Der Ausstand der Lokführer

So kommen Sie durch den Dauerstreik

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München - Frei nach Ikea: Fährst Du schon oder stehst Du noch? Der 98-Stunden-Streik der Lokführer strapaziert die Geduld. Hier ein Überblick, wie man die Nerven behält und heute möglichst gut durchkommen könnte.

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S-Bahn

Wer S-Bahn fahren muss, braucht Geduld. Zwei von drei Zügen entfallen, die meisten Linien verkehren nur im Stundentakt. Die Abfahrtszeiten der noch fahrenden S-Bahnen hat der Konzern gestern minutenscharf bekannt gegeben – und zwar unter folgender Internetadresse:

www.bahn.de/blitz/view/bayern/uebersicht.shtml

Nur die Flughafenlinie S8 soll alle 20 Minuten fahren. Sowieso eingeschränkt ist die S-Bahn zwischen Erding und Markt Schwaben – dort gibt es von Samstag bis Montagfrüh Bauarbeiten.

Fern-/Regionalverkehr

Den Fernverkehr hat es beim letzten Streik Mitte Oktober am härtesten getroffen, sagt Norbert Moy vom Fahrgastverband Pro Bahn. Auch diesmal wird wohl nur jeder dritte Zug fahren. Vorsorglich strich die Bahn schon gestern den Fahrplan zusammen. Von München nach Hamburg fährt nur alle zwei Stunden ein ICE – jeder zweite Zug fällt aus. Ähnlich ist es zwischen München und Stuttgart bzw. Dortmund. Tabula rasa machte die Bahn notgedrungen auf der Paradestrecke München nach Berlin: Tagsüber soll nur ein Zug fahren (ab 9.16 Uhr), alle anderen gut ein Dutzend ICE-Verbindungen, so der Stand gestern, fallen dem Streik zum Opfer.

Beim Regionalverkehr verspricht die Bahn, dass 40 bis 60 Prozent der Züge fahren. Das ist ein Durchschnittswert, der je nach Strecke schwankt. Norbert Moy, selbst Pendler aus Weilheim (siehe Umfrage), rechnet damit, dass die Züge der Werdenfelsbahn zwischen München und Garmisch-Partenkirchen im Ein-Stunden-Takt fahren werden – nur die Verstärkerzüge fallen aus. Die Lokführer der Werdenfelsbahn gelten als wenig streikbereit. Andere Strecken, etwa Nürnberg-Bamberg, waren zuletzt stärker betroffen. Wenn es sich anbietet, wird ein Lokführer auch „umgesetzt“ – er fährt eine andere Linie als gewohnt, sofern er die Streckenkenntnis besitzt . Keine Linie wird ganz ausfallen, betont Bahnsprecher Lindemair. Nur Nebenlinien wie Murnau-Oberammergau werden durch Busse ersetzt. Die BOB und der Meridian (München-Rosenheim-Salzburg) sind nicht vom Streik betroffen.

Fernbusse

Fernbus-Anbieter reiben sich die Hände. Sie rechnen mit Rekordeinnahmen. „Das wird eine große Bewährungsprobe für uns. Wir können beweisen, dass wir eine ernstzunehmende Alternative im Fernverkehr sind“, heißt es bei Flixbus in München. Bei ADAC-Postbus, vor kurzem noch durch Stilllegungsgerüchte gepeinigt, ist die Zahl der Anfragen auf das Fünffache hochgeschnellt. Beim Konkurrenten „Mein Fernbus“ berichtet Pressesprecher Gregor Hintz von sechs Mal mehr Zugriffen auf die Homepage als üblich und vier Mal mehr Buchungen im Vergleich zu normalen Tagen. „Es brennt.“ Man sei dabei, „mehr Busse zu akquirieren“. Mindestens 100 zusätzliche Fahrten in Deutschland will „Mein Fernbus“ organisieren, etwa zehn bis 12 könnten es ab München sein. Die Abfahrtszeiten ändern sich nicht, vielmehr fahren dann zwei Busse gleichzeitig ab. Die Busse sollen auf den Hauptstrecken etwa nach Berlin, Frankfurt oder Hamburg eingesetzt werden. Die Vermutung, die Fernbusse könnten den Lokführerstreik ausnutzen und die Preise erhöhen, weist Sprecher Hintz weit von sich. „Die Preisspannen bleiben gleich.“ Ein Beispiel: München-Berlin kostet bei „Mein Fernbus“ 22 bis maximal 51,50 Euro. Gestern waren für Fahrten am heutigen Donnerstag noch Tickets für 48 Euro (tagsüber) bzw. 28 Euro (nachts) verfügbar. Wer sich spontan entscheidet, kann auch zum Busbahnhof an der Hackerbrücke kommen, beim Fahrer ein Ticket kaufen (sofern der noch Plätze hat) – und ab geht’s.

Mietwagen

Es könnte eng werden. „Nach unserer Auswertung sind die Anfragen bei allen Anbietern seit der Streikankündigung enorm gestiegen“, erläuterte ADAC-Sprecher Oesterle. Beim ADAC-Online-Portal für Mietwagen seien erstmals seit der Einführung im Jahr 1991 in den deutschen Ballungszentren keine Fahrzeuge mehr verfügbar. Beim Autovermieter Sixt gibt es zwar eine vermehrte Anfrage. Es sei aber nicht so, dass nichts mehr verfügbar sei, sagte Sprecher Frank Elsner.

Mitfahrgelegenheit

Auch eine Option in diesen Zeiten: Bei der Internet-Plattform Mitfahrgelegenheit.de, bei der private Autofahrer ihre freien Sitzplätze anbieten, werden derzeit etwa doppelt so viele Fahrten vermittelt wie üblich. „Besonders auffällig ist die Zahl der neuen Autofahrer gestiegen, die einen Platz zur Verfügung stellen“, sagte Pressesprecher Simon Baumann in München. Für die kommenden Tage würden zusätzlich etwa 100 000 Plätze angeboten. Eine Fahrt von München nach Berlin kostet etwa 28 bis 30 Euro.

Fan-Sonderzüge

Achtung Bayern-Fans: Vor dem Auswärtsspiel am Samstag in Frankfurt wackeln die üblichen Verstärkerzüge – denn der Streik geht ja am Wochenende weiter und dauert bis Montag 4 Uhr früh. Der FC Bayern empfiehlt, mehr Zeit einzuplanen.  

dw/dpa 

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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