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Franz Bergmüller ist Wirt aus Feldkirchen-Westerham (Kreis Rosenheim) und Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands

Gaststätten-Chef: So sind unsere Wirtshäuser zu retten

München - Franz Bergmüller, Wirt aus Feldkirchen-Westerham und Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, erklärt das Wirtshaussterben und nennt Auswege. 

Das Bundesamt für Statistik hat Zahlen veröffentlicht, wonach in Bayern seit 2001 ein Viertel der Wirtshäuser verschwunden sind. Wir sprachen mit Franz Bergmüller, Wirt aus Feldkirchen-Westerham (Kreis Rosenheim) und Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), über die Ursachen des Wirtshaus-Sterbens.

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War in Ihrem Wirtshaus an Ostern viel los?

Teils, teils. Das Wetter war sehr schlecht, viele Gäste sind deshalb nicht in ihre Autos gestiegen und zu uns gefahren. Aber Donnerstag, Freitag und Samstag waren wir sehr gut besucht, das traditionelle Frühjahrsschafkopfen fand auch bei uns statt.

Die Statistik sagt, Wirtshäuser sterben. Ihnen scheint es aber noch recht gut zu gehen.

Diese Wirtshäuser sind betroffen:

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Vom Niveau der 80er Jahre sind wir weit entfernt. Früher hast du andere Strukturen gehabt. Ein klassischer Arbeiter ist am Sonntag mit seiner Frau und seinen Kindern ins Wirtshaus gegangen. Der hat zu seiner Frau gesagt: ,Du musst sowieso die ganze Woche kochen, dann nicht auch noch am Wochenende.'

Die Gesellschaft hat sich verändert?

Die Stammkundenbindung war früher größer. Heute gehen die Leute zum McDonalds Cheesburgeressen, kaufen sich um die Ecke einen Döner, gehen zum Italiener.

Mehr Auswahl ist doch nichts Schlechtes?

Wenn du dich als Wirtshaus nicht spezialisierst, wird es schwierig. Man steigt entweder um auf Bio oder eine spezielle Rinderrasse. Oder man bietet viel vegetarisches Essen an oder auch vegan.

Vegan? Im Dorfwirtshaus?

Das geht auf dem Land natürlich nicht, da brauche ich ein Ballungszentrum.

Warum gibt es immer weniger Wirtshäuser?

Der paragastronomische Bereich wird immer größer. Das heißt, die Vereine machen Feiern, schenken Bier aus, die Feuerwehr isst ihren Karfreitags-Fisch nicht mehr im Wirtshaus, sondern bei sich im St. Floriansstüberl. Und billiger ist es auch. Dort kostet das Bier einen Euro, im Wirtshaus drei. Nur dass das Feuerwehrhaus mit Steuergeld gebaut wurde. Geburtstag feiert man auch nicht mehr im Wirtshaus. Aber auch die Sperrstunde spielt eine Rolle. Bei einer Firmenfeier kann ich in der Firma länger feiern als in vielen Wirtshäusern.

Früher hieß es, der Mittelpunkt eines Dorfs sind die Kirche und das Wirtshaus.

Genau, das waren allgemeine Kommunikationszentren. Das wird weniger. Zwar gibt es in den Wirtshäusern noch den Leichenschmaus, auch die Hochzeit wird noch dort gefeiert. Aber die Bedeutung als Zentrum nimmt ab.

Sind Wirtshäuser für junge Leute zu langweilig?

Die splitten ihr Geld breiter auf. Die müssen ihre Handy- Rechnung bezahlen, die fürs Internet und trinken im Fitnessstudio noch ihren Eiweißcocktail. Die gehen nicht mehr um die Ecke und trinken vier Halbe. Und wenn sie doch weggehen, dann wollen sie ein Riesenevent haben. Wir leben in einer Lifestylegesellschaft.

Sie sind auch mobiler als früher.

Autos gab es vor 30 Jahren auch. Das Problem ist: Wir sind früher nach dem Fußballtraining ins Wirtshaus, haben eine Currywurst gegessen und Bier getrunken. Heute geht man lieber ins Vereinsheim.

Gibt es den Stammtisch in 20 Jahren noch?

Ja, aber der steht in einem anderen Wirtshaus, als man es kennt. Neue Wirtshäuser werden ja heute schon mit Schützenheim drunter, Bowlingbahn daneben und Theaterhalle dahinter gebaut. Alles ist komprimiert.

Interview: Patrick Wehner

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