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Soll ich, oder soll ich nicht? Ein Passant betrachtet ein G9-Werbeplakat.

Halbzeitbilanz ernüchternd

G9-Volksbegehren droht zu scheitern

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München - Ob das noch was wird? Zur Halbzeit des G9-Volksbegehrens haben geschätzt erst etwa ein Prozent der Wahlberechtigten unterschrieben. Notwendig wären zehn Prozent. Die Initiatoren hoffen auf einen starken Schlussspurt.

Wo man auch fragt, überall dieselbe Antwort: Verhalten, zäh, kaum Interesse – so lautet landauf, landab die Auskunft der Einwohnermeldeämter zum G9-Volksbegehren der Freien Wähler (FW). Vor allem in den Großstädten ist das Interesse sehr gering. In München trugen sich bis gestern – Stand 16 Uhr – nur 7090 Personen ein. Bei 914 000 Wahlberechtigten macht das eine Eintragungsquote von 0,8 Prozent. In Nürnberg sieht es nicht besser aus: 2782 von 347 000 Wählern hatten sich bis gestern 18 Uhr eingetragen – also ebenfalls 0,8 Prozent. „Da brauchen wir nicht rumreden“, sagt FW-Generalsekretär Michael Piazolo. „Wir haben uns mehr erhofft.“ Bayernweit beträgt die Eintragungsquote über den Daumen gepeilt ein Prozent, schätzt er.

Zum Vergleich: Beim erfolgreichen Volksbegehren gegen die Studiengebühren 2013 waren es zum gleichen Zeitpunkt 3,4 Prozent. Auch hier gab allerdings erst eine starke zweite Woche den Ausschlag – am Ende hatten die Studiengebühren-Gegner 14,4 Prozent beisammen. Der Präsident des Lehrerverbands, Klaus Wenzel, der das Volksbegehren zur Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 offen unterstützt, nennt das Zwischenresultat „betrüblich“. Ein Drittel der Bevölkerung, vor allem ältere Bürger, interessiere sich für die Thematik überhaupt nicht, sagt Max Schmidt, Chef des Bayerischen Philologenverbands. Das merke man jetzt. Dennoch gehe er davon aus, „dass es am Ende ein passables Ergebnis geben wird“.

Am ehesten zur Hoffnung Anlass geben Ergebnisse aus einigen mittelgroßen Städten. In Landshut trugen sich immerhin schon 1,9 Prozent ein, in Straubing 1,2 Prozent, in Wolfratshausen, Erding und Wasserburg ein Prozent und in Weilheim gar zwei Prozent. Auch hier gibt es aber auch ernüchternde Resultate. Rosenheim, Bad Tölz und Starnberg melden je nur 0,8 Prozent, Kolbermoor und Dachau nur 0,7 Prozent. Noch schlechter sei die Resonanz nur im Berchtesgadener Land, berichtet Piazolo. Er hofft auf einen Schlussspurt. Am heutigen langen Donnerstag haben viele Rathäuser bis 20 Uhr geöffnet. Auch sind sie verpflichtet, an diesem Wochenende einen Tag zu öffnen – in München ist die Eintragung sogar am Samstag und Sonntag möglich.

BLLV-Chef Wenzel baut derweil vor: Die Diskussion um die Weiterentwicklung des Gymnasiums werde auch bei einem Scheitern des Volksbegehrens nicht gestoppt, meint er. „Da bin ich zuversichtlich.“

Dirk Walter

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