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Links im Bild die Chefplaner: Siegfried Merkl (li.) und Robert Weidmann.

"Nicht jeder Lokführer streikt"

GDL-Streik: Mit jedem Mal wird die Planung besser

München – Die Bahn lernt nie aus – und ihre Verkehrsdisponenten wissen: Manche Lokführer sind Streikmuffel.

Der Lokführerstreik – „das ist für uns eine Abweichung vom Kundenideal“, sagt Robert Weidmann und schmunzelt. Eigentlich möchte man ja meinen, wegen des Lokführerstreiks sei in der DB-Zentrale an der Donnersbergerbrücke Hektik ausgebrochen. Aber davon keine Spur. Weidmann ist Verkehrsdisponent der Deutschen Bahn in München. Am Computer setzt er Fahrzeuge und Lokführer aufs Gleis – wenigstens diejenigen, die derzeit verfügbar sind. Weil jeder Lokführer bei Arbeitsbeginn zu einer Meldung verpflichtet ist, ob er streikt oder nicht, hat die Bahn zum Schichtwechsel einen guten Überblick, welche S-Bahnen und Regionalzüge fahren – und welche nicht. Mit jedem Streiktag wird die Planung der DB besser – man lerne aus „schmerzhaften Erfahrungen bei den ersten Warnstreiks“, sagt der Chef der Transportleitung, Siegfried Merkl.

Priorität haben dabei die Knotenverbindungen – also zwischen den größeren Städten. Beispiel: München-Augsburg. Auch beim Fuggerexpress streiken die Leute. An einem Tag bräuchte Weidmann etwa 20 Lokführer, um die teils halbstündige Verbindung voll aufrecht erhalten zu können. Das geht an diesem Donnerstag natürlich nicht. „Heute haben wir aber auf jeden Fall fünf, die fahren“, sagt Weidmann. Bröckelt die Streitbereitschaft? Dazu möchte man lieber nichts sagen. Nur so viel: „Die doch relativ vielen Fahrten sprechen für sich.“ Also: Nicht jeder Lokführer streikt. Einige waren noch bei der alten Bundesbahn und sind Beamte, andere sind bei der GDL-Konkurrenz EVG, dritte einfach unorganisiert oder Streikmuffel. Mit ihnen lässt sich ein stabiler Ersatzfahrplan aufstellen. Sofern nichts dazwischen kommt. Beim ersten Warnstreik stellten zwei Lokführer am S-Bahn-Halt Nürnberg-Mögeldorf, einem Nadelöhr, ihre Züge einfach im Bahnhof ab und legten so den Betrieb lahm. Solche Fieslinge! Die Bahn musste erst andere Lokführer mit dem Taxi zum Bahnhof fahren, die dann die Züge wegfuhren.

Je nach Linie sind die Lokführer unterschiedlich streikbereit. Bayernweit seien 40 Prozent der Lokführer verfügbar, schätzt man bei der DB. Besonders heikel ist die Münchner S-Bahn, bei der Merkl und sein Team lieber defensiv verfuhren: Auf den Außenästen wurde ein 60-Minuten-Takt eingeplant. Doch schon am Morgen stellte Merkl fest, dass mehr S-Bahn-Lokführer zum Dienst erschienen waren als gedacht. Deshalb konnten immer wieder Zusatzzüge ad hoc auf die Schiene geschickt werden, die im eigentlichen Ersatzfahrplan nicht enthalten waren.

Die Fahrgäste erfahren davon nur zufällig – oder aber, wenn sie den „Streckenagenten“ im Internet abonniert haben. Das hat nicht jeder, wie eine Flurlänge weiter die Mitarbeiter in der Abteilung „Kundendialog“ wissen. Unter Telefon (089) 20 35 50 00 stehen Montag bis Freitag von 7 bis 20 Uhr DB-Mitarbeiter bayernweit Rede und Antwort zum Lokführerstreik. Anfangs habe man 1000 Anrufe am Tag gehabt, oft ältere Leute. Jetzt sei es ruhiger. Meist seien die Fragen schnell zu beantworten – etwa wenn eine Seniorin wissen will, ob sie heute von Erding zum Ostbahnhof kommt, und vor allem wann? Ein Klick auf den Internet-Fahrplan, schon kann Sachbearbeiter Guido Knodel die Frage beantworten. „80 Prozent der Leute sind dankbar.“ Auch die Bahnkunden gewöhnen sich an den Streik – die „Abweichung vom Kundenideal“ wird mittlerweile oft freundlich hingenommen.

Dirk Walter

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