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Schweigt über die Tat: Angeklagter Ingo H. (re.) und sein Anwalt Hartmut Finger.

Ehefrau umgebracht - Gärtner vor Gericht 

Langenbach - Seit Dienstag muss sich der 47-jährige Gärtnermeister Ingo H. wegen Totschlags an seiner Frau Gertraud vor dem Landgericht Landshut verantworten. Zu den Details des Eifersuchtsdramas schweigt der Angeklagte nach wie vor.

Die Umstände und die Hintergründe des tödlichen Ehedramas bleiben auch nach dem ersten Tag des Prozesses im Dunkeln. Ingo H. wird beschuldigt, seine von ihm getrennt lebende Ehefrau (45) in Langenbach (Kreis Freising) in den Morgenstunden des 19. Juni 2008 erschlagen zu haben - „Auf nicht im Einzelnen feststellbare Art und Weise durch stumpfe Gewalteinwirkung auf das Gesicht und den Hals” heißt es in der Anklageschrift, die dem Gärtnermeister Totschlag vorwirft. Zum Prozess sind 21 Zeugen und vier Sachverständige geladen, um die offensichtliche Eskalation eines Eifersuchtsdramas aufzuklären. Als Nebenkläger treten die Mutter der Getöteten, Kreszenz H., und die Tochter des Ehepaares, Claudia H. auf. „Ich und meine Schwestern wollen wissen, was passiert ist.  Dann können wir es vielleicht besser verarbeiten”, sagte Claudia H. am Rande des Prozesses.

Nach der Trennung im Auto übernachtet

Im Frühsommer 2008 lebte der Angeklagte schon einige Zeit von seiner Frau getrennt. Er übernachtete entweder im Auto oder bei seiner Mutter. Gertraud H. lebte mit den drei Töchtern auf dem Anwesen ihrer Mutter in Freising, wo Ingo H. nach wie vor eine Gärtnerei betrieb. Sie hatte schon seit längerem einen neuen Lebensgefährten, von dem sie in den frühen Morgenstunden am Tag der Tat nach Hause zurückkehrte. Sie traf dort auf ihren Ehemann, der auf dem Grundstück im Auto übernachtet hatte. Dort kam es zu einem Streit und zu einem Gerangel, in dessen Verlauf der Gärtner auf Gertraud H. zu liegen kam. Spätestens da, so die Anklage, habe er beschlossen, sie zu töten.

Nachbar hörte "erbärmliche Hilferufe"

Ein Nachbar sagte bei der Polizei aus, dass er an jenem Morgen „erbärmliche Hilferufe einer Frau und Stöhnen” in seinem rund 60 Meter Luftlinie entfernten Schlafzimmer gehört habe. Daraufhin eilte der Mann nach eigenem Bekunden in die Gertnerei und fand Gertraud H. am Boden liegend vor - und Ingo H., der die Arme um sie schlang. Die Frau habe um Hilfe gerufen, der Mann beruhigend auf sie eingeredet. Der Nachbar fragte, ob er helfen könne. Ingo H. soll gesagt haben: "Alles in Ordnung." Dennoch wurde der Mann mißtrauisch und rief die Polizei. Als die Beamten und der Rettungsdienst eintrafen lag die Frau bereits im Sterben. Reanimationsversuche blieben erfolglos.

Keine Reaktion auf Fotos von seiner toten Frau

Der Angeklagte war nach der Tat zunächst geflüchtet, konnte aber nach kurzer Zeit festgenommen werden: In der Wohnung seiner Mutter, wo er „wie schlafend” auf einer Matratze gelegen habe, sagte ein Kripobeamter bei der Verhandlung. Er habe sich auf Fragen, wo seine Frau sei und wie es ihr gehe, überrascht gezeigt und beteuert: „Ich weiß von nichts.”  Und: „Ihr geht es gut.” Auf Fotos, die man ihm am Computer von seiner toten  Frau gezeigt habe, „hat er keine besondere Reaktion gezeigt." Bei der Vernehmung gab Ingo H. lediglich zu, dass er sich in der Nacht auf dem Gärtnereigrundstück aufgehalt hat und am Morgen auf seine Frau getroffen sei. An weitere Details wollte er sich nicht mehr erinnern können. Da er jedoch auf weitere Fragen immer ausweichend reagiert hat, befand der Kripobeamte die angebliche Amnesie als "wenig überzeugend". Der Prozess, für den fünf Verhandlungstage angesetzt sind, wird am 26. Februar fortgesetzt.

ötl

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