Schüler beim Abitur: Wird es bald wieder nach neun Jahren am Gymnasium geschrieben? Foto: dpa

Vorschlag des Philologenverbands

Das G9-Gymnasium mit G8-Ausnahme

München - Nun liegt es vor, das mit Spannung erwartete Konzept des Bayerischen Philologenverbands für ein neues neunjähriges Gymnasium. In Kraft treten könnte es wohl zum Schuljahr 2015/16.

G9 als Regelfall, G8 als Ausnahme – das ist wie schon berichtet das Grundkonzeption, die der Philologenverband vorschlägt. Verbandspräsident Max Schmidt plädierte am Dienstag für eine Änderung des bayerischen Schulgesetzes, in dem die achtjährige Gymnasialzeit festgeschrieben ist. „Ich gehe auf jeden Fall davon aus, dass man das Erziehungs- und Unterrichtsgesetz ändern muss“, sagte Schmidt. Eine Rückkehr zum alten G9 hält der Verband nicht für sinnvoll. Mehr als ein Viertel der G8-Schüler mache ein Einserabitur, sagte Schmidt. Diese guten Schüler sollten auch weiter die Möglichkeit haben, ein schnelleres Abitur zu machen.

Etwa 30 Prozent der Abiturienten hätten aber nur einen Dreierschnitt. Für diese Schüler komme eine neunjährige Gymnasialzeit in Frage. Wie viele Gymnasiasten sich für acht- oder neunjährige Gymnasialzeit entscheiden würden, lasse sich nicht vorhersagen: „Das wäre Spekulation. Es gibt ein breites Mittelfeld, von dem wir nicht wissen, wie sich diese Schüler entscheiden würden.“

Der Philologenverband – der Berufsverband der Gymnasiallehrer – wird an diesem Mittwoch sein Konzept für eine neunjährige Gymnasialzeit vorstellen. Es sieht mehr Zeit für ästhetische Bildung vor (Kunst, Musik und Sport), mehr Zeit für Persönlichkeitsentwicklung und für „außerschulische Lernerfahrungen“. In der Mittelstufe soll die Zahl der Wochenstunden auf 30 bis 32 gesenkt werden. In der 9. und 11. Klasse soll es die Möglichkeit geben, ein Jahr zu überspringen – das wäre dann die G8-Ausnahme. Positive Errungenschaften des G8 wie Intensivierungsstunden sollen ausgebaut werden, wenn es nach dem Philologenverband geht. Den Vorschlag will Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zum Ausgangspunkt der weiteren Diskussion über die Zukunft der bayerischen Gymnasien machen.

Schon heute könnte in der CSU-Landtagsfraktion darüber diskutiert werden. Am Donnerstag trifft sich Max Schmidt mit Horst Seehofer und Kultusminister Ludwig Spaenle. Dabei geht es vor allem um die Frage, mit welchem Konzept die Staatsregierung den G9-Volksentscheid der Freien Wähler abfangen will. Diese wollen durchsetzen, dass neben dem G8 auch das G9 wieder regulär angeboten wird – mit der Langfristperspektive, das G8 ganz abzuschaffen. Der Philologenverband dagegen will das von Kultusminister Spaenle eingeführte Flexijahr am G8 und das vom Philologenverband vorgeschlagene Brückenjahr weiterentwickeln. „Wir wollen das Gymnasium nicht erleichtern, wir wollen es auch nicht erschweren“, sagte Schmidt. Spaenles Flexijahr erlaubt es den Schülern, in der Mittelstufe ein zusätzliches Jahr einzulegen und so individuell die Gymnasialzeit wieder auf neun Jahre zu verlängern. Das Brückenjahr des Philologenverbands geht ebenfalls in diese Richtung – ist aber auch für starke Schüler vorgesehen, die etwa ein Auslandsjahr einlegen wollen.

Beide Konzepte hätten sich aber bislang „nicht so durchgesetzt“, sagte Schmidt. Der Philologenverband hält aber nichts davon, einen gleichzeitigen Betrieb von G8 und G9 an den Gymnasien einzuführen oder die Schulen in acht- oder neunjährigen Betrieb aufzuteilen. „Wir können keinen Parallelbetrieb anbieten, und es kann auch nicht so sein, dass sich eine Schule für das G8 entscheidet und die benachbarte Schule für das G9“, sagte Schmidt. In Kraft treten könnte das neue Konzept wohl zum übernächsten Schuljahr – für das Schuljahr 2014/15 ist die Zeit zu kurz. Hier könnte es noch viele Diskussionen geben, denn aus Kreisen der Freien Wähler heißt es, ihr Konzept sei schon ab 2014/15 umsetzbar. Offen ist auch, ob es rückwirkend auch für jetzige G8-Fünftklässler noch gelten könnte.  mm/dpa

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