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Schon jetzt ist die Anzahl der Grippe-Erkrnakungen im Vergleich zum Vorjahr um das Doppelte angestiegen.

Kliniken voll, Schulen halbleer: Erkältungswelle in Bayern

München – Es niest und schnupft an allen Ecken. Schulklassen sind halbleer, Rathäuser verwaist – dafür platzt so manches Krankenhaus aus allen Nähten. Eine Erkältungswelle schwappt über den Freistaat.
Neben dem harmlosen Schnupfen nehmen auch die gefährlichen Fälle von Grippe zu.

Der Kapitän verlässt als letzter das sinkende Schiff. Und der Bürgermeister ist die letzte Bastion im Rathaus. „Am Nachmittag war ich dann ganz allein da“, musste Franz Hofstetter vergangene Woche feststellen. Der Bürgermeister von Taufkirchen (Kreis Erding) erfreute sich eiserner Gesundheit – im Gegensatz zu den meisten seiner Mitarbeitern.

In vielen oberbayerischen Schulen sieht es keinen Deut besser aus. „Schlimmer braucht’s nimmer werden, sonst können wir zusperren“, sagt Schulleiter Georg Riedel aus Allershausen (Kreis Freising). Auch ihn hat die Erkältung erwischt. „Wir sind am Limit“, klagt der Direktor des Gymnasiums Tegernsee (Kreis Miesbach). Die Ausfälle durch grippale Infekte seien heuer „bemerkenswert mehr als sonst“. Prall gefüllt sind in seiner Schule nur die Taschentücher.

Je leerer Amtsstuben und Klassenzimmer, desto voller Wartezimmer und Krankenhäuser. „Wir erleben Woche für Woche neue Rekorde“, berichtet der Vorstandschef des Erdinger Kreiskrankenhauses, Dr. Joachim Ramming. Alle 370 Betten seien belegt, die Auslastung betrage rein rechnerisch 100 Prozent. Kreativität und Krisenmanagement sind da gefordert. „Momentan versuchen wir alles zu schieben, was nicht sofort gemacht werden muss.“

In der Wolfratshauser Kreisklinik nimmt man es gleichmütiger. Die Innere Abteilung sei zwar zu fast 100 Prozent belegt, das „ist aber jedes Jahr das gleiche“, erklärt Geschäftsführer Hubertus Hollmann.

Die Ilmtalklinik in Pfaffenhofen kam durch das Radio zu unverhoffter Prominenz – von einem „Katastrophenplan“ war zu hören. Seitdem wurde Geschäftsführer Marco Woedl mit Telefonanrufen von Journalisten regelrecht bombardiert. „Da ist überhaupt nichts dran“, ärgert er sich. Hier muss sich wohl Hysterie mit einem Missverständnis gepaart haben. „Wir sind voll aufnahmefähig und haben keinen einzigen Fall von Influenza.“

Auch wenn die Ilmtalklinik von der „echten“ Grippe bislang verschont geblieben ist, die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Bayernweit wurden heuer bereits 2283 Influenza-Fälle gemeldet, fast doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Wie immer übersteigt die Dunkelziffer die offiziellen Zahlen um ein Vielfaches. Allein im Landkreis Weilheim-Schongau rechnet der Leiter des Gesundheitsamts, Dr. Karl Breu, mit 10 000 Betroffenen, die sich mit dem Influenza-Virus Typ B angesteckt haben sollen.

Von einer Pandemie sei man zwar noch weit entfernt, die Zahl der Erkrankungen liege aber deutlich über dem winterlichen Durchschnitt, bestätigt auch Gerhard Schmid. Der Leiter des Gesundheitsamts für den Landkreis München will keine Panik verbreiten: „Die Grippewelle befindet sich heuer im Rahmen der alljährlichen Schwankungsbreite.“ Allerdings am oberen Ende, gibt er zu.

Unterschätzen sollte man das Virus aber in keinem Fall. Schmid: „Im Schnitt sterben in Deutschland jedes Jahr mehr Menschen an der Influenza als bei Verkehrsunfällen.“ Seit langem schätzen Experten, dass dem Virus jährlich bis zu 20 000 Menschen zum Opfer fallen.

Von Thomas Schmidt

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