er mit Kosten von rund 1,5 Milliarden Euro – „das können die Kommunen nicht alleine tragen.“ Gehring ist der Meinung: „Wer A sagt, muss auch B sagen. Aber weil Spaenle Angst vor B, also der Finanzierung hat, sagt er auch nicht A.“ Diese „Wischiwaschi-Politik“ müsse ein Ende haben.

SPD will „G9 als Basis für alle“ - mit Überholspuren

Auch aus der SPD-Fraktion kommt der Ruf nach einem klaren Kurs. „Wir sind für die schnelle Einführung des G9 als Basis für alle – mit Überholspuren für die schnellen Lerner“, sagt der Vorsitzende des Bildungsausschusses Martin Güll. Auf keinen Fall dürfe es aber in der Hand der Schulen und Kommunen alleine liegen, ob vor Ort G8 oder G9 angeboten wird. „Das führt ins Chaos.“

Kultusminister Spaenle reagierte und stellte ein baldiges Ende der Dialogphase in Aussicht. Danach würden das Kabinett und die Regierungsfraktion „grundlegende Beschlüsse“ fassen. Einen genauen Zeitpunkt nannte er nicht. Er betonte, dass etwa die fünfte Klasse in jedem Fall einheitlich bleiben und die Mittlere Reife für alle nach der zehnten Klasse möglich sein solle. Die einzelnen Schulen sollen „über ihr Lernzeitangebot und den Zeitpunkt der Entscheidung mitbestimmen können“. Mitbestimmen. Die politische Verantwortung werde aber beim Minister liegen.

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