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Fünf Menschen starben in den Trümmern einer einstürzenden Bäckerei, als die gewaltige Gasexplosion das mittelfränkische Lehrberg erschütterte.

Gasexplosion in Lehrberg: Monteur verurteilt

Lehrberg/Ansbach - Fünf Menschen starben in den Trümmern einer einstürzenden Bäckerei, als vor gut zwei Jahren eine gewaltige Explosion das mittelfränkische Lehrberg erschütterte. Noch heute klafft eine Lücke im Stadtbild.

An die Wunden, die der Tod bei den Angehörigen gerissen hat, erinnert ein Gedenkstein. Auch im Leben des verantwortlichen Gas-Monteurs hat die Katastrophe deutliche Spuren hinterlassen. “Sie sind gezeichnet durch das Geschehen“, sagte Richter Peter Ziegler zu dem 44-Jährigen. Im Oktober zog das Amtsgericht Ansbach einen juristischen Schlussstrich und verurteilte den Mann zu neun Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe.

Eigentlich wollte der Familienvater an jenem 22. September 2006 nur ein leicht undichtes Ventil an einem Flüssiggastank nachziehen. Bei der Arbeit verstellte sich jedoch unbemerkt der Richtungshebel des Druckluftschraubers, so dass sich das Ventil herausdrehte und 1,2 Kilogramm Gas pro Sekunde aus dem Tank strömten. Binnen kürzester Zeit bildete sich eine Wolke aus einem hochentzündlichen Gas-Luft- Gemisch, die fünfmal so groß war wie ein Einfamilienhaus. 19 Minuten später flog die Bäckerei in die Luft. Der Knall war 25 Kilometer weit zu hören.

Es war eines der größten Gas-Unglücke im Freistaat seit Jahrzehnten. Zusätzlich zu den fünf Toten in der Bäckerei starb einer der Verletzten Wochen später im Krankenhaus. Vor Gericht ging es danach dann vor allem um eine Frage: Durfte der Monteur überhaupt einen Druckluftschrauber verwenden, oder hätte er ein Handgerät nehmen müssen? Der erfahrene Mitarbeiter habe gewusst, dass er aufgrund der firmeninternen Sicherheitsvorschriften zu einer Knarre oder einem Gabelschlüssel hätte greifen müssen, urteilte das Gericht. Sein zweiter und entscheidender Fehler sei gewesen, dass er das Ändern der Drehrichtung des Schraubers nicht bemerkt habe.

Das Arbeitsgerät sei nicht verboten gewesen, betont hingegen der Anwalt des Monteurs, Christian Tünnesen-Harmes. “Es ist für mich nach wie vor unverständlich, dass man hier überhaupt zu einem Schuldspruch kommt, wenn selbst der TÜV sagt, die technische Arbeit sei in Ordnung gewesen.“ Zumal das Ventil mit einem Handgerät nicht zu erreichen gewesen sei. Der Verteidiger akzeptiert jedoch den Spruch des Gerichts. “Es mag zwar ein falsches Urteil sein, aber es war letztlich eine weise Entscheidung.“ Denn damit sei dem psychisch schwer angeschlagenen Monteur ein weiterer Prozess vor der nächsten Instanz erspart geblieben.

Die Anklage hatte nach dem Urteil zunächst Berufung eingelegt, diese aber nach wenigen Tagen zurückgenommen. Hintergrund war ein Disput über das Verhalten der Rettungskräfte am Unglücksort, der nicht rechtzeitig geräumt worden war. Für die Verteidigung “hat es ein klares Fehlverhalten der Freiwilligen Feuerwehr gegeben“. Auch Richter Ziegler sagte, man könne durchaus diskutieren, ob die Helfer angemessen handelten. Aus Protest gegen diese Bewertung legte die Anklagebehörde Berufung ein. “Das konnte man nicht im Raum stehen lassen“, erläutert Sprecher Ernst Metzger.

Am Ende gab sich aber auch die Staatsanwaltschaft mit dem Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung und fährlässiger Körperverletzung zufrieden. Der 44-Jährige selbst leidet noch immer unter den Folgen seines Fehlverhaltens. Im nächsten Jahr wird er eine stationäre Therapie machen, um mit den Schuldgefühlen leben zu lernen. Nach Angaben seines Anwalts hat der Mann zumindest die Zusage seiner Firma, dort arbeiten zu können, sobald er dazu wieder in der Lage ist - schließlich habe man über Jahre hinweg die Zuverlässigkeit des Monteurs schätzen gelernt.

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